Montag, 26. September 2011

Zweieinhalb Gedanken- Labelling

Ich habe schon mit der Blogadresse ziemlich deutlich Stellung bezogen in welche Schublade man mich stopfen kann und das, obwohl ich eigentlich zu den Leuten gehöre, die gerne individuell betrachtet werden wollen. Ich mag es nicht mit anderen über einen Kamm geschoren zu werden, trotzdem bin ich dazu übergegangen mich selbst zu kategorisieren um es meinem Gegenüber leichter zu machen. Irgendwie stört mich das auch nicht mehr, was mich mehr ärgert ist, wenn man nur noch als "die Veganerin", "die, die immer ein Buch dabei hat" oder "die, die Yoga macht" gesehen wird. Klar mache ich das alles, klar habe ich auch Meinungen, vertrete Ansichten, ich mag es nicht auf einen Aspekt heruntergebrochen zu werden.
So ist es auch mit der LOHAS-Sache. Ich ordne mich da gerne selbst ein, weil ich zugeben muss der soziologischen Definition zu entsprechen. Allerdings bin ich da hineingewachsen, ich war schon so bevor das Wort aufkam, bevor im Jahr 2000 der Begriff geprägt wurde- aber das gilt ja nicht nur für mich. Alle anderen die das genauso betrieben haben wurden da zusammengefasst. Dass sich da ein Yuppie-Lifestyle dranhängt- who cares? Ich glaube schlicht nicht, dass man sich einschränkt ohne dass da zumindest ein bisschen Überzeugung dahintersteckt. Klar gab es sie schon immer- die Charity-Ladies deren unermessliche Verschwendungssucht mit irgendwelchen Veranstaltungen ausgeglichen werden sollte, aber ist es das wirklich? Kann man das vergleichen, wenn sich eine ganze Generation Gedanken darum macht, ob man ein Auto braucht? Und selbst wenn? Ist es nicht irgendwie trotzdem gut, wenn jemand fairtrade Kaffee kauft nur weil er das "schick" findet?
Studien sprechen von verschiedenen Untergruppierungen bei den LOHAS, um ehrlich zu sein habe ich mich nicht allzu dezidiert mit der soziologischen Aufarbeitung dieses Phänomens befasst, aber das prägnanteste: der Großteil ist weiblich, gehört zu der gebildeten Schicht und ist relativ jung. Das ist dann wohl tatsächlich die Gruppe zu der ich gehöre, aber ist das tatsächlich schlimm, muss ich mich davon distanzieren, sollte ich nicht lieber glücklich sein zu einer derart privilegierten Generation zu gehören, die die Möglichkeit haben auch kleine Teile ihres Lebens kritisch zu durchleuchten? Wie viele Gesellschaften in der Menschheitsgeschichte hatten die Wahl derart selbstbestimmt ihre moralischen Werte auszuloten und sich an dem Ausleben zu versuchen?  Ich stelle immer wieder mit Erstaunen fest, dass ich doch vielen Klischees (viel mehr als mir lieb ist) entspreche, tatsächlich, das ekelhafteste: Yoga; erfülle ich auch. Aber muss etwas schlecht sein, nur weil es keine Randerscheinung ist, weil ihm die Außergewöhnlichkeit fehlt?
Ich für meinen Teil erfülle vielleicht das Klischee des LOHAS, trotzdem lebe ich meine eigene Interpretation des Lebensstils: ich bin ein LifestyleOfHealthAndSustainibility + + + + +.

Der Unterschied ist doch die Wertung. So wie nicht ein Vegetarier dem anderen gleicht, ein Intellektueller nicht gleich einem anderen Intellektuellen ist und auch ansonsten das Individuum im Vordergund zu stehen hat, muss doch auch hier gelten, dass vielleicht der Oberbegriff der richtige ist, man aber trotzdem nicht vergessen darf, dass einen Menschen zum einen mehr ausmacht und zum anderen jeder seine eigene Interpretation lebt. Man kann das vielleicht unter einem gemeinsamen Namen zusammenfassen, grade wenn es sich um gesellschaftliche Bewegungen handelt, man darf aber eben nicht vergessen, dass diese den Regeln der Statistik folgen, also einzelne Entwürfe auf große Gemeinsamkeiten herunterbrechen.


Ich mag meine Schublade. Während ich das schreibe, habe ich mir bildlich ausgemalt, wie man sie sich vorzustellen hat: Dunkles Holz (natürlich aus nachhaltigem Anbau), hunderte bequeme Kissen aus Bananenseide (grün und blau, orientalischer Stil), ein Opiumtischchen mit dampfendem silbernem Teekessel drauf, ein riesiges Bücherregal und ein Jahresabo der Titanic. Da ist es bequem, da bleib ich gern drin.
(Ein bisschen wie Lars Gustafsson es in seinem großartigen Gedicht "Khubilai Khan bricht aus Xanadu auf" beschreibt)





1 Kommentar:

  1. Oh ich wusste gar nicht, dass es für einen reflextierten Lebensstil einen Begriff gibt. Jetzt bin ich schlauer :-)

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