Dienstag, 22. November 2011

I like - Yoga!

Gibt es ein größeres LOHAS-Veganer-Klischee als Yoga?
Immer wieder liest man von sich regional ernährenden Großstädterinnen, die keine Klasse ausfallen lassen, die Kurse an den Unis sind überrannt und ein leichter Eso-Touch schwingt auch mit. Das alles hat mich recht lange davon abgehalten es selbst zu versuchen. Irgendwie strebt man ja doch nach Individualität und sich einem Klischee unterzuordnen ist für mich schwierig.

Trotzdem, ich sage ja immer: man soll nicht über etwas schlecht reden, von dem man keine Ahnung hat. Also habe ich beschlossen mir das doch mal genauer anzuschauen, ein bisschen gegoogelt, es für nicht ganz so abweigig gehalten und mir eine Power Yoga DVD und zwei Yogabücher gekauft. Um ehrlich zu sein: die DVD war ein Flop. Power Yoga wirkte auf mich ein bisschen wie abstruses californisches Aerobic-Rumgehample, völlig außer Atem konnte ich den Anweisungen nicht mal ansatzweise folgen. Stattdessen habe ich ein bisschen in "Yoga - das große Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene" geblättert und war ziemlich schnell hin und weg.


Erste Erfahrungen

In Eigenregie habe ich mich an den ersten Asanas versucht und war immer wieder erstaunt zu bemerken, wie wenig Körpergefühl ich doch habe. Vielleicht sind einige Anleitungen auch zu kryptisch, aber mir wurde ziemlich deutlich bewusst, dass ich verlernt hatte meinen Körper richtig zu koordinieren.
Das fängt an bei einfachen Anweisungen wie: "die Hüfte zieht Richtung Boden" - wie mache ich das, welche Muskeln sind dafür verantwortlich? Mit ein bisschen rumprobieren klappt es dann, aber grazil oder gekonnt sieht anders aus. Von meiner Unbeweglichkeit will ich gar nicht erst anfangen.
Schnell war mir klar: So geht es nicht weiter, da muss professionelle Hilfe her. Also habe ich eine gute Freundin überredet mit mir zwei Yogakurse an der Uni zu besuchen, Ashtanga und Power Yoga. Letzteres eigentlich nur, weil Vinyasa, was wir beide favorisiert hatten zu einem unmöglichen Termin angeboten wurde und Power Yoga Sonntag Abend einfach zeitlich traumhaft passte.
Zwar war ich noch leicht traumatisiert von der DVD aber ich dachte, dass es eigentlich nur besser werden könnte und vermutlich weniger muskulöse Kalifornier ihre bereits vorhandene Kondition zur Schau stellen müssten.






verschiedene Yogastile

Nach ein paar Stunden stand dann für mich das Fazit fest: Auch wenn Power Yoga an der Uni weit weniger schlimm war, als beim selbst nachturnen daheim: Meins wird es nicht. Ich bin viel zu langsam und bevor ich die Position gefunden und ausbalanciert habe, muss ich auch schon wieder in eine andere hineinfinden. So hatte ich mir Yoga nicht vorgestellt. Vielleicht klappt das aber auch besser, wenn man schon yogaerfahrener ist und schneller in die Asanas hineinfindet. Ob ich es nochmal mit Power-Yoga versuche steht in den Sternen.

Ashtanga dagegen fand ich begeisternd. Man hat genug Zeit um in den Asanas zu bleiben, sie richtig auszubalancieren, allerdings ist es trotzdem eine "schnellere" Yogaart, also gerät man zwischenzeitlich wirklich ins Schwitzen und wenn man mal wieder den Kopf Richtung Matte hängen lässt, kommt es durchaus vor, dass man kurz erschrickt, weil irgendetwas monoton klopft. Schweißperlen, die von der Stirn tropfen.
Trotz der Anstrengung und diversen "ich kann nicht mehrs" von meiner Seite - nach der Stunde und der Schlussentspannung fühlt man sich gut. Überhaupt nicht erschöpft oder so, dass man das Bedürfnis hätte sich erstmal auszuruhen, selbst der bei mir sonst obligatorisch während des Sports einsetzende Hunger bleibt aus. Nach dem Duschen ist man sofort fit für neue Taten. Ich habe Ashtanga während meiner Examensvorbereitung nachmittags in einer Lernpause besucht, dafür war es perfekt. Die vom Dauersitzen angespannten Muskel haben sich gelockert, die Gedanken waren weg von den Büchern und nach der Yogastunde war ich wieder motiviert weiterzulernen.

Neuerdings mache ich auch Hatha. Diesmal wieder in Eigenregie. Vor allem auf Youtube finden sich viele Videos von Yogalehrern die dort ganz Stunden anbieten.
Hatha ist ganz anders, viel langsamer. Der Kreislauf kommt zwar auf Touren, aber ich habe immer den Eindruck unter der Belastungsgrenze zu bleiben. Auch kommt es mir so vor, als würden die Übungen anders wirken. Während Hatha arbeite ich, das ist schwer auszudrücken, irgendwie viel mehr mit meinen Muskeln, ich spüre die Dehnungen und Drehungen intensiver, stimme sie mehr ab, während ich bei Ashtanga mehr aus meinem Kreislauf heraus arbeite.

Yoga und Esoterik
Das Thema Esoterik scheint mit Yoga Hand in Hand zu gehen und man liest oft unter Youtube-Videos, dass etwas doch kein echtes Yoga wäre, denn der spirituelle Hintergrund würde fehlen oder nur noch schwer erkennbar sein.
Meine Einstellung dazu: Ich mag keine Esoterik, es fällt mir sehr schwer solche Anwandlungen ernst zu nehmen und ich kann mir manchmal ein Grinsen nicht verkneifen, wenn jemand von Energiefluss und ähnlichem spricht. Die Verknüpfung ist da und man kann sie nicht leugnen, allerdings ist Yoga mittlerweile auch westlich adaptiert und das in verschiedenen Richtungen. Zum einen gibt es noch spirituellere Richtungen, die Yoga dann auch vorzugsweise nackt ausführen, zum anderen aber auch rein auf den Fitness-Aspekt reduzierte Linien, wie eben zB das Power-Yoga.
Für Yoga sprechen aber auch knallharte Fakten. Es gibt eine Menge Studien, die die positive Wirkung von Yoga auf den Organismus belegen (ich weiß, Wikipedia ist eigentlich keine Quelle, aber da ist das trotzdem mwN schön zusammengefasst). Wer, wie ich, nicht an kosmische Energien glaubt, findet auch ähnlich eingestellte Yogalehrer, vielleicht sollte man aber um bestimmte Yogaschulen einen kleinen bis größeren Bogen machen.
Mir ist es auch schlicht egal, ob ich den "achtgliedrigen Pfad" beschreite. Manches (zB Gewaltlosigkeit) versuche ich sowieso aus Überzeugung zu leben, anderes, wie zB die Meditationsübungen "brauche" ich für mich nicht.

Fazit

Yoga werde ich definitiv treu bleiben. Ich finde es weit weniger monoton als zB laufen zu gehen oder auch Step-Aerobic. Ich würde auch behaupten, dass ich ein neues Körpergefühl entwickelt habe - ganz unestoterisch- ich fühle mich weniger grobmotorisch als vorher, habe den Eindruck, dass ich meinen Körper "gezielter" einsetzen kann.
Was die Asanas angeht hapert es bei mir noch an vielen Stellen: Rückbeugen zB fallen mir sehr schwer und bis ich mich an die ersten Kopfstandversuche wage, werden noch diverse Monate vergehen. Glücklicher bin ich durch Yoga nicht geworden, auch nicht zufriedener, aber es ist gut zu wissen, dass, wenn man mal nicht schlafen kann eine kurze Yogaserie meistens Abhilfe schafft.
Die Erfolge die ich sehe sind für andere vielleicht minimal: Ich bin schon lange sehr unbeweglich, war auch schon als Kind eher die Leichtathletin als eine Turnerin. Umso mehr hat es mich erstaunt, dass ich nach wenigen Wochen in der Lage war, im Stehen meine Handflächen auf dem Boden zu platzieren und meine Rückenschmerzen sich merklich gebessert haben. Auch habe ich den Eindruck, dass meine ganze Haltung sich zum Positiven verändert hat. Und ja - trotz der Tatsache, dass ich keine Muskeln sehe, habe ich den Eindruck, dass ich insgesamt kräftiger geworden bin.
Ich mag an Yoga das einfache - die Ruhe, die Konzentration, da ist irgendwann nichts mehr außer dir, deiner Matte und deinem Atem. Und nicht in Konkurrenz zu anderen zu treten. Du machst dein Ding, für dich und bist nur dir selbst verantwortlich. Das gefällt mir. Teamdenken und das damit oft einhergehende Verabscheuen der Fremdmanschaft haben mich immer abgestoßen.

Wie geht es weiter?

Vielleicht versuche ich noch ein paar andere Yogastile. ich will gar nicht ausschließen, dass es einen gibt, der noch optimaler für mich ist, oder der mir mehr Spaß macht - außerdem probiere ich gerne neue Sachen aus.
Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich in Gedanken versunken meinen Körper nach einem Asana ausrichte, das freut mich, denn bisher war jegliche Art von Bewegung eher eine Notwendigkeit und auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt (vom Snowboarden mal abgesehen, aber wo kann man schon trocken Snoeboard fahren).
Ich werde nie jemand werden, der es zu Yogahöchstleistungen bringt, aber ich werde mich stetig verbessern und hoffe, dass ich den Spaß daran so schnell nicht verliere.

Hast du Erfahrungen mit Yoga gemacht?

Kommentare:

  1. Also so, wie du deine Erfahrungen mit Yoga beschreibst (die ich unterschreiben kann), denke ich, dass dir Iyengar Yoga (spezielle Form von Hatha) echt gut gefallen könnte. Sehr langsam u. präzise (SEHR präzise) in die einzelnen Übungen gehen, gerade am Anfang, statt von einer in die andere Haltung zu rutschen, ohne eine von ihnen richtig en détail zu beherrschen, keine Pseudospiritualität für spirituell ausgehungerte westliche Großstädter, der (m.E. wirklich sinnvolle) Einsatz von Hilfsmitteln, um jedem Teilnehmer entspr. seiner momentanen Kondition eine möglichst effektvolle Übung zu ermöglichen (so erreichst du deinen Kreislauf auch im Halten statt der Bewegung, je nachdem wie lange du eben hältst)), auch z.B. bei Krankheiten, große Wertschätzung des Korrigierens durch den Lehrer etc etc. Ich habe Iyengar bei mehreren LehrerInnen in Berlin u. NYC gemacht, klar gibt es indiviuelle Unterschiede, aber insgesamt ist das System kohäherent.

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  2. Das klingt tatsächlich sehr interessant und als würde es zu mir passen. Ich schau mich gleich mal um, ob es bei mir in der Gegend einen entsprechenden Kurs gibt! Vielen Dank :)

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  3. Hallo Cara,

    ich bin seit ca. 2 1/2 Yoga-Begeisterte :-) , wobei ich wie Du mit Power Yoga angefangen habe und dann zu Vinyasa bzw. Ashtanga gekommen bin. Ich hatte das Glück, in einem Fitness-Studio auf eine sehr tolle Lehrerin zu stoßen, die meine Leidenschaft dafür geweckt hat.

    Seit ca. einem Jahr ist mir Ashtanga und Vinyasa aber zu schnell/dynamisch und ich empfand es dann eher als Belastung. Durch Zufall bin ich in der Nähe meiner Wohnung auf ein tolles kleines Yogastudio gestoßen, wo ich mich angemeldet habe.
    Es ist sehr liebevoll eingerichtet und warm und gemütlich und es gibt nur einen Raum, also nur einen Kurs zur Zeit, dadurch gibt es keine Unruhe oder Lärm. Außerdem geht jeder Kurs 1 1/2 Stunden, was ich eine perfekte Zeit finde.

    In diesem Studio habe ich dann das erste Mal Hatha Yoga kennengelernt und bin begeistert! Das ist echt meine neue Liebe :-) Wobei das aber auch sehr stark an der Lehrerin liegt, die so eine sanfte Art hat, dabei wunderbar erklärt und viel rumgeht und unterstützt bzw. korrigiert. Außerdem geht es in den Stunden bei ihr nicht nur um die Asanas, sondern vor allem um Achtsamkeit sich selbst gegenüber - das ist ein sehr wichtiges Thema für mich im Moment. So macht sie zB immer wieder klar, dass jeder nur auf sich schauen soll, dass man nicht werten oder urteilen soll, was einem gelingt oder nicht, dass es egal ist, wie weit man wo rein geht oder kommt, dass es Tage gibt, an denen auch mal nicht so viel geht und dass man nicht versuchen soll, wie ein Yoga-Journal-Cover auszusehen.

    Die Übungen werden lange gehalten, was ich super finde, da das so schön intensiv ist. Dadurch wird zumindest bei mir auch gut Kraft gefordert und Gleichgewichtssinn u.ä.

    Zu den einzelnen Asanas sagt diese Lehrerin auch immer, wofür sie stehen, was damit bezweckt oder verknüpft werden kann. Das klingt vielleicht etwas esoterisch, mir persönlich hilft das sehr bei der Vertiefung der Übungen und diese Assoziationen sind dann eine Art psychische Stütze dabei.
    Manchmal singt sie auch Mantras dazu und obwohl ich weiß Gott keine Sind-Freundin bin, berührt mich das immer total (sie hat eine sehr schöne Stimme und die Mantras werden in Sanskrit gesungen, wodurch sie sich irgendwie schön anhören...)

    Ach ja, jede Stunde beginnt mit einer Atemübung und endet mit einer Entspannungsphase und einer kurzen Meditation, so dass man dabei wirklich gut abschalten kann.

    Mittlerweile mache ich nur noch diese Hatha-Yoga-Stunden zwei Mal die Woche und finde es einfach großartig.
    Und auch, wenn das jetzt vielleicht anders klang, so ist das alles andere als seltsam verdreht esoterisch - mir hilft es vor allem, achtsamer mit mir und meinen Bedürfnissen zu sein und mich besser zu spüren (ein Allheilmittel ist es leider nicht...:-))

    Ja, soviel zu meiner Yoga-Erfahrung...

    Ach ja, DVDs habe ich auch einige zu hause und sie sind alle mehr oder weniger doof, ich kann mit denen nicht üben und würde jedem zumindest gelegentlich einen Kurs mit Lehrer empfehlen...

    Viele Grüße*

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  4. Huhu, danke für deinen Kommentar :)

    Hatha wurde leider dieses Semester nicht an der Uni angeboten und in meiner Kleinstadt haben wir nur eine Yogaschule die ich ohne mittelgroße Weltreise erreichen kann, die wirkt auf mich allerdings ein wenig, naja, so wie ich Yoga einfach nicht möchte.
    Nachdem ich aber im Frühling hoffentlich in eine größere Stadt ziehe, will ich da auch keinen so großen Aufwand mehr veranstalten, die Fitnessstudios hatte ich mal gefragt, aber die haben keine wirklich ausgebildeten Yogalehrer vor Ort, sondern Fitnesstrainer mit Yogazusatzausbildung.

    Ich hatte auf Youtube ein bisschen rumgestöbert, es gefallen mir bei weitem nicht alle, aber ein paar ganz gute, so zum überbrücken, sind dabei :)

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