Freitag, 25. November 2011

Seide - ist das nun fairtretbar?


Vor ein paar Wochen kam meine Mutter aus Indien zurück, im Gepäck ein Seidenschal für mich.


Ich habe wie immer innerlich aufgestöhnt. Sie kann und will sich schlicht nicht merken, dass ich nichts von Seide halte, das geht schon Jahre so, ziemlich genau seit dem Zeitpunkt, zu dem ich über die Information darüber gestolpert bin, woraus Seide eigentlich gemacht wird.
Grinsend erzählte sie mir, das wäre ein Schal, den "ich auch" tragen könne, schließlich wäre der auch für Jains geeignet und noch dazu aus einem lokalen fairtrade Projekt.
Nachdem ich meine Mutter kenne und ihre Gewohnheiten meine Wünsche permanent zu vergessen mittlerweile ignoriere, (ich mag sie wirklich gern, aber bei diesen Themen liegen wir so meilenweit auseinander, dass sie schlicht nicht versteht, weswegen ich etwas nicht nutze; so finden auch immer wieder Gelatinegummibärchen ihren Weg in meine Pakete) habe ich den Schal einfach mal bei meinen Eltern "vergessen". Schade, dachte ich mir, eigentlich ein schöner Schal, aber eben Seide.


Und eigentlich hatte ich ihn auch wieder vergessen, bis ich heute zufällig über ein Projekt gestolpert bin: Entwicklungshilfe durch Seidenraupenzucht in Indien. Sehr lesenswert, Indien ist, so viele offensichtliche Baustellen es gibt, ein Land, von dessen Umgang mit der Umwelt und der sanften Landwirtschaft viel für eine "grüne Entwicklungshilfe" gelernt werden könnte. In Jharkhand, einem indischen Bundesstaat, der so arm ist, dass die meisten Bauern von 20€ im Monat leben, wurde nun eine neue Methode des Seidenfarmings entwickelt, die 200.000 Arbeitsplätze rund um die Zucht, Aufzucht und Verarbeitung von Seide geschaffen hat. Ich möchte gar nicht zu weit vom eigentlichen Thema abschweifen, aber der oben verlinkte Beitrag ist tatsächlich lesenswert.


Kokons des Seidenspinners
Hierbei wird eine besondere Form des Seidenfarmens betrieben: die Raupen wachsen geschützt auf, werden dann eingesammelt, wenn sie sich in Kokons versponnen haben und anstatt dem übliche Prozedere, die Larven am 10. Tag in den Kokons zu verbrühen, dürfen sie schlüpfen, Eier legen und der Kreislauf beginnt von vorne.
An diesem Punkt stutzte ich beim lesen, ehrlich gesagt war ich bisher davon ausgegangen, dass Seide immer und überall in der üblichen Form industriell hergestellt wird (um einen Sari herzustellen tötet man etwa 50 000 Seidenraupen), ich bin zwar kein besonders großer Insektenfreund, aber ich mache meine Lebensweise nicht unbedingt von Sympathie abhängig, insofern meide ich Seide schon seit Jahren.


Nun erinnerte ich mich auch wieder an den ominösen Schal und nach ein paar Klicks war ich auch schon bei einem ebenfalls relativ neuen Projekt angekommen: Ahimsa-Seide, auch "Peace-Silk". Also gewaltlose Seide?
Wie man hier nachlesen kann, hatte der Inder Kusuma Rajaiah nach ein paar Anfragen die Idee Saris aus Maulbeerseide zu produzieren, ohne dafür die Motten zu töten. Generell ging man bis zum damaligen Zeitpunkt davon aus, dass der Kokon der geschlüpften Motte nicht verwertbar wäre, weil durch die Durchbruchstelle der Faden verkürzt wurde, somit war das Garn unbrauchbar geworden.
Statt nun aber das Garn als solches zu verwenden, wird daraus ein Seidenfaden gesponnen, das beeinträchtigt, laut Kusuma zwar den Glanz, dafür knittere der Stoff nicht und die besondere Struktur sorge dafür, dass er schöner falle.
Das wichtigste: bei der Produktion werden keine Motten oder Raupen getötet. Zudem wird die anschließende Handarbeit von lokalen Familienbetrieben ausgeführt. 


Dies gilt aber wohl nicht nur für Ahimsa-Seide, sondern auch für Tussah-Seide, die Seide des Japanischen Eichenseidenspinners, denn hier werden die bereits geschlüpften Kokons von Raupen des Tussah-Seidenspinners aufgesammelt und anschließend das Garn versponnen, woraus sich eine bestimmte, ganz eigene wildseidige rauere Struktur ergibt, da der Faden der Tussah-Spinner dicker ist und die Struktur deswegen weniger fein wirkt.
Nicht zu verwechseln ist Tussahseide mit klassischer Wildseide; zwar wird sie oftmals gleich gelabelt, Wildseide ist aber üblicher Weise klassische Maulbeerseide und wird somit nicht aus den bereits ausgeschlüpften Kokons gewonnen. 

Ist diese Art Seide nun vegan?


verschiedene Seidenspinner
Ich bin geneigt das mit einem "Jein" zu beantworten.
Seide ist und bleibt ein tierisches Produkt, daran ist nicht zu rütteln. Trotzdem sehe ich nichts verwerfliches daran, den bereits genutzten Kokon zu verwerten. Wenn ich am Strand eine leere Muschelschale finde nehme ich sie auch mit, sofern sie mir gefällt.
Ich muss gestehen, dass ich, von der Frage mal abgesehen, ob man solche Kleidungsstücke braucht, keine Bedenken habe diese Art Seide zu verwenden. Ein bisschen skeptisch bin ich zwar nach wie vor, aber ich traue aus einem naiven Glauben heraus den Indern mehr als den meisten anderen Nationen zu, eine tierrespektierende Produktion leibhaftig in die Tat umzusetzen.
Vielleicht ist auch eine Unterscheidung zwischen der Maulbeerseide aus der Fabrik und den wildgesammelten Kokons angebracht?
Trotzdem: Wirklich wirklich vegan ist auch diese Art der Seide nicht. Sie ist und bleibt ein tierisches Produkt, auch wenn es sich um Abfall handelt.





Und was heißt das nun für den indischen Schal?
Ich bin mir noch nicht ganz sicher, aber ich denke ich werde ihn tragen. Ich sehe im Moment nicht viel, was dagegen sprechen würde. Eher überwiegen die positiven Aspekte: der wirtschaftliche Faktor, der fair trade Gedanke. Projekte wie das oben genannte zu unterstützen ist mir wichtig, weil ich finde, dass das ein durchaus sinnvoller Weg ist, der da eingeschlagen wird, bei dem eigentlich keiner zu Schaden kommt.


Allerdings: Eine Entschuldigung bei meiner Mutter wäre wohl angebracht.


Was haltet ihr davon? Vertretbar oder nicht?


Lesenswertes:

http://www.outlookindia.com/mad.asp
http://www.bio-seide.de/contents/de/essay_ahimsa_university_bihar.pdf

Donnerstag, 24. November 2011

Jugendidole





Franz Josef Degenhardt - 3. Dezember 1931 - 14. November 2011








Georg Kreisler   18. Juli 1922 - 22. November 2011










Ludwig Hirsch - 29. Februar 1946 - 24. November 2001







Mittwoch, 23. November 2011

Die Kommerzialisierung der veganen Bewegung

Heute möchte ich etwas zu einem Thema schreiben, das mir schon länger unter den Nägeln brennt. Im Moment ist es aktuell wie nie und ich fürchte nicht jedem wird gefallen was ich zu sagen habe, trotzdem ist es so, dass mich die Entwicklung beunruhigt und dass ich gerne erfragen möchte, ob ich die einzige bin, der es so geht.

Ich bin schon lange mit zumindest einem Auge dabei - seit mehr als acht Jahren befasse ich mich mehr oder weniger intensiv mit den Geschehnissen rund um den "veganen Lifestyle". In letzter Zeit entdecke ich aber einige gravierende Veränderungen und die möchte ich hier mal - gerne auch kontrovers- diskutieren.

Mir kommt es so vor, als würde der Veganismus immer stärker kommerzialisiert werden.
Zum ersten fällt mir hier eine massive Veränderung der Bloggerszene auf.
Ich spreche hier nicht von Leuten, die aus Blogs Kochbücher machen oder Spendenbuttons einrichten. Es ist jedermanns gutes Recht seine Ideen für umsonst zur Verfügung zu stellen oder zu verkaufen. Wer um einen freiwilligen Obolus bittet, das wofür er ewig in seiner Küche geschuftet hat endlich auf Papier sehen möchte und wer seine Texte nicht mehr für lau anbieten möchte darf das tun. Schreibt Bücher, haltet Vorträge und Kochseminare, das alles macht das vegane Leben bunter.
Auch mich nervt das permanente Verlangen immer und alles für umsonst zur Verfügung gestellt bekommen zu wollen.

Was mir sauer aufstößt sind Blogs die offensichtlich gezielt und professionell Marketing betreiben. Und das nicht in der Form, dass etwas zur Verfügung gestellt wird und man das eben mit allen Vorzügen und Schwächen testet, sondern die wie plakatartige Werbeeinblendungen schlicht auf besonders "tierfreundliche" "schicke" Produkte hinweisen und diese verlinken, meistens mit dem Bildchen eines Teils das der Blogbetreiber aus der Kollektion besitzt (geschenkt bekommen hat?). Penetrantes, unreflektiertes Vorstellen von Must-Haves für den mehr oder weniger modernen Veganer auf einer professionellen Basis, die kaum mehr Raum für Spekulationen offen lässt, wie freiwillig und objektiv der Text geschrieben wurde. Dass gekaufte Blogger in den Zeiten von Social Media gang und gäbe sind, ist eigentlich nichts neues und nichts was einen verwundern sollte, trotzdem kann ich nicht einfach darüber hinwegsehen, wenn sich sowas breit macht.
Blogs sind deswegen so wertvoll, weil sie von der Authentizität des Schreibers leben. Manche schreiben professioneller und redigieren ihre Texte mehrmals, bevor sie sie veröffentlichen, andere schreiben im Plauderton wie sie sich mit Freunden unterhalten würden und wieder andere schreiben gar nicht sondern laden nur Bilder hoch, denen sie maximal eine Bildunterschrift hinzufügen. Das ist wichtig und richtig. Jeder einzelne dieser Blogs (auch wenn ich sie nicht alle lese) ist ein kleiner Auszug der Persönlichkeit des Schreibers. Ich schreibe hier im Plauderton, wie ich eine Email an einen Freund verfassen würde, weil das das ist was ich von mir geben möchte: Infos austauschen, verschiedene Meinungen zu verschiedenen Themen abfragen, ab und an mal ein Gruß aus der Küche, so wie ich meinen Freunden den ein oder anderen Cupcake mitbringe. Aber Blogs die nichts anderes mehr sind als Werbeträger für diverse Unternehmen? Wo bleibt sie da, die Eigenständigkeit, das was euch ausmacht und auszeichnet?

Ich will hier nicht zu sehr ins Detail gehen, weil ich auch niemanden persönlich anprangern will, aber je mehr ich das verfolge, desto wütender werde ich und jetzt braucht der Ärger endlich ein Ventil.







Wieso mich das nervt? Weil man damit einen "Veggie-Lifestyle" kreiert, voll von must haves in rosa, passend für die 15-jährige Neuveganerin, der man so gekonnt vormachen kann, dass sie nur dies und jenes zu kaufen hätte und schon wäre sie schick, nachhaltig und "kawaii-veggie". Oder bestimmte Bücher, die man gelesen haben MUSS um mitreden zu können und ohne das Wissen aus der grünen Bibel wäre man allerhöchstens ein halber Veganer ohne Liebe in Kühlschrank und Herz.

Veganismus ist keine uniformierte Massenerscheinung, in der jeder das gleiche zu denken, zu fühlen oder zu meinen hat. Man darf auch aus unterschiedlichen Gründen vegan sein. Und dieser Konsumgedanke der da  fabriziert wird erzeugt einen modernen Veggie-Trend, der nichts anderes ist als Uniformierung, Verdummung. Veganer sind nicht die kleinschreibenden mit den rosafarbigen Polkadotsachen, sondern die, die keine Tierprodukte essen und nutzen, Punkt.
Man kann hervorragend ohne 500€-Küchengeräte kochen, man muss sich keinen Bananenseideschal kaufen und man muss auch nicht eine bestimmte Kosmetikmarke ausprobiert haben um sich vegan nennen zu dürfen. Man darf, aber es macht einen nicht erst zum richtigen oder richtigeren Veganer.

Ich habe zudem die Befürchtung, dass sich die vegane Szene mit dieser Uniformierung zusätzlich nach außen verschließt. Veganismus darf nicht mit einer Form von Subkultur exklusiv in Verbindung gebracht werden. Es muss ebenso möglich sein als klischeeiges BWL-Püppchen vegan zu leben und vermutlich muss man noch nichtmal ansatzweise Umweltschützer sein, um eine Entscheidung pro Tier zu treffen.

Nochmal- es geht mir nicht um Blogger die Produkte testen, nichtmal darum, dass sie welche zur Verfügung gestellt bekommen, solang man das deutlich macht und trotzdem versucht ein gewisses Maß an Objektivität zu wahren, inwieweit man diese Objektivität erhalten kann, muss vermutlich jeder für sich selbst herausfinden. Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht immer klappt, das ist menschlich, umso wichtiger der Hinweis, darauf, dass das eben nicht selbst gekauft, sondern gestellt wurde. Es geht um die, die bunte Werbetextchen mit hübschen aufgemotzten Bildchen verbreiten.
Dass sich eine Industrie um den Veggie-Lifestyle bilden würde war abzusehen, dass nicht jeder Veganer konsumkritisch sein würde auch, je mehr das Thema "Tierrechte" in die Mitte der Gesellschaft vordringt, desto mehr kommt es natürlich in der tendenziell nicht konsumkrititischen breiten Öffentlichkeit zu einem "Verwaschen" der bisherigen Begleitideale des Veganismus. Das ist wichtig und richtig und zeigt, dass Veganismus endlich dabei ist in der Öffentlichkeit anzukommen, trotzdem: wir müssen uns überlegen, wie mir damit umgehen, dass wir nun auch im Blickpunkt der Industrie und Vermarktungsmaschinerie stehen.

Denn: Natürlich hat die Industrie den Veganismus für sich entdeckt. Auch denen mache ich keinen Vorwurf, zumindest keinen den ich nicht generell erheben würde. Wenn Nestlé und Unilever auf den Zug mit aufspringen wollen, muss sich die vegane Gemeinschaft selbst überlegen, wie sie mit dem Angebot umgeht, ich habe meine Entscheidung getroffen und würde in Zukunft lieber kleine regionale Tofumacher mit besonderen Spezialitäten sehen und unterstützen, bzw. mache das soweit möglich auch jetzt schon, vor allem mit regionalen Herstellern diverser Produkte.
Es ist das Prinzip der Wirtschaft, sich auftuende Märkte zu erschließen, wer Nachfrage kreiert muss sich über ein Angebot nicht wundern.

Was mich allerdings massivst nervt ist das damit einhergehende Greenwashing, sei es bei Nestlé, Unilever oder dem WWF (aktuell wieder eine "spannende" Palmöl-Debatte auf Facebook) und der Versuch sich durch "gesunde pflanzliche Produkte" beim veganen Publikum anzubiedern.

Nein. Ich werde es trotzdem nicht kaufen, AUCH wenn es vegan ist. Andere vermutlich schon, nicht jeder ist neben vegan auch noch konsumkritisch, das ist okay, das macht die Pluralität der veganen Szene aus und das ist doch der Punkt der so wundervoll ist: Vegan kann jeder, vom 80jährigen Esoterikhippie bis hin zum 20jährigen Jurastudenten. Man muss nicht gleich sein, das gleiche denken, das gleiche konsumieren, lesen, den gleichen Kampagnen zustimmen oder immer und überall jeden beklatschen, der ebenfalls die gleiche Grundtendenz hat, was die Ausbeutung von Tieren angeht. Man muss sich noch nichtmal gegenseitig mögen, nur weil man vegan ist, wobei ich natürlich zugebe, dass es einem schon viel leichter fällt.

Belogen werden möchte ich trotzdem nicht. Weder von der Industrie, noch von anderen Bloggern, noch von Organisationen oder Medien.

Informiert euch, zeigt Interesse an dem was dahinter steckt, kümmert euch um das was um euch rum passiert und handelt danach.
Lasst euch nicht in eine Schublade stecken! Macht, was ihr für richtig haltet und messt euch nicht an irgendwelchen künstlich erzeugten Trends. Und lasst euch nicht an der Nase herumführen, nicht jeder der es vorgibt, hat wirklich nur hehre Absichten.


Dienstag, 22. November 2011

I like - Yoga!

Gibt es ein größeres LOHAS-Veganer-Klischee als Yoga?
Immer wieder liest man von sich regional ernährenden Großstädterinnen, die keine Klasse ausfallen lassen, die Kurse an den Unis sind überrannt und ein leichter Eso-Touch schwingt auch mit. Das alles hat mich recht lange davon abgehalten es selbst zu versuchen. Irgendwie strebt man ja doch nach Individualität und sich einem Klischee unterzuordnen ist für mich schwierig.

Trotzdem, ich sage ja immer: man soll nicht über etwas schlecht reden, von dem man keine Ahnung hat. Also habe ich beschlossen mir das doch mal genauer anzuschauen, ein bisschen gegoogelt, es für nicht ganz so abweigig gehalten und mir eine Power Yoga DVD und zwei Yogabücher gekauft. Um ehrlich zu sein: die DVD war ein Flop. Power Yoga wirkte auf mich ein bisschen wie abstruses californisches Aerobic-Rumgehample, völlig außer Atem konnte ich den Anweisungen nicht mal ansatzweise folgen. Stattdessen habe ich ein bisschen in "Yoga - das große Praxisbuch für Einsteiger und Fortgeschrittene" geblättert und war ziemlich schnell hin und weg.


Erste Erfahrungen

In Eigenregie habe ich mich an den ersten Asanas versucht und war immer wieder erstaunt zu bemerken, wie wenig Körpergefühl ich doch habe. Vielleicht sind einige Anleitungen auch zu kryptisch, aber mir wurde ziemlich deutlich bewusst, dass ich verlernt hatte meinen Körper richtig zu koordinieren.
Das fängt an bei einfachen Anweisungen wie: "die Hüfte zieht Richtung Boden" - wie mache ich das, welche Muskeln sind dafür verantwortlich? Mit ein bisschen rumprobieren klappt es dann, aber grazil oder gekonnt sieht anders aus. Von meiner Unbeweglichkeit will ich gar nicht erst anfangen.
Schnell war mir klar: So geht es nicht weiter, da muss professionelle Hilfe her. Also habe ich eine gute Freundin überredet mit mir zwei Yogakurse an der Uni zu besuchen, Ashtanga und Power Yoga. Letzteres eigentlich nur, weil Vinyasa, was wir beide favorisiert hatten zu einem unmöglichen Termin angeboten wurde und Power Yoga Sonntag Abend einfach zeitlich traumhaft passte.
Zwar war ich noch leicht traumatisiert von der DVD aber ich dachte, dass es eigentlich nur besser werden könnte und vermutlich weniger muskulöse Kalifornier ihre bereits vorhandene Kondition zur Schau stellen müssten.






verschiedene Yogastile

Nach ein paar Stunden stand dann für mich das Fazit fest: Auch wenn Power Yoga an der Uni weit weniger schlimm war, als beim selbst nachturnen daheim: Meins wird es nicht. Ich bin viel zu langsam und bevor ich die Position gefunden und ausbalanciert habe, muss ich auch schon wieder in eine andere hineinfinden. So hatte ich mir Yoga nicht vorgestellt. Vielleicht klappt das aber auch besser, wenn man schon yogaerfahrener ist und schneller in die Asanas hineinfindet. Ob ich es nochmal mit Power-Yoga versuche steht in den Sternen.

Ashtanga dagegen fand ich begeisternd. Man hat genug Zeit um in den Asanas zu bleiben, sie richtig auszubalancieren, allerdings ist es trotzdem eine "schnellere" Yogaart, also gerät man zwischenzeitlich wirklich ins Schwitzen und wenn man mal wieder den Kopf Richtung Matte hängen lässt, kommt es durchaus vor, dass man kurz erschrickt, weil irgendetwas monoton klopft. Schweißperlen, die von der Stirn tropfen.
Trotz der Anstrengung und diversen "ich kann nicht mehrs" von meiner Seite - nach der Stunde und der Schlussentspannung fühlt man sich gut. Überhaupt nicht erschöpft oder so, dass man das Bedürfnis hätte sich erstmal auszuruhen, selbst der bei mir sonst obligatorisch während des Sports einsetzende Hunger bleibt aus. Nach dem Duschen ist man sofort fit für neue Taten. Ich habe Ashtanga während meiner Examensvorbereitung nachmittags in einer Lernpause besucht, dafür war es perfekt. Die vom Dauersitzen angespannten Muskel haben sich gelockert, die Gedanken waren weg von den Büchern und nach der Yogastunde war ich wieder motiviert weiterzulernen.

Neuerdings mache ich auch Hatha. Diesmal wieder in Eigenregie. Vor allem auf Youtube finden sich viele Videos von Yogalehrern die dort ganz Stunden anbieten.
Hatha ist ganz anders, viel langsamer. Der Kreislauf kommt zwar auf Touren, aber ich habe immer den Eindruck unter der Belastungsgrenze zu bleiben. Auch kommt es mir so vor, als würden die Übungen anders wirken. Während Hatha arbeite ich, das ist schwer auszudrücken, irgendwie viel mehr mit meinen Muskeln, ich spüre die Dehnungen und Drehungen intensiver, stimme sie mehr ab, während ich bei Ashtanga mehr aus meinem Kreislauf heraus arbeite.

Yoga und Esoterik
Das Thema Esoterik scheint mit Yoga Hand in Hand zu gehen und man liest oft unter Youtube-Videos, dass etwas doch kein echtes Yoga wäre, denn der spirituelle Hintergrund würde fehlen oder nur noch schwer erkennbar sein.
Meine Einstellung dazu: Ich mag keine Esoterik, es fällt mir sehr schwer solche Anwandlungen ernst zu nehmen und ich kann mir manchmal ein Grinsen nicht verkneifen, wenn jemand von Energiefluss und ähnlichem spricht. Die Verknüpfung ist da und man kann sie nicht leugnen, allerdings ist Yoga mittlerweile auch westlich adaptiert und das in verschiedenen Richtungen. Zum einen gibt es noch spirituellere Richtungen, die Yoga dann auch vorzugsweise nackt ausführen, zum anderen aber auch rein auf den Fitness-Aspekt reduzierte Linien, wie eben zB das Power-Yoga.
Für Yoga sprechen aber auch knallharte Fakten. Es gibt eine Menge Studien, die die positive Wirkung von Yoga auf den Organismus belegen (ich weiß, Wikipedia ist eigentlich keine Quelle, aber da ist das trotzdem mwN schön zusammengefasst). Wer, wie ich, nicht an kosmische Energien glaubt, findet auch ähnlich eingestellte Yogalehrer, vielleicht sollte man aber um bestimmte Yogaschulen einen kleinen bis größeren Bogen machen.
Mir ist es auch schlicht egal, ob ich den "achtgliedrigen Pfad" beschreite. Manches (zB Gewaltlosigkeit) versuche ich sowieso aus Überzeugung zu leben, anderes, wie zB die Meditationsübungen "brauche" ich für mich nicht.

Fazit

Yoga werde ich definitiv treu bleiben. Ich finde es weit weniger monoton als zB laufen zu gehen oder auch Step-Aerobic. Ich würde auch behaupten, dass ich ein neues Körpergefühl entwickelt habe - ganz unestoterisch- ich fühle mich weniger grobmotorisch als vorher, habe den Eindruck, dass ich meinen Körper "gezielter" einsetzen kann.
Was die Asanas angeht hapert es bei mir noch an vielen Stellen: Rückbeugen zB fallen mir sehr schwer und bis ich mich an die ersten Kopfstandversuche wage, werden noch diverse Monate vergehen. Glücklicher bin ich durch Yoga nicht geworden, auch nicht zufriedener, aber es ist gut zu wissen, dass, wenn man mal nicht schlafen kann eine kurze Yogaserie meistens Abhilfe schafft.
Die Erfolge die ich sehe sind für andere vielleicht minimal: Ich bin schon lange sehr unbeweglich, war auch schon als Kind eher die Leichtathletin als eine Turnerin. Umso mehr hat es mich erstaunt, dass ich nach wenigen Wochen in der Lage war, im Stehen meine Handflächen auf dem Boden zu platzieren und meine Rückenschmerzen sich merklich gebessert haben. Auch habe ich den Eindruck, dass meine ganze Haltung sich zum Positiven verändert hat. Und ja - trotz der Tatsache, dass ich keine Muskeln sehe, habe ich den Eindruck, dass ich insgesamt kräftiger geworden bin.
Ich mag an Yoga das einfache - die Ruhe, die Konzentration, da ist irgendwann nichts mehr außer dir, deiner Matte und deinem Atem. Und nicht in Konkurrenz zu anderen zu treten. Du machst dein Ding, für dich und bist nur dir selbst verantwortlich. Das gefällt mir. Teamdenken und das damit oft einhergehende Verabscheuen der Fremdmanschaft haben mich immer abgestoßen.

Wie geht es weiter?

Vielleicht versuche ich noch ein paar andere Yogastile. ich will gar nicht ausschließen, dass es einen gibt, der noch optimaler für mich ist, oder der mir mehr Spaß macht - außerdem probiere ich gerne neue Sachen aus.
Ich ertappe mich manchmal dabei, wie ich in Gedanken versunken meinen Körper nach einem Asana ausrichte, das freut mich, denn bisher war jegliche Art von Bewegung eher eine Notwendigkeit und auf einen bestimmten Zeitraum begrenzt (vom Snowboarden mal abgesehen, aber wo kann man schon trocken Snoeboard fahren).
Ich werde nie jemand werden, der es zu Yogahöchstleistungen bringt, aber ich werde mich stetig verbessern und hoffe, dass ich den Spaß daran so schnell nicht verliere.

Hast du Erfahrungen mit Yoga gemacht?

Sonntag, 13. November 2011

Nach dem MoFo ist vor dem MoFo


Viele deutsche Blogs haben ja leider nicht mitgemacht, trotzdem war der MoFo wirklich spaßig, also zumindest ich bin ganz auf meine Kosten gekommen, habe viele neue Blogs entdeckt und auch viel gekocht was ich sonst nicht gemacht hätte, dazu kommt noch, dass ich so viele Rezepte gebookmarked habe, dass ich bis zum nächsten MoFo beschäftigt sein werde.

Was mich aber besonders freut - und deswegen dieser Eintrag - der MoFo geht im kleinen Stil weiter und mit ihm auch eines meiner Lieblingsfeatures: die Iron Chef Challenge.
Für alle die das zum ersten Mal hören hier die Kurzzusammenfassung:
Es geht darum neue innovative Sachen auf den Tisch zu bringen, es gibt keine Gewinner und keine Verlierer, jeder kann mitmachen, auch unabhängig von einer MoFo-Teilnahme.
Während des MoFo hat die Chellenge wöchentlich stattgefunden, am Novembergibt es nur eine Aufgabe pro Monat zu bewältigen, aber die Regeln bleiben die selben: Freitag wird eine Zutat (oder mehrere) gepostet, diese muss in dem Gericht enthalten sein. Bis Sonntag kann man seine Rezepte bloggen und dann per Kommentar oder Pingback einreichen. Dann werden alle Einträge auf dem MoFo-Blog als Post zusammengefasst.
Wie gesagt, gewinnen kann man zwar nichts, aber es macht wirklich Spaß.

Ich habe eben meinen ersten Post-MoFo-Challenge-Beitrag fertiggestellt:



Panierte nussige Tofubällchen im Pizzateigmantel mit nussig panierten Auberginenscheibchen an Walnuss-Petersiliencremesauce


Und ich würde mich wirklich freuen, wenn die nächsten Male ein paar bekannte Gesichter oder Nicks da mitmachen würden. Die deutsche Blogosphäre hat so viele begeisternde Veganköche, ich finde die könnten da gut mal mitmachen. Immerhin ist es ja auch ein bisschen Promotion für den eigenen Blog und eine kleine Küchenherausforderung schadet ja niemandem, oder?

Samstag, 12. November 2011

St. Martins-Tag - Nicht Ganz ohne Gans

A short English version may be found on my English blog

Gestern war St. Martinstag, einer der Lieblingstage von Kindern, immerhin ziehen sie da gerne mit Laternen durch die Gegend. Ich erinnere mich jedenfalls noch daran, dass mir das als Kindergartenkind einen Heidenspaß bereitet hat. Und auch wenn sich meine Religiosität mit den Jahren verabschiedet hat und ich mich vermehrt frage, weswegen man auch mehrere hundert Jahre später noch feiern muss, dass jemand einen halben Mantel verschenkt hat, so komme ich doch nicht umhin zumindest die daraus entstandenen Traditionen ein kleines bisschen liebgewonnen zu haben.
Nicht unbedingt die Gans - ich glaube die mochte ich nichtmal als Fleischesser wirklich (nicht dass ich mich ernsthaft dran erinnern würde, aber ich erinnere mich auch nicht daran, dass ich mich dadrauf gefreut hätte), aber meine Mutter hat für uns Kinder jedes Jahr eine Martinsfeier organisiert (auch weil mein Bruder so getauft wurde), zu der wir unsere Freunde eingeladen haben und Kinderpunsch tranken und haufenweise Lebkuchen und Weihnachtssüßkram mampften. Zudem durfte jeder seinen eigenen Weckmann verzieren, eigentlich eine ganz schöne Tradition und auf die Feiern blicke ich gerne zurück.
Also kam ich nicht umhin dieses Jahr meine Nachbarin einzuladen um ein bisschen in der Küche spielen zu dürfen.
Sorry für die schlechte Fotoqualität - es war schon dunkel und meine Zwergkamera kapituliert vor den Lichtverhältnissen.





1. Gang: Kürbiscremesuppe

Eigentlich eine ganz gewöhnliche Kürbis-Curry-Kokos-Suppe, zubereitet aus einer großen Kartoffel, dem inneren von 2 Kürbissen, Suppengrün, Salz, etwas Sojasauce, "Maharadja Curry" (hat meine Mutter aus Indien mitgebracht), etwas frisch geriebenem Ingwer, einer Zwiebel; am Schluss kam noch eine Haube aus Kokoscreme und Petersilie dazu

Im Hintergrund: Glühpunsch (Fruchtpunsch mit Rotwein 1:1, darin eine Orangenschale, Zimtstange und Anissterne)






2. Gang: Portulaksalat mit kandierten Feigen, Walnüssen und Senfdressing




was man für zwei Portionen braucht:
2 Hände Portulak
ein paar Walnusskerne
2 Feigen
Portwein
Zucker
Senfdressing:
1EL Senf (mittelscharf)
2EL Zitronensaft
1/2EL Agavendicksaft
6EL Olivenöl
Salz, Pfeffer

so wirds gemacht:


Portulak putzen und anrichten, Dressing darüber geben, die Walnüsse ohne Öl in der Pfanne rösten (vorsichtig!), dann die Feigen kurz anrösten, Zucker darauf streuen und ein paar mal wenden, mit Portwein ablöschen und einreduzieren, noch warm auf den Salat geben

kurzer Hinweis:
Portulak schmeckt ähnlich wie Brunnenkresse, sehr lecker als Salat und ist laut der Demeterfrau am Marktstand sehr vitalstoffreich






3. Gang: Martiniseitansbraten mit Maronenfüllung, Apfelrotkraut und Knödeln




so wirds gemacht: 

Seitansbraten aus einem Kilo Mehl auswaschen, mehrere Stunden dämpfen (dabei einen kleinen Gegenstand einbauen, so dass ein Hohlraum im Inneren entsteht)

Maronenfüllung:
200g Maronen, geröstet und gehackt
1/2 Boskop, gehackt
1/2 Zwiebel, gehackt

1 Zehe Knoblauch, gehackt
2 dünne Scheiben Mandel-Nuss-Tofu (anderer Tofu müsste auch klappen), gehackt
1 Scheibe Toast, zerbröselt
etwas Pflanzensahne (Mandelsahne)
Salz, Pfeffer, Beifuß

1.
Maronen rösten, nicht vergessen die Schalen einzuschneiden (eine verirrte traf den Wassernapf meiner Katze, welcher in tausend Teile zersprang...)

2.
Füllung vorbereiten, mit Pflanzensahne ablöschen und in den Seitansbraten stopfen

Seitansbraten: 

Braten gut mit Fett bestreichen, die übrig gebliebene Füllung daneben geben, etwas Wasser hinzufüllen und ca. 15 min bei 200° backen, dann Rotwein und/oder Port darüberschütten und nochmal 15 Minuten weiterbacken, eventuell wiederholen

In der Zwischenzeit Kartoffelknödel mit gerösteten Brotwürfeln als Füllung (meine sind leider zerfallen weswegen ich auf Fertigsemmelkmödel ausweichen musste) zubereiten und Apfelrotkraut braten (auch hier eignen sich wieder Boskop hervorragend)



4. Gang: St. Martinsgebäck




Marzipanstollen, Weckmann, Gans und Martinibrezel, alles aus süßem Hefeteig, Martin und Ganz verziert mit Zitronat und Mandeln, Martinibrezel mit Kandiszucker (hatte keinen Hagelzucker im Haus)




halber Martin - ganz traditionell zerteilt