Mittwoch, 19. Oktober 2011

Was andere so schreiben - Sarah Stumbles "How to Eat in Public"


Noch immer ist Vegan MoFo - aber nicht alle Blogger schreiben über Rezepte, manche veröffenlichen auch mehr oder weniger allgemeine Gedanken zum Veganismus, so auch Sarah Stumbles von "Yes, I'm going to marry a carrot." Mit ihrer Genehmigung übersetze ich euch den Beitrag den sie heute eingestellt hat.

Ihr 12. Beitrag für den Vegan Month of Food trägt den bezeichnenden Titel "How do I eat in public" und macht vor allem eins deutlich: die Reaktionen auf das Geständnis "ja, ich bin vegan" sind über Ländergrenzen hinweg gleich. Ein wundervoll geschriebener Text, der auch die Schwierigkeiten der Nichtveganer deutlich macht.

Der Versuch einer Übersetzung:


Wie soll ich in der Öffentlichkeit essen?


Gut, dieser Titel ist ein wenig irreführend; Essen in der Öffentlichkeit ist eigentlich nicht schwer oder etwas wozu man eine Anleitung bräuchte. Ich möchte aber ein paar Gedanken zu den Situationen am Arbeitsplatz loswerden, in denen man gesunde pflanzliche Kost isst und dies in einem Umfeld von Menschen tun muss, diese Art Ernährung  nicht sonderlich wertschätzen (bzw. keine Ahnung davon haben).

Zuerst einmal ein Gespräch, das ich kürzlich zufällig im Pausenraum mitbekommen habe:
Mädchen: Ich esse immer diese "dünnen" Bagel zum Frühstück, weil die low fat oder sowas sind, aber die machen mich nie richtig satt.
Ich: Naja, wegen der 50 Kalorien mehr könntest du auch einfach einen normalen Bagel essen.
Mädchen: Weißt du was erstaunlich gute Zutaten hat? Wonderbread. [eine Art Toastbrot, einfach mal googeln, Anm.d.Ü.] Das hat gar nicht mal so viele Kalorien und es wird mit einer Menge Nährstoffe angereichert.
(das war der Punkt an dem ich die Küche verlassen habe)

Ein weiteres Gespräch, das ich zufällig mitbekam:

Mann: Wäh, was ist das denn? Ist das Gemüse? Ich hasse Gemüse. Ich glaube,  ich habe die letzten zehn Jahre keins gegessen. 

Und zum Schluss die häufigste:

Irgendjemand: Was isst du da?
Ich: Das ist *beliebiges gesundes veganes Essen einfügen*
Irgendjemand: Vegan? Also keine Milch, kein Käse?
Ich: Ja; und auch keine Eier.
Irgendjemand: Und wo kriegst du dann deine Proteine her? Ich könnte ja niemals auf Käse verzichten. 


Ich weiß, dass ich nicht die Einzige bin, die am Arbeitsplatz oder irgendwo anders, wo man von zuhause mitgebrachtes Essen verzehrt, mit solchen oder ähnlichen Bemerkungen bombardiert wird. Man kann dadurch wirklich leicht verärgert und entmutigt werden (ich sollte wirklich mit einem Flugblatt "woher ich meine Proteine bekomme" herumlaufen) aber es gibt ein paar Dinge, die ich mir gerne in Erinnerung rufe und die ich mit euch teilen möchte:

1. Menschen sprechen gerne übers Essen! Vor allem die, die sich gegenseitig nicht besonders gut kennen. Essen ist ein einfacher Weg Kontakte zu knüpfen. Egal wie du isst, die Leute werden über Essen reden wollen. Ich glaube: weil sie gerne Gemeinsamkeiten finden. Du magst Tomaten? Ich mag Tomaten! Du magst Kichererbsen? Ich auch! Also erinnere dich selbst daran, dass ein solches Gespräch keine Beurteilung deines Essverhaltens sein muss, es kann auch nur generell um das Thema Essen gehen. 

2. Jede Gelegenheit darüber zu sprechen weswegen du dich so ernährst, ist eine gute Gelegenheit, selbst wenn es zuerst feindselig herüberkommt. Weißt du, ich werde dich nicht anlügen, es wird nicht einfacher mit der Zeit. Ich habe keine Ahnung wie viele Omnis auf einen Veganer kommen, aber ich gehe davon aus, dass diese noch immer ziemlich niedrig ist. Du wirst die selben Fragen über deine Ernährung immer und immer wieder gestellt bekommen, für den Rest deines Lebens. Aber bedenke, dass das auch eine andere Seite hat. Du bist vermutlich die 3. oder 4. Person, die der Fragesteller getroffen hat, die keine tierischen Produkte isst. Und vielleicht wird es die 10. Person sein, die er trifft, die das Ganze dann weniger verrückt klingen lässt. Du könntest einen kleinen Schritt darstellen, der ihn zu einer offeneren Einstellung führt. Vielleicht sogar soweit, dass er selbst aufhört Tiere zu essen!

3. Die Vorurteile nicht zu vergessen. Es gibt diejenigen, die niemals zuvor einen Veganer getroffen haben. Einige davon haben dieVorstellung, dass du dich allein vom Anblick von Fleisch übergeben musst, dass du rote Farbe auf ihre Lederschuhe schmieren wirst und ihnen Fotos von Mastfabriken und Schlachthäusern unter die Nase hältst. Wenn mich jemand über meine Essgewohnheiten ausfragt und dabei ein wenig angespannt wirkt, erinnere ich ihn daran, dass ich früher auch Fleisch gegessen habe und dass (fast) alle Menschen die ich liebe noch immer Fleisch essen. Ich mache deutlich, dass das jetzt für mich das richtige ist, weil ich mich informiert habe und weil ich weiß, dass ich kein Fleisch brauche um gesund zu bleiben, was uns bereits zum nächsten Punkt führt. 

4. Ihnen wurde ihr ganzes Leben lang vermittelt, dass Fleisch gesund ist. Denk mal darüber nach. Wir rennen sozusagen herum und behaupten, dass die Welt flach wäre, anstatt rund. Die meisten Menschen, eingeschlossen Mediziner, Ernährungwissenschaftler, das Fernsehen, kluge Menschen aus den verschiedensten Bereichen, glauben, dass Fleisch gesund ist. Einfach das Gegenteil zu behaupten hat keine gute Erfolgsaussicht, jemanden einfach über Nacht zu überzeugen. Allerdings kann es zum denken anregen.


5. Bring immer wieder Essen mit! Lass dich nicht davon abhalten angestarrt und dumm angemacht zu werden. Manchmal ist der bessere Weg das vorleben, nicht das reden. Wenn du am Tisch sitzt und deinen übriggebliebenen Shepherd's Pie [Mit Kartoffelbrei überbackenes Hack, Anm.d.Ü.] isst und dazu einen grünen Saft schlürfst zeige wie gut es schmeckt, wie gesund du bist und wie leicht es sein kann. Wenn sie nach einem Rezept fragen, dann gib es ihnen. Wenn eine Mitbringparty angesagt ist, dann bring genug veganes Shepherd's Pie für alle mit!

6. Sag nichts. Ich wette das hast du nicht erwartet. Es gibt Menschen die es einfach nicht verstehen werden, solche die immer denken werden, dass Fleisch die Basis jeder Mahlzeit sein muss und die dich immer für einen verrückten Hippie halten werden. Und sie werden jedes venünftige Argument das du dir vorstellen kannst ignorieren. Sie werden die Welt nie mit deinen Augen sehen und es gibt nichts, was du daran ändern könntest. Manchmal muss man einfach lächeln und sich umdrehen. Nimm das nicht persönlich. Und verschwende keine Zeit darauf traurig oder wütend zu sein. Lese in deinem Lieblingsblog, nimm das neue Brendan Brazier [ kanadischer veganer Ausdauerportler und Autor, Anm.d.Ü.] Buch zur Hand und rufe dir ins Gedächtnis, dass du nicht verrückt - und erst recht nicht allein - bist.

Ein letztes Gespräch, das ich mit dem Cousin meines Mannes geführt habe (ich paraphrasiere ein bisschen,
aber ich denke der wichtigste Teil kommt rüber): 

T (Der Cousin meines Mannes, der jetzt auf eine pflanzliche Ernährung umgestiegen ist): Überleg mal wie vieler Menschen Leben du durch die Art wie du isst beeinflusst hast.  
Ich: Hm? 
T: Als wir uns das erste Mal getroffen haben, hielt ich dich für verrückt, aber jetzt esse ich selbt kein Fleisch mehr und ich hätte niemals gedacht, dass sowas möglich wäre, bis ich jemanden getroffen habe, der das getan hat. 
Ich: So habe ich das noch nie gesehen. Ich habe es nur getan, weil es mir richtig erschien. 
Und vielleicht ist es das, was wir daraus lernen. Wenn du echt bist, authentisch und das lebst, von dem du weißt, dass es das richtige ist, dann beeinflusst du die Menschen um dich herum, egal ob du es mitbekommst oder nicht. 

Kommentare:

  1. Schön wieder diese Tipps in einem Artikel zu finden. Ich halte mich aber eher an die Regel "Sag nichts" weil mein Umfeld bis jetzt in keinster Weise positiv reagiert hat.
    Bringe ich etwas zum gemeinsamen "Tisch" mit, wird es nicht einmal angerührt (von Manchen). Ich wurde sogar schon aus einer sonst regelmäßigen Runde ausgeladen (die Teilnehmer haben sich einfach nicht wieder gemeldet), weil ich immer nur mein selbst mitgebrachtes, veganes Essen gegessen habe.
    Meine wichtigsten Menschen wissen es, richten sich größtenteils danach. Das ist mir wichtig. Dem Rest möchte ich mich ehrlich gesagt auch nicht ständig erklären, deswegen reagiere ich gar nicht darauf oder schiebe Unverträglichkeiten davor. Denn DAS wird nie negativ kommentiert.
    Zu dem Satz "Ich könnte nie auf Käse verzichten"..muss ich für mich sagen, dass da schon etwas dran ist. Ich vermisse Kuhmilchkäse. Das ist aber auch das Einzige und es ist mal mehr, mal weniger stark. Ich hatte schon schwache Momente, aber ich nehme mir jeden Tag aufs Neue vor heute vegan zu essen. Und das klappt ganz gut! Niemand ist perfekt.

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  2. Die Übersetzung ist gut. Ich habe das Gefühl, dass die Botschaft bei mir angekommen ist :)

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  3. @ foodandblood

    danke dir :)

    @Saskia
    ich hab da auch schon viel erlebt und die wenigsten Reaktionen waren wohlwollend bis enthusiastisch. Allerdings sind es dann doch die, die einen am Meisten aufbauen.
    Ich hab im Übrigen auch den Eindruck, dass es sehr an der Grundhaltung der Menschen liegt. Ich habe vorher an einer Uni studiert, an der mein Freundeskreis eher linksalternativ war: die haben das nie auch nur ansatzweise negativ kommentiert, nicht unbedngt was gegessen, wenn ich was mitgebracht habe, allerdings wurde wenn gekocht wurde teilweie extra so gekocht, dass ich mitessen konnte. Und das obwohl ich das nie erwartet hätte und immer angeboten habe, dass ich mir selbst was mitbringe.

    Mittlerweile habe ich einen etwas konservativeren Studiengang und bin von Leuten umgeben, die es schon albern und nervtötend finden, dass die Grüne Hochschulgruppe für die Verfügbarkeit von fair gehandeltem Kaffee und einem Biogericht in der Mensa eintritt. Mein Veganismus lässt sich für solche Menschen nicht begründen, kürzlich erst hatte ich wieder jemanden, der unbedingt drüber sprechen wollte, seine ganze Familie jagt, Fleisch gehört dazu, man denkt und isst konservativ, was habe ich dem zu sagen, welche meiner Argumente kommen bei jemandem mit großem BMW, keinerlei Sinn für fairtrade, etc an? Für ihn gehört Fleisch dazu, Punkt. Dass er sich trotzdem als Tierfreund bezeichnet mag für mich paradox sein, er findet das vollkommen normal.
    In Restaurants schiebe ich auch oft Unverträglichkeiten vor. Schon allein weil der Service dann etwas genauer arbeitet und dann mit ziemlich großer Wahrcheinlichkeit auch das ankommt was ich will (wobei ich keine besonders ausgefallenen Sonderwünsche geltend mache, meistens bestelle ich einfach Salat).

    Trotzdem finde auch mich mich manchmal etwas zu genervt, wenn mal wieder jemand mit den üblichen 3 Fragen kommt. Und oft ist das vielleicht gar nicht böse gemeint, ich missinterpretiere es nur, weil ich mir denke "das kann doch niemandes ernst sein, sowas zu fragen". Ich denke aber, dass ich, als ich auf die ersten Veganer getroffen bin (das muss vor so 10 Jahren gewesen sein...) genauso doofe Fragen gestellt habe und das, obwohl ich das immer eher bewundert und nie kritisiert habe. Und daran sollte man sich vielleicht ab und an erinnern.
    Das heißt aber noch lange nicht, dass man sich schlecht behandeln lassen muss, erst recht nicht, dass man kommentarlos jede dämliche Beleidigung schlucken sollte.

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  4. Hallo Cara,

    danke für deinen Beitrag auf meinem Blog. Ich habe das Video dann mal wieder gelöscht. Mir war der Zusammenhang gar nicht klar!
    Also danke!

    Einen schönen Blog hast du übigens, werde ich gleich mal abonieren! :-)
    LG, Birdie

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  5. Achje, das passiert mir auch bestimmt mal, ich hab nur den aufdringlichen Link unten mal angeschaut, weil ich wissen wollte für welches Wundermittel diesmal geworben wird und da sprang mir gleich der Pollmer entgegen... nachdem mir der schon öfter mal über den Weg gelaufen ist (bzw. man sich seine haarsträubenden Vegetariertheorien öfter mal anhören/-sehen darf) dachte ich ich geb dir Bescheid :)

    Danke für das Kompliment :)

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  6. I'm really wishing I could read German right now because I have a feeling I would love this post just from the title alone :)

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  7. http://marryacarrot.wordpress.com/2011/10/18/vegan-mofo-12-how-to-eat-in-public/

    Lucky you - I only translated the upper link into German :)

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