Samstag, 28. Januar 2012

"Käse" vegan - Mozzarisella


Veganer Käse, (Kehse, Käsealternative oder wie man das auch immer nennen möchte) ist ja eine Sache für sich. Ich gebe ehrlich zu, dass ich da schwierig bin. Vielleicht liegts aber auch an den angebotenen Produkten, denn die meisten finde ich -gelinde gesagt- grauenhaft. Manches ist einigermaßen essbar - aber seien wir mal ehrlich, für einigermaßen essbar kaufe ich mir kein aromatisiertes Stück Pflanzenfett für 6€ pro 200g und verderbe mir damit ein ansonsten schmackhaftes Gericht. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass eine köstliche Pizza oder ein Auflauf nach dem bestreuen zu einem absolut ungenießbaren Mischmasch verkommt.


Mittlerweile ist der Markt tatsächlich relativ groß und unübersichtlich geworden. Immer mal wieder tauchen neue Produkte auf, werden ausländische importiert und ich bin von Natur aus neugierig. Ich glaube ich habe sie alle gehabt, also alle an die ich irgendwie drangekommen bin und von denen mir nicht so ernstlich abgeraten wurde, dass ich es mir dann doch lieber gespart habe. Und um andere davon abzuhalten die gleichen Fehler zu machen wie ich, werde ich in Zukunft ab und zu von meinen Erfahrungen berichten. Es ist auch nicht jeder "Kehse" schlecht, vor allem roh sind ein paar Sorten wirklich brauchbar, war dagegen konnten mich nur ein paar wenige überzeugen.



Die Reihe startet mit etwas ganz neuem: Mozzarisella.
Ganz neu im deutschen Onlinehandel (zumindest das erste Mal von mir vor 3 Tagen entdeckt): italienischer Kehse (ich kann micht nicht entscheiden wie ich das nun nennen soll, denn "Käse" ist das alles nicht und selbst "Kehse" ist mir begrifflich eigentlich noch zu nah dran) aus gesproßenem Reis.
Haben müssen: weil italienisch. Ich glaube irgendwie an das Märchen von der guten Qualität italienischer Lebensmittel, zumindest geschmacklich tun sich da für mich manchmal Welten auf. Und Käse aus Reis kam mir irgendwie auch mal testenswert vor. Zudem wurde seine ausgezeichnete Schmelzfähigkeit gelobt, ein weiterer Grund, ihn mal genauer unter die Lupe zu nehmen. 








Erster Eindruck vom rohen Käse:  Er bröckelt nicht, lässt sich gut schneiden, ist butterweich. Die Konsistenz erinnert am ehesten an ein hartgekochtes Eiweiß, also bissfest und zart, von Mozzarella, der sich zwischen den Zähnen ziehen lässt und eher zäh ist, ist der Mozzarisella weit entfernt. Geschmacklich ist er nicht aufregend, aber auch nicht unangenehm, ich würde sagen eher fade. Die Note ist leicht säuerlich, eine geschmackliche Parallele zu Kuhmilchmozzarella konnte ich auf den ersten Biss nicht ausmachen, bis natürlich auf das Aussehen, besonders die milchigweiße Farbe erinnert an "das Original".Insgesamt ist er roh nicht aufregend, aber auch nicht besonders schlecht, für vegane Caprese bevorzuge ich trotzdem Basilikumtofu. Im rohen Zustand ist er kein Nachkaufkandidat, aber der wichtigste Teil kommt ja erst noch: Der Schmelztest. 











 Der Schmelztest: Das Bild wirkt besser als der Käse tatsächlich geworden ist. Die feinen Mozzarisellascheiben sind so gut wie gar nicht geschmolzen, bzw. haben sich zwar ein wenig milchig verflüssigt, sind aber weder wirklich aus der Form gegangen, noch braun geworden, von Fäden oder ähnlichen Gimmicks fange ich erst gar nicht an.
Stattdessen hat sich der Geschmack verändert. Was vorher noch dezent war, war nach der Zeit im Backofen auf einmal widerwärtig. Geschmacklich erinnerte es ein wenig an geschmolzenen Santeciano (ich weiß, dass einige Leute den mögen, roh fand ich ihn einigermaßen essbar, geschmolzen dagegen widerwärtig), bei dem hatte ich einen eigenartigen Nachgeschmack ausgemacht, beim Mozzarisella bleibt das kein Nachgeschmack sondern dominiert alles andere, der Geschmack ist schwer zu beschreiben, irgendwie säuerlich, ich würde sogar soweit gehen und behaupten, dass es irgendwie verdorben, bzw. vergoren schmeckt.
Ich hatte in mein Türmchen zwei Mozzarisellaschichten gepackt, eine oben und eine unten, um die verschiedenen "Schmelzverhalten" zu testen. Die Käseschicht im Türmchen hatte sich in der Konsistenz kaum verändert, der Geschmack hingegen war genauso widerlich geworden.

Fazit: Für mich ein weiterer Kandidat der nach gewollt und nicht gekonnt schmeckt und den ich definitiv nicht nachkaufen werde. Falls allerdings jemals Bedarf bestehen sollte, gekochte Eier zu imitieren, wäre die Konsistenz für das Eiweiß hervorragend geeignet.






Bewertung: 3/10 -für die nicht bröckelige Konsistenz und den dezenten Geschmack im Rohzustand

Preis: 3,85€ für 200g
Konsistenz: weich, nicht bröselig
Geschmack: roh: leicht säuerlich, eher geschmacksneutral; warm: sauer, nahezu ungenießbar
Schmelzfähigkeit: wird weich bis wässrig-flüssig
Wiederkauffaktor: definitiv nicht

Zutaten: BioSurice* 80% (Wasser, gekeimter Vollkornreis* 20%, Zitronensaft*, Apfelessig*, Salz), kaltgepresstes Kokosöl*, Verdickungsmittel: Agar-Agar, Gummiarabikum, Xanthan, Johannisbrotkernmehl. Aromastoffe: natürliches Aroma (* = Zutaten aus biologischem Anbau)

Kommentare:

  1. Danke für den Produkttest. Hab die Sorte auch schon im Versandhandel entdeckt und mich gefragt, ob das schmecken kann. Jetzt hab ich dank Dir eine sehr ausführliche Antwort :-). Ich versuche ja zur Zeit auf Internetbestellungen zu verzichten und mich mit veganen Produkten vor Ort einzudecken. So muss ich mein Vorhaben nicht brechen ;-). Allerdings stelle ich allmählich fest, dass ich veganen "Käse" nicht vermisse, auch nicht die mittlerweile überteuerten No-Muh-Sorten. Mal sehen ob es andauert.
    LG fraujupiter

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    1. Gerne doch und danke für deinen Kommentar :)
      Ich esse die eigentlich auch nicht regemäßig, aber wenn ich mal online bestelle, dann landet meistens auch das ein oder andere Kehsepäckchen im Einkaufswagen, meine alltägliche Küche kommt eigentlich ganz gut ohne aus und wirklich "brauchen" tu ichs auch nicht.
      Ich hätte gedacht, dass mir Käse mehr fehlt, allerdings ist das meiste vegane "Käsezeug" wirklich so eklig, dass einem der Geschmack darauf endgültig verleidet wird. Und "brauchen" ist auch was anderes.
      No Muh finde ich tatsächlich noch mit am essbarsten, die Frage ist eben, ob einem das das Geld wert ist. Essbar finde ich einige andere Sachen auch und für den Preis kann ich mir nen ganzen Haufen Haselnuss-Booja-Boojas kaufen und über die geht für mich gar nichts ;)

      LG zurück :)

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  2. Ich freue mich auch immer über solche Berichte. Schade, dass das auch wieder ein weniger überzeugendes Produkt war :o(

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    1. ich finds auch schade, ich hätte den wirklich gerne gemocht :(

      eigentlich beweist mir jeder Test wieder, dass es veganen Käse einfach nicht gibt...

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  3. Ich geb dir da völlig recht, der Preis ist einfach viel zu hoch für Pflanzenfett mit Kartoffelmehl, Salz und ein paar Gewürzen (Grundlage für meine "Lieblings"-Sorte No-Muh Chäs Kräuter. Über 6 Euro finde ich wirklich nicht gerechtfertigt für sowas. Ich bin mittlerweile wirklich großer Fan von Hefeschmelz, auch wenn der halt keine Käsefäden zieht. Falls man überhaupt von "vermissen" reden kann, fehlt mir Schafskäse ein bisschen, den mochte ich im überbackenen Zustand immer sehr gerne. Aber auch da komm ich gut ohne aus, gerade wenn man bedenkt, dass die Alternativen ja ganz offensichtlich samt und sonders merkwürdig sind.

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  4. probier doch mal den daiya. der ist im gegensatz zu allen anderen wirklich gut.

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    1. würd ich gern :( leider gibt es den online nirgendwo und das Veganz und damit Berlin ist wirklich am anderen Ende Deutschlands; mein letzter Versuch an Daiya zu kommen endete damit, dass mein Bruder aus den USA einen unveganen Fakekäse mitgebracht hat, aber ich bleibe auf alle Fälle dran :)

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  5. Hey, ich hab den Mozzarisella jetzt auch einiges Male gekostet und ich mag ihn. Warum weiß ich nicht, aber ich finde ihn roh wie warm einfach gut. Zwar nicht täglich aber hin und wieder Mal.
    Andere Käse find ich echt abartig - kalt wie warm, aber der geht. :)

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    1. hm, ich hab bei alles vegetarisch kürzlich auch mal nen Kommentar gelesen, der darauf hindeutet, dass die Qualität wohl stark schwankt; eventuell landet der bei der nächsten Bestellung nochmal in meinem Einkaufswagen und ich geb ihm ne zweite Chance...

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  6. Moin,
    also erstmal danke für den Bericht. Ich war schon drauf und dran mir das selbst mal zu bestellen, obwohl ich normalerweise immer alle Lebensmittel in einem Shop vor Ort kaufe. Aber das muss ich mir jetzt nochmal überlegen. Bisher hab ich auch nur positives gelesen, vor allem wegen der Schmelzeigenschaften, hast du den jetzt nochmal ausprobiert? Wurde da mittlerweile vielleicht die Rezeptur verändert und verbessert? Ich suche nämlich ganz dringend nach einem Käseersatz der möglichst mild ist und sich gut fürs überbacken, also vor allem Nudeln und Pizza eignen würde.

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    1. Hallo Patrick,

      entschuldige dass die Antwort etwas später kommt, ich stecke momentan noch mitten im Umzug.

      Ob sie die Rezeptur mittlerweile verändert haben weiß ich nicht so genau. Scheinbar hat(te?) Frescolat ein Produktionsproble, so dass manche Mozzarisellas gut und andere ungenießbar waren. Ich habe irgendwann nochmal einen der guten probiert und muss gestehen, dass der mich auch nicht vom Hocker gehauen hat, der eklige Beigechmack war zwar weg aber gut war er deswegen noch nicht unbedingt, immerhin: essbar, ich würde ihn aber nicht wieder kaufen.
      Geschmacklich gehen die Meinungen hier aber wirklich stark auseinander, es gibt einige die ihn wirklich richtig gern mögen, mehr als selbst probieren kann ich da auch nicht epfehlen, allerdings nur für den Fall dass Frescolat zwischenzeitlich das Produktionsproblem gelöst hat, denn für dieses Glücksspiel ist der Spaß dann doch zu teuer...

      Als Alternative für das was du suchst würde ich dir den Cheezly empfehlen, hier gibt es einige recht milde Sorten und er eignet sich recht gut zum überbacken. Ich hatte immer das Glück den direkt vor Ort in einem der Bioläden oder Reformhäuser kaufen zu können. Ansonsten gibt es natürlich den allseits beliebten Wilmersburger. Mein Fall ist der zwar nicht unbedingt, aber vielleicht magst du ihn ja lieber?

      Liebe Grüße

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