Mittwoch, 23. November 2011

Die Kommerzialisierung der veganen Bewegung

Heute möchte ich etwas zu einem Thema schreiben, das mir schon länger unter den Nägeln brennt. Im Moment ist es aktuell wie nie und ich fürchte nicht jedem wird gefallen was ich zu sagen habe, trotzdem ist es so, dass mich die Entwicklung beunruhigt und dass ich gerne erfragen möchte, ob ich die einzige bin, der es so geht.

Ich bin schon lange mit zumindest einem Auge dabei - seit mehr als acht Jahren befasse ich mich mehr oder weniger intensiv mit den Geschehnissen rund um den "veganen Lifestyle". In letzter Zeit entdecke ich aber einige gravierende Veränderungen und die möchte ich hier mal - gerne auch kontrovers- diskutieren.

Mir kommt es so vor, als würde der Veganismus immer stärker kommerzialisiert werden.
Zum ersten fällt mir hier eine massive Veränderung der Bloggerszene auf.
Ich spreche hier nicht von Leuten, die aus Blogs Kochbücher machen oder Spendenbuttons einrichten. Es ist jedermanns gutes Recht seine Ideen für umsonst zur Verfügung zu stellen oder zu verkaufen. Wer um einen freiwilligen Obolus bittet, das wofür er ewig in seiner Küche geschuftet hat endlich auf Papier sehen möchte und wer seine Texte nicht mehr für lau anbieten möchte darf das tun. Schreibt Bücher, haltet Vorträge und Kochseminare, das alles macht das vegane Leben bunter.
Auch mich nervt das permanente Verlangen immer und alles für umsonst zur Verfügung gestellt bekommen zu wollen.

Was mir sauer aufstößt sind Blogs die offensichtlich gezielt und professionell Marketing betreiben. Und das nicht in der Form, dass etwas zur Verfügung gestellt wird und man das eben mit allen Vorzügen und Schwächen testet, sondern die wie plakatartige Werbeeinblendungen schlicht auf besonders "tierfreundliche" "schicke" Produkte hinweisen und diese verlinken, meistens mit dem Bildchen eines Teils das der Blogbetreiber aus der Kollektion besitzt (geschenkt bekommen hat?). Penetrantes, unreflektiertes Vorstellen von Must-Haves für den mehr oder weniger modernen Veganer auf einer professionellen Basis, die kaum mehr Raum für Spekulationen offen lässt, wie freiwillig und objektiv der Text geschrieben wurde. Dass gekaufte Blogger in den Zeiten von Social Media gang und gäbe sind, ist eigentlich nichts neues und nichts was einen verwundern sollte, trotzdem kann ich nicht einfach darüber hinwegsehen, wenn sich sowas breit macht.
Blogs sind deswegen so wertvoll, weil sie von der Authentizität des Schreibers leben. Manche schreiben professioneller und redigieren ihre Texte mehrmals, bevor sie sie veröffentlichen, andere schreiben im Plauderton wie sie sich mit Freunden unterhalten würden und wieder andere schreiben gar nicht sondern laden nur Bilder hoch, denen sie maximal eine Bildunterschrift hinzufügen. Das ist wichtig und richtig. Jeder einzelne dieser Blogs (auch wenn ich sie nicht alle lese) ist ein kleiner Auszug der Persönlichkeit des Schreibers. Ich schreibe hier im Plauderton, wie ich eine Email an einen Freund verfassen würde, weil das das ist was ich von mir geben möchte: Infos austauschen, verschiedene Meinungen zu verschiedenen Themen abfragen, ab und an mal ein Gruß aus der Küche, so wie ich meinen Freunden den ein oder anderen Cupcake mitbringe. Aber Blogs die nichts anderes mehr sind als Werbeträger für diverse Unternehmen? Wo bleibt sie da, die Eigenständigkeit, das was euch ausmacht und auszeichnet?

Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich auch niemanden persönlich anprangern will, aber je mehr ich das verfolge, desto wütender werde ich und jetzt braucht der Ärger endlich ein Ventil.







Wieso mich das nervt? Weil man damit einen "Veggie-Lifestyle" kreiert, voll von must haves in rosa, passend für die 15-jährige Neuveganerin, der man so gekonnt vormachen kann, dass sie nur dies und jenes zu kaufen hätte und schon wäre sie schick, nachhaltig und "kawaii-veggie". Oder bestimmte Bücher, die man gelesen haben MUSS um mitreden zu können und ohne das Wissen aus der grünen Bibel wäre man allerhöchstens ein halber Veganer ohne Liebe in Kühlschrank und Herz.

Veganismus ist keine uniformierte Massenerscheinung, in der jeder das gleiche zu denken, zu fühlen oder zu meinen hat. Man darf auch aus unterschiedlichen Gründen vegan sein. Und dieser Konsumgedanke der da  fabriziert wird erzeugt einen modernen Veggie-Trend, der nichts anderes ist als Uniformierung, Verdummung. Veganer sind nicht die kleinschreibenden mit den rosafarbigen Polkadotsachen, sondern die, die keine Tierprodukte essen und nutzen, Punkt.
Man kann hervorragend ohne 500€-Küchengeräte kochen, man muss sich keinen Bananenseideschal kaufen und man muss auch nicht eine bestimmte Kosmetikmarke ausprobiert haben um sich vegan nennen zu dürfen. Man darf, aber es macht einen nicht erst zum richtigen oder richtigeren Veganer.

Ich habe zudem die Befürchtung, dass sich die vegane Szene mit dieser Uniformierung zusätzlich nach außen verschließt. Veganismus darf nicht mit einer Form von Subkultur exklusiv in Verbindung gebracht werden. Es muss ebenso möglich sein als klischeeiges BWL-Püppchen vegan zu leben und vermutlich muss man noch nichtmal ansatzweise Umweltschützer sein, um eine Entscheidung pro Tier zu treffen.

Nochmal- es geht mir nicht um Blogger die Produkte testen, nichtmal darum, dass sie welche zur Verfügung gestellt bekommen, solang man das deutlich macht und trotzdem versucht ein gewisses Maß an Objektivität zu wahren, inwieweit man diese Objektivität erhalten kann, muss vermutlich jeder für sich selbst herausfinden. Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht immer klappt, das ist menschlich, umso wichtiger der Hinweis, darauf, dass das eben nicht selbst gekauft, sondern gestellt wurde. Es geht um die, die bunte Werbetextchen mit hübschen aufgemotzten Bildchen verbreiten.
Dass sich eine Industrie um den Veggie-Lifestyle bilden würde war abzusehen, dass nicht jeder Veganer konsumkritisch sein würde auch, je mehr das Thema "Tierrechte" in die Mitte der Gesellschaft vordringt, desto mehr kommt es natürlich in der tendenziell nicht konsumkrititischen breiten Öffentlichkeit zu einem "Verwaschen" der bisherigen Begleitideale des Veganismus. Das ist wichtig und richtig und zeigt, dass Veganismus endlich dabei ist in der Öffentlichkeit anzukommen, trotzdem: wir müssen uns überlegen, wie mir damit umgehen, dass wir nun auch im Blickpunkt der Industrie und Vermarktungsmaschinerie stehen.

Denn: Natürlich hat die Industrie den Veganismus für sich entdeckt. Auch denen mache ich keinen Vorwurf, zumindest keinen den ich nicht generell erheben würde. Wenn Nestlé und Unilever auf den Zug mit aufspringen wollen, muss sich die vegane Gemeinschaft selbst überlegen, wie sie mit dem Angebot umgeht, ich habe meine Entscheidung getroffen und würde in Zukunft lieber kleine regionale Tofumacher mit besonderen Spezialitäten sehen und unterstützen, bzw. mache das soweit möglich auch jetzt schon, vor allem mit regionalen Herstellern diverser Produkte.
Es ist das Prinzip der Wirtschaft, sich auftuende Märkte zu erschließen, wer Nachfrage kreiert muss sich über ein Angebot nicht wundern.

Was mich allerdings massivst nervt ist das damit einhergehende Greenwashing, sei es bei Nestlé, Unilever oder dem WWF (aktuell wieder eine "spannende" Palmöl-Debatte auf Facebook) und der Versuch sich durch "gesunde pflanzliche Produkte" beim veganen Publikum anzubiedern.

Nein. Ich werde es trotzdem nicht kaufen, AUCH wenn es vegan ist. Andere vermutlich schon, nicht jeder ist neben vegan auch noch konsumkritisch, das ist okay, das macht die Pluralität der veganen Szene aus und das ist doch der Punkt der so wundervoll ist: Vegan kann jeder, vom 80jährigen Esoterikhippie bis hin zum 20jährigen Jurastudenten. Man muss nicht gleich sein, das gleiche denken, das gleiche konsumieren, lesen, den gleichen Kampagnen zustimmen oder immer und überall jeden beklatschen, der ebenfalls die gleiche Grundtendenz hat, was die Ausbeutung von Tieren angeht. Man muss sich noch nichtmal gegenseitig mögen, nur weil man vegan ist, wobei ich natürlich zugebe, dass es einem schon viel leichter fällt.

Belogen werden möchte ich trotzdem nicht. Weder von der Industrie, noch von anderen Bloggern, noch von Organisationen oder Medien.

Informiert euch, zeigt Interesse an dem was dahinter steckt, kümmert euch um das was um euch rum passiert und handelt danach.
Lasst euch nicht in eine Schublade stecken! Macht, was ihr für richtig haltet und messt euch nicht an irgendwelchen künstlich erzeugten Trends. Und lasst euch nicht an der Nase herumführen, nicht jeder der es vorgibt, hat wirklich nur hehre Absichten.


Kommentare:

  1. i like! danke für dein offenes statement!

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  2. Hallo Cara,

    Du sprichst mir aus der Seele! Bah, ich werde echt sauer, wenn ich sehe, wie unreflektiert sich einige Blogger als Werbebanner missbrauchen lassen und oft sogar noch stolz drauf sind bzw. sich geehrt fühlen, weil Firma XY ihnen ein Glas Nussmus zur Verfügung stellt...

    Es ist wirklich dreist, wie viele Marketing-Abteilungen einzelner Firmen gezielt Blogger anmailen und ihnen zB zwei Tafeln Schokolade anbieten, wenn ein Eintrag über die Schokolade geschrieben und auf eine Verkaufsaktion hingewiesen wird oder zur Einführung einer neuen Pflanzenmilch eine Probepackung verschickt wird, um schön das teure Produkt zu promoten. Dreist fand ich auch das Angebot einer Firma, die gerade wie blöd blogs mit ihrem teuren Super-Mixer überschwemmt, für die Verlinkung ihres rein kommerziellen blogs mir einen 20Euro-Amazon-Gutschein zu schicken.

    Boah, was war ich sauer! Ich empfinde solche Angebote als Beleidigung an mein Gehirn und meine Persönlichkeit.

    Wie ein Haufen Lemminge rennen viele blogger dieser Marketingmasche unreflektiert hinterher und lassen sich dabei sooo billig als Werbemaschinerie missbrauchen, billiger geht´s für die Firmen kaum - jede offenkundige Werbekampagne ist teuer.

    Ich finde diese Entwicklung sehr fatal, da sie aus den Leuten Ja-sagende und abhängige Menschen macht und ich finde, blogs sollten unbedingt werbefrei, aber vor allem unabhängig sein, denn damit zensieren sich die Blogger nur selber und werden fader Einheitsbrei.

    (und ich finde es nicht schlimm, wenn man mal über ein bestimmtes Produkt schreibt, was man einfach toll findet und viel benutzt und andere darauf hinweisen will - allerdings sollte dieses Produkt selbst gekauft und unabhängig vorgestellt sein, dann kann ich das auch ernst nehmen...)

    Viele Grüße*

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  3. Jaja. Das gleiche Phänomen gibt es in fast jeder Bloggersparte. Bei den Modeblogs ist mir das damals auch sauer aufgestoßen. Die Blogger fingen klein an und da war alles auch noch persönlicher Stil, Rumprobieren nach Versuch und Irrtum..eben schön zu lesen, all die kleinen Geschichten. Und sobald der Blog beliebter wurde ging es los: Erst wurde Werbung geschaltet, dann wurde erzählt, welche Firma welches Päckchen geschickt hat, dann tauchten auf einmal nur noch Sachen und Marken diverser Sponsoren am Träger auf und futsch war der eigene Stil.
    Im Kosmetikbereich soll es ähnlich sein. Blogger sind eben auch ein Mittel zum Zweck vieler Firmen. Ich denke schon, dass es verlockend sein kann, wenn man so viel gratis zum Testen bekommt...aber mich als Leser nervt es, nur noch Tag für Tag neue ach so tolle Produkte vorgestellt zu bekommen a la "Heute habe ich ein Paket von Firma xy bekommen und die Sachen sind ja so toll..unbedingt nachkaufen!" Und da vegane Ernährung dieses Jahr gehäuft in den Medien war, ist es nur verständlich, dass auch hier die Blogger genutzt werden sollen.

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  4. Sehr guter Text!

    Liebe Grüße,
    Federchen

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  5. Ich finde, da hast du einen sehr guten Beitrag geschrieben, danke dafür!
    Irgendwie ist mir das (bin ja aber auch noch recht neu in dieser "Bloggerszene")gar nicht so bewusst aufgefallen. Also klar, dass Produkte getestet werden und darüber geschrieben wird schon, das habe ich ja auch schon gemacht, aber dass die Produkte von Firmen geschickt wurden, habe ich noch nicht so oft gesehen bzw. nicht darauf geachtet.
    Ich fürchte, ich bin da auch ein bisschen zu naiv. Daher bin ich froh, durch dich darauf gestoßen worden zu sein. Womöglich hätte ich mich noch gefreut, wenn irgendwann eine Anfrage zum Testen gekommen wäre...
    Irgendwie bin ich schon doof :-(

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  6. P.S.: Wie "passend", dass ich gerade heute auch was getestet habe, allerdings ohne Marketinggedanken ;-)

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  7. Erstmal: Danke euch allen für das Feedback und eure ehrlichen Worte. :)

    @PadE ;)
    ich gehe mal davon aus, dass du selbst zu Lush gegangen bist und das gekauft hast, das ist doch auch nicht verwerflich, ich schreibe hier auch darüber welchen veganen Käse ich okay fand und welchen eben nicht; das Problem an diesem Hinterrücksmarketing ist ja eher, dass man dann dazu neigt Berichten gar nicht mehr zu glauben, weil es ja auch "nur" eine tolle Vermarktungsstrategie sein könnte, ich wünsche mir von Bloggern, wenn sie Produkte vorstellen, dass sie das ohne Hintergedanken tun können und dass sie zu ihren Aussagen stehen. Manchmal ist einfach ein Verriss das richtige oder auch eine kritische Anmerkung zum Preis. Wenn ich etwas selbst gekauft habe, ist mir das durchaus möglich, wenn ich aber eine Verbindung zu der Firma habe, kann es gut sein, dass ich das durch kritische Anmerkungen gefährde.

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  8. Ein wirklich guter und vor allem ehrlicher Beitrag von dir!! Stimmt, mich nervt das auch sehr... Vor allem diese Soyabellas und diese total überteuerten Mixer, die derzeit die Runde machen sind sehr extrem....

    Gut, bei mir liest man auch öfters mal was über veganes Parfüm, Hundefutter etc... Aber das ist auch alles selbst gekauft... Ich fotografiere ja auch fast jedes neue vegane Lebensmittel, womit ich gekocht habe und stelle es dann zusammen mit dem Rezept online...

    Aber wenn man ein Paket von einer Firma bekommt und dann gezielt dafür wirbt, ist das ja wirklich schon so als würden sie dich kaufen....

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  9. Hallo Cara,

    ich muss mich gerade unweigerlich an die Zeit erinnern, wo ich damals Ähnliches in der Beautyblogger- und YouTubeszene angekreidet habe. Es ist wichtig, dass genau dieses Thema nie vom Tisch gekehrt wird, sonst wird der ganze Zirkus nämlich zur Selbstverständlichkeit. Deshalb bewundere ich dich für deinen Mut deine Meinung zu veröffentlichen und möchte dir meinen Dank aussprechen.

    Mir selbst ist das besonders unter den Vegan-Bloggern noch nicht so stark aufgefallen, aber ich lese vielleicht die falschen (oder die richtigen?! :)) Blogs.

    Auf meiner Webseite vereinen sich ja viele verschiedene Blogs die ich betreibe. Nur einer davon ist unter Umständen als kommerziell zu bezeichnen und dies ist mein Kosmetikblog. Ich habe Werbung geschaltet, verdiene damit aber nicht mal genug um meine Webspacekosten zu decken. Ist also nicht gewinnbringend. Allerdings bekomme ich äußerst regelmäßig Gratisprodukte zugeschickt. Manchmal mit Absprache der Firmen, häufig aber auch ohne mein Wissen. Das ist hin und wieder schon ziemlich verrückt, denn was will ausgerechnet ich mit eine unveganen Tierversuchsmascara von Maybelline Jade? :) Aber gut, man weiss ja, dass die meisten großen Konzerne ihre fast kostenlosen Werbeplattformen nicht nach irgendwelchen Kriterien (außer die Klickzahlen) aussuchen.
    Man muss sich als Blogger der Gratisprodukte annimmt und dann darüber schreibt über eines klar sein: Man verkauft sich garantiert unter Wert. Das ist eine Tatsache und mit dieser kann Jeder umgehen wie er möchte. Ich störe mich zum Beispiel nicht daran. Ich habe kein weitläufiges finanzielles Interesse, sondern betreibe ein Hobby.
    Was mir aber wichtig ist zu betonen, und dafür möchte ich von meiner Webseite zitieren:
    http://www.pseudoerbse.de/blancetnoir/?page_id=795 (Sehe gerade, dass das etwas lang werden würde, daher der Link. Ich hoffe das ist in Ordnung?)

    Schön kritisch bleiben! :)

    Liebe Grüße
    Erbse

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  10. Auch von mir volle Zustimmung!
    Da hast du etwas wahres und sinnvolles verfasst!
    Es freut mich, dass du damit soviel Resonanz erzielt hast, weiter so:-)!

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  11. danke euch allen :)

    nochmal, ganz deutlich: ich will ja Meinungen von anderen! aber echte und unverfälschte. ich will lesen, wie euch der neue Kehse schmeckt, weil ihr mich dadurch von einem Fehlkauf bewahrt und ich will Infos über Kosmetika, über fähige und unfähige Onlineshops.
    Ich möchte auch eure Einkäufe sehen und eure Begeisterung über die neue Discounter-Vegan-Linie erfahren, aber das alles eben nur, wenn es echt ist.
    Das macht das Veganbloggen ja auch aus, dass man sich gegenseitig hilft und unterstützt, dass man Tipps gibt, wo man was bekommt und die Neuigkeiten auf dem Markt austauscht, diese übertriebene Lobpreisung bestimmter Sachen, die man auch gar nicht objektiv bewertet haben kann (weil dazu jedem von uns der Marktüberblick und Vergleichsmöglichkeiten fehlen), das kanns doch nicht sein, vor allem nicht, wenn der Bezug zum Hersteller/Vertreiber so deutlich ist.

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  12. Besonders schön finde ich, dass Heldin sich gemeldet hat, weil sie mir in der Zeit, in der die Kochblogszene mit Super-Mixern und Nussmusen überflutet wurde, auffiel, da sie klipp und klar schrieb, dass ihr das zu blöd sei und ihr Blog nicht für Werbung gemacht sei. Fand ich sehr mutig und sehr cool, also Hut ab von mir! Auch an dich, Cara, für diesen tollen Artikel.
    Ich habe mich nie getraut mich da so kritisch zu äußern, weil ich das Gefühl hatte, ich bin mit dieser Skepsis allein auf der Welt. Außerdem muss ich gestehen, dass ich mir auch von der berüchtigten Firma XY was habe zusenden lassen, allerdings ergab sich das, nachdem ich den dämlichen 20 Euro Gutschein abgelehnt habe. Da meine Klickzahlen aber nicht hoch genug sind, bekam ich halt so ein Pralinentestset, joa, kann man machen, aber im Nachhinein habe ich mich dann doch enorm geärgert, dass ich mich da habe reinziehen lassen, als ich gesehen habe, wie enorm die gerade ausschweifen und alle Blog für sich beanspruchen. (Außerdem wollte ich nicht deren besch..... englisches "Blog" in meine Blogroll aufnehmen, wie sie das gerne gehabt hätten. Auch nicht das Deutsche, denn jedes noch so kurzsichtige Kleinhirn konnte sofort sehen, dass das keine Blogs, sondern eben Werbeprospekte im Blogkostüm sind (die Art wie die Texte verfasst waren etc...). Ich habe kein Problem mit einem Onlineversand für Rohkost und bestelle auch Kram bei solchen Versandhäusern, aber wenn ich einen BLog aufrufe, möchte ich kein WErbeprospekt haben. Und darum gehts ja in deiner Kritik, Cara. Wenn man etwas geschenkt bekommt, ist man natürlich irgendwo in der Bringschuld und fühlt sich verpflichtet etwas positives drüber schreiben. Ob das Produkt nun wirklich überzeugt oder nicht, ist für mein Argument egal. Mir geht es darum, dass in dem Moment, wo etwas auf Anfrage beworben wird und sich solche Werbeposts plötzlich häufen, mein Vertrauen in die Autentizität und "Objektivität" des Bloggers irgendwo verloren geht und ich statt einer PErson am heimischen Schreibtisch nun eine Marketingabteilung eines Unternehmens sehe und da könnte ich auch deren Werbemails abonnieren. Das möchte ich aber nicht, schon gar nicht, wenn ich Blogs lese.
    Ich empfehle auch Dinge weiter, wenn ich sie besonders gut finde oder weiß, dass es Dinge sind, die vll woanders gesucht werden etc.

    Und zu dem generellen Kommerzialisierungsgedanken und der Kritik: es gibt Blogs, die haben da eine MArktlücke gefunden und bewerben sich selbst damit einen grünen Lifestyle zu promoten. Im Grunde lesen sie sich aber genau wie jedes dieser 1,50 Euro Frauenmagazine, die zu über 3/4 aus Hochglanzwerbung bestehen: mehr Foto als Inhalt und eigentlich auch nur Glitzerwerbung. Das reflektiert m.E. nach einfach diesen Trendiness, die Veganismus gerade erlebt und die, wie wir wissen, fast immer recht kurzlebig ist. Und dass Veganismus eigentlich kein Modephänomen, sondern eine bewusste Lebensentscheidung ist, geht in der Masse der vielen magazintauglichen Produkte halt irgendwie verloren.

    Natürlich kann jeder lesen, was er will, mir persönlich fehlt bei vielen solcher Posts der informative Gehalt und dafür muss ich dann den Blog auch nicht lesen. Es ist zwar schön, wenn man nicht zu lange suchen muss, bis man mal ein paar vegane non-food Produkte findet, gerade wenn man Geschenke etc. sucht, aber auch diese Produkte werden, wie bei allen Mode- und Produktzeitschriften auch, ja nicht angeboten, weil der/die Blogger/in von der Qualität überzeugt ist, sondern weil ein Testprodukt geschickt wurde. Und schon sind wir wieder beim selben Problem wie ich oben schon schrieb: gekaufter Blogger = Vertrauensverlust meinerseits. Dann doch lieber die Produktempfehlungen, die in den Foren ausdiskutiert werden. Wobei ich das jetzt lieber nicht zu laut sage, am Ende wird da auch noch auf Befehl von Marketingabteilungen veganer Lifestyle produziert.

    - Puh, da musste jetzt mal lange angestaute Genervtheit raus. Verzeiht den langen Kommentar. Nochmals danke für den Artikel! Sehr mutig, und sehr wahr!

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  13. Ich kann da meinen Vorrednerinnen nur zustimmen.

    Zuerst bemerkte ich das Sponsoring in der Makr-Up-Welt, wo ganze Youtube-Videos nur aus Zum-Testen-Zugeschickten-Produkten bestehen, wo ich mich auch nach der Objektivität frage. In der Mode-Blogger-Welt ist mir das noch gar nciht so aufgefallen, und jetzt sind anscheindend die Vegan-Blogs an der Reihe.

    Ich muss sagen, ich finde es nicht schlimm, wenn man ab und zu (!!!), vielleicht so 10% aller Produkte, ein gesponsortes Produkt vorstellt. Dabei sollte man jedoch versuchen, so ehrlich wie möglich zu sein und das auch in dem Blogpost angeben.

    Man sollte sich als Blogger auch darüber im Klaren sein, dass man nur Mittel-Zum-Zweck ist, eine billige Werbefläche. Will man das sein? Ist das erstrebenswert?

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  14. Danke für diese klaren Worte! Ich bin zwar kein Veganer (sondern "nur" Vegetarier), aber auch konsumkritisch und empfinde sowohl das Greenwashing der großen Konzerne (welche ich gerade im Bereich der Lebensmittel für vollkommen überflüssig und entbehrlich und sogar schädlich finde) als auch das Vereinnahmen und Durchkommerzialisieren einer "Bewegung" durch die Wirtschaft sehr störend. Gerade, weil dabei die eigentlichen Ideale und oft genug auch das kritische Hinterfragen der bestehenden Strukturen ausgeblendet wird - der moderne LOHAS kauft sich eben seine Bionade und fährt seinen SUV mit Biosprit und denkt, er würde damit die Welt dann schon genug verbessern...

    Diese Tendenz, dass Blogs Reklame machen bzw. sich dafür bezahlen lassen, Produkte zu loben, ohne dass dies kenntlich gemacht wird, finde ich auch bedenklich! Darüber habe ich auch vor einer Weile mal geschrieben:
    http://konsumpf.de/?p=4441

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  15. Hallo Peter,

    danke für den Kommentar und den Link, stöbere gerade auf deinem Blog herum, wirklich sehr informativ!

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  16. Hallo Cara,

    danke - ich habe Deinen Blog auch gleich mal in meine Linkliste aufgenommen :-)

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  17. Hey Cara! Dein Artikel ist zwar schon etwas älter, aber ich habe ihn gerade erst durch foodandblood.wordpress.com entdeckt.
    Ich finde, du würfelst hier eine ganze Menge durcheinander - alles Dinge, die, sofern du auch anderen etwas Verstand und Fingerspitzengefühl zutraust, nicht unbedingt etwas miteinander zu tun haben müssen.

    (1) Man kann Werbung noch und nöcher machen - für alle möglichen Firmen, und dabei trotzdem ein offener, kritischer und neugieriger Konsument bleiben. Denn nur weil man mit Keimling kooperiert, weil man a) einen Vorteil davon hat, und b) das Unternehmen sympathisch und toll findet, heißt es nicht, dass als nächstes Nestlé und Co. auf der Liste stehen.

    (2) Nur weil man Geld für etwas bekommt, oder aber ein Produkt, heißt es nicht, dass auch die Meinung mitgekauft wird. Was ist der Unterschied, ein Produkt vorzustellen und zu loben, was man mag, unabhängig davon, ob man dafür Geld ausgegeben hat, es von Mutti oder der Firma selbst bekommen hat? Woher kommt dieses chronische Misstrauen in Menschen, dass sie einem alles aufbinden würden, unabhängig davon, was sie wirklich denken.
    Das mag in manchen Beautyblogs ja so sein. Aber in der veganen Szene? Irgendwelche Beispiele gefällig?

    (3) Was ist so schlimm am Kommerz in der veganen Szene? Soweit ich das beurteilen kann, sind die meisten Veganer sehr kritische, umweltfreundliche und teils auch minimalistische Menschen. Was da unterstützt wird, sind doch weitgehend wirklich sympathische Onlineshops, Kleinbetriebe oder mittelständische Unternehmen, und keine riesigen Wirtschaftsimperien, oder?
    Ist es nicht im Interesse von uns allen, dass sich Firmen mit den richtigen Werten und der richtigen Philosophie etablieren können?
    Ich bin normaler Weise auch gegen Kommerz - wenn er so abläuft, wie in der "normalen" Welt ... kaufen, kaufen, kaufen, egal, egal wie sehr Umwelt, andere Länder oder Tiere darunter zu leiden haben. Aber was kann man denn Keimling, kleinen Veganversandshops, Biodeals und Co. vorwerfen?
    Und profitieren wir letztlich nicht alle davon, dass es in den letzten Jahren immer mehr tolle Sachen zu kaufen gegeben hat - von Yofus, Nussdrinks, Hummus bishin zu Veggie-Gyros oder Kale-Chips?

    Wir können das Anti-Kapitalismus-Spiel spielen, aber leider werden wir mit so einer Einstellung nicht überleben. Also lieber das beste aus dem machen, was eben Realität ist, und die richtigen "Leute" pushen.
    Und mal ehrlich: Es sollte doch jedem selbst überlassen sein, wie viel Zeit er in seine Projekte investiert, und ob er darin eine Möglichkeit des Geldverdienens sieht, oder ob es ein reines Hobby bleiben soll, oder? Du wirfst ja auch keinem Biomarkt vor, dass er Geld verdienen möchte. Oder einem Hobbykoch, der sich selbstständig machen will. Warum ist das eine immer okay, und das andere nicht?

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  18. (4) Warum sollte man kenntlich machen, in welchem Fall ein Produkt *geschenkt* wurde? Das einzige, was das in Deutschland hervorruft, sind Neider, die einem vorwerfen, sich kaufen zu lassen. Leider. In den Staaten ist das ganz anders. Da lässt man jeden sein, wie er ist, und kritisiert ihn nicht dafür, Chancen zu nutzen. Ganz davon abgesehen, dass die Meinung nicht automatisch authentischer und ehrlicher wird, wenn andere wissen, woher man was bekommen hat.

    Wenn du sagst, dass jeder Veganer sein darf, wie er will - ob Tierschützer oder nicht. Ob Typ Tussi oder Typ Öko. Ob 15 oder 80, dann lass ihn doch auch frei entscheiden, ob er sich wirtschaftlich beteiligen will, oder nur ein kritisches Hinterstübchendasein führt.

    Ein schlechter Mensch ist niemand, der mit Firmen kooperiert. Und ich verstehe beim besten Willen nicht, wie man da solch wirre Schlüsse ziehen kann. Hab einfach ein bisschen Vertrauen darin, dass auch andere Menschen/Blogger/Veganer etwas Integrität besitzen, und sehr wohl zwischen den eigenen Werten und den von großen Konzernen unterscheiden können.
    Oder dass diejenigen, die kritisch sind, auch kritisch bleiben werden, wenn irgendwann Nestlé und Co. mit einsteigen, und den Veganismus neu definieren wollen.
    Das alles hat nicht wirklich etwas mit einem kleinen unschuldigen Werbebanner auf der eigenen Webseite, einem Mixer oder ein Glas Mandelmus zu tun.

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    1. Ich werde hier keine Beispiele bringen weil ich das im Artikel schon so angekündigt hatte und weil ich auch niemanden für etwas was er vor einem halben Jahr getan hat bloßstellen will, falls du tatsächlich Beispiele möchtest schreib mich per Email an, dann such ich dir welche raus, aber:
      Der Post ist damals entstanden, als ich auf mehr als einem kleinen Blog einen Artikel entdeckt hatte, der unmöglich so vom Blogbetreiber geschrieben worden sein konnte, weil er sich nicht nur sprachlich und stilistisch, sondern auch in der Qualität der Fotos und der Thematik deutlich abgehoben hat.

      Ich habe mehrfach betont, dass man kein schlechter Mensch ist, nur weil man mit Firmen zusammenarbeitet ("Nochmal- es geht mir nicht um Blogger die Produkte testen, nichtmal darum, dass sie welche zur Verfügung gestellt bekommen") und das will ich auch nicht so verstanden haben, aber dass man vor allem eins macht: sich über den Tisch ziehen zu lassen, wenn man eine Kooperation eingeht. Und da ist es mir herzlich egal, ob die Firma sonst so sympathisch, nett oder sonstwas ist, die Profiteure dieser Geschichte sitzen nicht auf der Seite der Blogger. (davon mal abgesehen, dass der private Blog dann auch gar nicht mehr privat ist, rein rechtlich, worauf einen die Kooperationpartner leider aber auch nicht immer hinweisen) Während du sagst, dass es typisch deutsch ist sich gegen jede Form der Bezahlbloggerei zu wehren, sage ich, dass es typisch deutsch ist, seinen Wert und seine Reichweite bei genau dieser Geschichte zu unterschätzen.

      Wenn es den Blogger nicht verändert, wenn er sich sicher ist, dass seine Meinung nicht käuflich ist, dann kann er die Geschenke und Produktproben ja auch deutlich kennzeichnen, wer ein Glas Mandelmus geschenkt kriegt oder einen Mixer ausleiht kann das als PR-Muster kennzeichnen, man muss dann halt ein Impressum hinzufügen, wenn man sowas machen will, und gut ist, das erleichtert die Transparenz und jeder kann sich selbst ein Bild machen. Vor allem diejenigen, die sich sicher sind, dass es ihre Meinung nicht verändert, könnten da mit gutem Beispiel vorangehen. Erbse hat das übrigens schonmal recht gut für die Kosmetikszene ausgefüht (Link in ihrem Kommentar oben). Und auch in dem aktuelleren "Streit" in der weitreichenderen Bloggerszene (die ersten paar Artikel in Erbes Post http://www.pseudoerbse.de/blancetnoir/?p=5317 dier verlinken sich dann weiter untereinander ) geht es nicht ganz umsonst um das Phänomen.
      Ich bin zudem nicht der Ansicht, dass die gesamte vegane Szene kritisch ist (im übrigen aber auch nicht, dass nur ich es bin) und alles hinterfragt, vielleicht ist der Anteil (noch) größer als zB bei der Kosmetikblogszene, aber von vegan auf reflektiert zu schließen ist mir etwas weit hergeholt.
      Ich habe auch nirgendwo geschrieben, dass ich es nicht in Ordnung finde wenn man mit dem bloggen Geld verdient (ich will das nicht für mich, meine beruflichen Perspektiven liegen woanders und ja, ich halte mich für käuflich und weniger reflektiert, wenn es um sowas geht). Was ich anmerke ist, dass ich Blogs, auf denen unreflektiert Werbung verlinkt wird, kritischer oder gar nicht mehr lese und dass ich Geschäfte, bei denen ich noch nie bestellt habe, bestimmt auch nicht einfach so weiterempfehlen werde, nur weil sie mir ein Glas Mandelmus schenken. Die machen das schließlich auch nicht aus bloßer Freundlichkeit, sondern weil sie Märkte erschließen und sichern wollen.
      Um dir mal meine Perspektive zu verdeutlichen: Ich hatte ca. ein halbes Jahr Auszeit vom bloggen genommen, als ich mit diesem Blog angefangen habe (und hatte davor schon einen mit ähnlicher Themenwahl). In dieser Zeit hatte eine der von dir genannten Firmen mehr als nur eine Werbeoffensive gestartet und als ich wieder zurückkam und diesen Blog hier aufgemacht habe, war auf einmal nahezu jeder Blog den ich noch kannte ein Kooperationspartner. Du magst sagen, dass das auf Gegenseitigkeit beruht, ich empfinde es so, dass da ein ganzer Teil der "veganen Szene", so es denn eine gibt, überrannt worden ist.

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  19. Okay, die Meinungen gehen da wohl einfach auseinander. Wenn du es für dich selbst aus bestimmten Gründen komplett ablehnst, ist es ja auch irgendwo verständlich, dass du bei anderen auch erst mal kritisch bleibst.

    Aber ich finde es so schade, dass solche Diskussionen immer wieder auftauchen. Ich habe vorher in einer anderen Branche (nicht Kosmetik) gebloggt, und jahrelang mit Unternehmen zusammen gearbeitet. Ich wurde nicht direkt bezahlt, saß aber direkt an der Quelle, wenn man so will, und hatte eine Menge Vorteile. Ich habe das nie kommuniziert, und angegeben. Und ich habe mich auch nie kaufen lassen. Mein Blog war wirklich gut besucht und relativ bekannt. Dann fingen aber andere Blogger mit der gleichen Masche an - mit dem Unterschied, dass sie dachten, es fördere die Authentizität, wenn man deutlich macht, wer einem zu welcher Veranstaltung eingeladen hat, oder woher man welches Produkt hat. Genau das Gegenteil ist passiert: Gefühlte 50% sind Sturm geaufen, fanden es total daneben und haben den Vorwurf der Käuflichkeit in den Raum gestellt, die anderen 50% haben angefangen, alles nachzumachen. Plötzlich sind unglaublich viele Blogs wie Pilze aus dem Boden geschossen, einer langweiliger und eintöniger als der andere. Und jeder zweite Artikel fing mit "Unternehmen xyz hat mir folgendes zur Verfügung gestellt" an, oder hörte mit "Danke an Firma abc für die Zusammenarbeit" auf.
    Da wurde wirklich eine ganze Szene kaputt gemacht. Warum? Weil einige dachten, sie müssten genau erklären, was im Hintergrund abläuft.
    Nein! Sowas sollte die Masse nicht wissen. Man macht sich damit angreifbar, verdient sich aber keinesfalls Respekt.

    Auch Zeitschriften - selbst die richtig guten und kritischen, führen nicht auf, für welche Artikel sie vielleicht Geld bekommen haben, welche Produkte sie kostenlos testen durften, oder warum sie sich für welchen Werbepartner entschieden haben. Da wird einfach hingenommen.
    Ich weiß nicht, vielleicht liegt es daran, dass man sich mit Bloggern eher identifizieren kann, und dass man in ihnen eher die Ottonormalverbraucher sieht, die angeblich jedesmal Höhenflüge bekommen und ihre Werte vergessen, sofern sie Erfolg haben. Wer weiß, es ist auf jeden Fall komisch.

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  20. Denn ich bleibe bei meinem Amiland-Beispiel. Dort wird getestet, was das Zeug hält, und viele Firmen klinken sich ein. Ich habe bisher noch nie irgendeinen negativen Kommentar dazu gelesen. Man kann dort schamlos seine Werbeflächen oder seine E-Books bewerben, und der Ton bleibt immer freundlich und respektvoll. Als ob jeder jedem alles gönnen würde. Und man wird auch ernst genommen. Eine ganz andere Mentalität. Vielleicht auch einer der Gründe, warum das "Vom Tellerwäscher zum Millionär" dort immer eher möglich war, als bei uns.

    Dass man sich hier unter Wert verkauft, glaube ich nicht. Zwar stimmt es, dass Firmen enorm viel davon haben, wenn sie eine Menge Backlinks von unabhängigen Portalen sammeln, das bedeutet aber nicht, dass man selbst ein ausgesprochen wertvolles Blog hat. Meist macht es die Menge. Quantität statt Qualität. Und wie gesagt, wenn ich ein Unternehmen mag, auch selbst da bestelle und es pushen möchte, dann ist mir auch egal, ob sie mehr davon haben, als ich persönlich.
    Ich habe mit Keimling kooperiert, und es auch gern getan. Ich fands super, den Vitamix endlich mal testen zu dürfen - denn er war schon lange vor dieser Werbeaktion der heilige Gral in der Rohkost-Szene. Gekauft habe ich mir trotzdem ein anderes Gerät, das ähnlich, aber viel günstiger ist. Und ich hab auch schon oft auf meiner Seite erwähnt, wo man den Vitamix günstiger als bei Keimling kaufen kann. Hab ich keinen Schmerz mit.
    Trotzdem ist der Shop toll. Ein buntes Sammelsurium an schönen Sachen. Und dadurch, dass er so bekannt und beliebt wurde, konnten sich auch viele andere Shops mit hochziehen, und Sachen anbieten, die vor dieser riesigen Werbeaktion so gut wie nie nachgefragt wurden. (und von denen es gut ist, dass sie nachgefragt werden - weil sie naturnah, relativ unverarbeitet und gesund sind ... und hoffentlich irgendwann mal Industrienahrung absägen)

    Und was die kritischen Veganer betrifft: Wer kritisch ist, wird es auch bleiben. Wer es nie war, wäre sowieso nie ein authentischer Blogger geworden. Ich glaube nicht, dass die Frage, Werbung oder keine Werbung hier entscheidend ist.
    In 80% der Fällen ist es auch so, dass langfristiger Erfolg sowieso nur dann möglich ist, wenn man man selbst bleibt. Ist übrigens auch in der Kosmetikbranche so: Viele von denen, die damals damit angefangen haben, finde ich auch heute noch ehrlich und authentisch. Sie bekommen säckeweise voll Kosmetik geschenkt, und sagen trotzdem frei heraus, was ihnen davon am besten gefällt. Warum? Weil sie so bekannt sind, dass die Firmen es unabhängig von schlechter PR immer wieder versuchen würden.

    Aber gut. Es darf natürlich jeder so sehen, wie er möchte :-) Danke für den Link, ich werde mich da gleich mal reinlesen.
    Liebe Grüße

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    1. Zum Thema Amiland:
      Ja, aber darum gehts ja, die schreiben recht deutlich dazu, was sie gezahlt kriegen und was nicht. Mir bleibt also als Leser die freie Wahl zu glauben oder nicht zu glauben weil ich einfach alle Fakten auf den Tisch gelegt kriege, ich habs im Artikel schon geschrieben und kann es wirklich nur wiederholen: Mir geht es hauptsächlich um die Authentizität. Ansonsten ist und bleibt es deine Sache, wenn du die "Werbefläche" auf deinem Blog in meinen Augen zu günstig verkaufst, ich mag mich wundern, aber es geht mich nichts an und ich verurteile niemanden dafür. Ich verlinke auch Firmen, die ich mag, allerings ohne Bezahlung.
      Die Mentalität ist in den USA aber auch anders und die Leute kennen ihren Wert (zumindest habe ich den Eindruck, das mag aber auch ein Resultat dessen sein, dass bezahltes bloggen da bereits etwas gängiger ist und man deswegen besser Zugang zu Informationen bekommt wie teuer denn Werbefläche im eigenen Blog sein kann/muss), habe ich den Eindruck. Ich glaube ja eher, dass die meisten den eigenen Blog und seine Werbewirksamkeit unterschätzen. Bei manchen Kooperationsangeboten mag es auch die Menge machen (ich bilde mir da wirklich nichts ein, wenn ich bei irgendwas nicht mitmache, interessiert das die meiste Unternehmen gar nicht, wenn aber eine menge Blogger nicht mitmachen oder nur 2 von sagen wir 500 kleinen Blogs, dann wird das mit der Breitenwirkung wieder kritisch).
      Das mag auch nochmal anders sein, wenn man einen Shop sowieso mag, dann ist man vielleicht mit einem 20€-Gutschein für eine Verlinkung die man sowieso vorhatte zufrieden. Das sieht man aber vielleicht anders, wenn man etwas weiterempfiehlt, was zwar viele andere man selbst aber nicht getestet hat.

      Und was die Kosmetikblogs angeht bin ich wieder beim gleichen Thema: Diejenigen die deutlich machen (Erbse geht da ja mit gutem Beispiel voran) was sie gestellt bekommen haben und was nicht zweifelt ja auch keiner an (oder vielleicht doch, weiß ich nicht, ich zumindest nicht und um die ging es mir auch nie), kritisch finde ich es aber schon, wenn eine 14-jährige alle zwei Wochen den neuesten 40€-Mascara testet und alles großartig, toll und super findet. Das glaube ich einfach nicht und das stellt für mich den gesamten Blog mit allen anderen Posts in Frage.
      Wie gesagt: Schreib einfach dazu: "danke, dass ich das testen durfte" und alles ist (zumindest für mich) im grünen Bereich, musst du natürlich nicht machen, nur weil ich mir das wünsche, aber ich finde einfach, dass es deutlich macht, dass da hinter dem Blog noch ein echter mensch steckt, der dir die Wahl lässt und dir alle nötigen Infos gibt, damit du dir selbst ein Bild machen kannst. Ich will niemandem vorschreiben wie er seinen Blog zu führen hat, es ging hier um meine Meinung zu einem Phänomen, das ich eben damals mit Befremden wahrgenommen hatte. Ich finds zwar auf der einen Seite irgendwie komisch, wenn ich x-Mal den gleichen oder einen ähnlichen Post im Blogreader habe, aber wie gesagt, das darf der Blogbetreiber selbst entscheiden.
      naja, ich sehe zumindest keinen grund, weswegen man nicht einfach dazuschreiben kann, dass man ein gerät/ein produkt geschenkt oder geliehen bekommen hat. Mag natürlich sein, dass es Neider gibt, die wirst du aber mit ziemlich großer Wahrscheinlichkeit auch haben, wenn du dir besagten Mixer leisten kannst ;)

      Und ja, du darfst da natürlich auch eine andere Meinung zu haben als ich. :)
      Liebe Grüße auch dir

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