Donnerstag, 24. Mai 2012

Frankreichs Kampf gegen den Vegetarismus

Bereits vor ein paar Tagen bin ich über einen zwar nicht mehr ganz aktuellen, dafür aber umso brisanteren Artikel gestolpert, dessen Inhalt ich erst so gar nicht fassen konnte, denn als ehemaliges Internatskind bin ich Schulspeisungen gewöhnt und hätte mich jemand zwingen wollen, etwas zu essen was ich nicht essen wollte, hätte da keine Chance bestanden.

Nun, andere Länder andere Sitten. Von Freunden, die es an die damalige französische Partnerschule verschlagen hatte, hatte ich zwar auch Unglaublichkeiten zur Schulspeisung gehört, hatte das aber weder ernst genommen (entsprechend der Horrorgeschichten die alljährlich über das angeblich ungenießbare Essen auf Klassenfahrt erzählt werden), noch die letzten Jahre daran gedacht, bis ich auf Vegetarismus.ch folgenden Artikel gefunden habe, aus dem ich hier einfach ohne jeden weiteren Kommentar zitieren werde:


In Frankreich hat die Regierung in diesen Belangen bei den Kindern angefangen. Durch Erlass des Dekrets vom 30. September 2011 sind nun alle schulischen Kantinen und Mensen dazu verpflichtet, bei mindestens 8 von 20 aufeinanderfolgenden Mahlzeiten Fleisch oder Fisch aufzutischen – und zwar allen Schülern.1 In Frankreich wird generell von den Schülern erwartet, dass sie wenigstens ein bisschen von jedem Gericht essen. Dabei ist es den Schülern in den meisten Fällen nicht gestattet, ihr eigenes Essen mit in die Kantine zu nehmen. Folglich werden Familien, die ihre Kinder zu Mittag nicht nach Hause holen können, nahezu zum Fleischverzehr gezwungen.




[...]Das «Gesetz zur Modernisierung der Landwirtschaft und der Fischerei», das im Juli 2010 durch das Parlament verabschiedet worden war, beauftragt die Regierung, ähnliche Dekrete für einen Grossteil der kollektiven Restaurant-Betriebe aufzunehmen – von Kindergärten über Uni-Mensen, Krankenhäuser und Gefängnisse bis hin zu Altersheimen. So kann Schritt für Schritt sichergestellt werden, dass sich das Verbot des Vegetarismus über weite Teile der Bevölkerung ausbreiten wird. 
Das offizielle Credo dieser Massnahmen lautet «Ausgewogene Ernährung». In Frankreich verbreitet die Gesundheitsbehörde seit mehreren Jahren auf systematische Weise Vegetarier- und Veganer-feindliche Nachrichten. So kann beispielsweise eine Person, die sich gerne über die vegane Ernährung informieren möchte, auf der staatlichen Ernährungshomepagewww.mangerbouger.fr als einzigen Ratschlag dazu lesen: «Entscheide dich auf gar keinen Fall für diese Ernährungsform!»3 Anstelle praktischer Ernährungsberatungen werden Risiken systematisch übertrieben dargestellt, ohne jedoch die wesentlichen Grundsätze zur Vermeidung dieser Risiken vorzustellen.


Link zum kompletten Beitrag aus Ausgabe 4/2011 von Vegetarismus.ch

Kommentare:

  1. Hey Cara,

    herrje... das ist wirklich heftig. :/
    Habe das mal eben bei Twitter verbreitet.

    Lieben Gruß
    Erbse, die noch ohne Worte ist...

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hey Erbse,

      je mehr das mitbekommen, desto besser. War selbst vollkommen fassungslos, als ich das gelesen habe.

      Liebe Grüße!

      Löschen
  2. Okay, und wo bleibt da die Toleranz?
    Das ist echt mal krass, man kann doch niemanden dazu zwingen auf grausame Art und Weise getötete Lebewesen munter in sich reinzufuttern, weil das ja "gesund" ist.
    Leute zwingen mehr Gemüse zu essen - ja, vielleicht - aber Fleisch essen? Unglaublich, wie da manipuliert wird.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Und selbst wenn- wenn jemand keine Aubergine essen will, dann ist und bleibt das seine Sache.

      ich finde die ganze Geschichte auch wirklich mehr als unfassbar, kann mir auch nicht so ganz vorstellen, dass das zulässig ist, nur leider sind Vegetarier ja nicht unbedingt die Gruppe um die sich die üblichen menschenrechtsaktivisten und Verfassungshüter kümmern...

      Löschen
  3. Das ist ja heftig! Bei Muslimen wird dann wohl auch keine Rücksicht auf religiöse Gründe genommen, oder?
    Ich bin gerade sprachlos und kann über diese Ignoranz nur den Kopf schütteln.

    Viele Grüße,
    Miss Sugarshack

    Http://misssugarshack.squarespace.com

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. das würde mich allerdings auch interessieren!

      Dazu kommen ja auch noch Hindus (ohne Kuh) und Juden (zusätzlich koscher und keine Schalentiere).
      Religiös motivierte Vegetarier gibts ja in den asiatischen Religionen auch zuhauf. Ich würde tatsächlich gerne wissen, wie das in der Praxis umgesetzt wird.

      Löschen
  4. Also bei mir platzen in der letzten Zeit immer mehr "Träume": Erst WWF, dann Greenpeace, jetzt Fronkreisch, Fronkreisch ... Wie soll das nur weitergehen???

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. was ist denn mit Greenpeace?

      Löschen
    2. Nach wie vor offensichtlich keine Unterstützung von und für Paul Watson - und das hier:

      http://www.greenpeace-magazin.de/index.php?id=6564&no_cache=1&sword_list[0]=wildbret :-(((

      Löschen
    3. Greenpeace hat als Umweltschutzorganisation zum Thema Fleisch eine deutlich von mir abweichende Meinung, so ist das mit dem Umweltschutzorganisationen. Das wurde ja auch in ihrem entsprechenden Themenheft (vor ca. einem Jahr?) deutlich.

      Das läuft auf das gleiche raus wie bei allen anderen Umweltschutz- und Menschenrechtsorganisationen: Sie empfehlen zwar eine deutliche Redultion des Fleischkonsums, mithin natürlich ein Ende der Massentierhaltung, die letzte Konsequenz fordern sie aber nicht. Das ist die gleiche Taktik die viele andere Fleischesser fahren.

      Löschen
    4. Hm.... ich fand Greenpeace bisher eher unterstützungswürdig... Zumal sie neulich in ihrem Heft sogar darauf hingewiesen haben, dass man den Fleischkonsum reduzieren soll. Klar bin ich dagegen überhaupt ein Tier zu essen. Aber immerhin gibt Greenpeace (im Gegensatz zu WWF) ein Statement ab, dass man viel weniger Fleisch essen soll.

      Der verlinkte Artikel gefällt mir aber gar nicht... So "liebe Fleischesser, hier ist die Lösung um weiterzumachen wie bisher". :-( Gar nicht schön. Manchmal fragt man sich echt ob es noch irgendeine Orga gibt welche die Unterstützung verdient hat :-(

      Löschen
    5. Ich hab auch nichts gegen Greenpeace, so sollte das nicht rüberkommen, es ist nunmal aber eben eine Umweltschutzorganisation und keine Tierschutzorganisation (auch wenn es da natürlich eine große Schnittmenge gibt) und erst recht keine Tierrechtsorganisation. Der Fokus liegt anders und für einen Umweltschützer ist gemäßigter Fleischkonsum eben vertretbar. Trotzdem muss eine Umweltschutzorganisation ja nichts schlechtes sein, ich kann mich durchaus für mehrere Themen begeistern und sie für wichtig und richtig halten :)

      Löschen
    6. Rein sachlich hast Du natürlich recht, Cara. Aber emotional bin ich schon enttäuscht von Greenpeace, irgendwie meint mein grünes Herz immer, wer sich den Kampf für unsere Um- und Mitwelt auf die Fahne geschrieben hat, kann unmöglich die Jagd auf Tiere, und auch noch SO ENGAGIERT wie in dem betreffenden Artikel, unterstützen - selbst wenn (seeehr positiv gedacht) der Hintergrund eine Step-by-Step-Vorgehensweise (die ich bei meiner Arbeit als moderater Veggie-Networker [wenn auch mit geballter Faust in der Tasche, dennoch] aus strategisch-taktischen Gründen ja auch immer wieder verfolge) sein sollte ...

      Und das Verhalten (bzw. Nicht-Verhalten) Paul Watson gegenüber ist definitiv NICHT akzeptabel!

      Ich werde jedenfalls Greenpeace nicht mehr insgesamt, sondern nur noch punktuell unterstützen, und mein als Jedi-Großmeister gewonnenes original englisches Greenpeace-Uk-T-Shirt ( http://www.vwdarkside.com/de/jedi/destinys-pd-91191 )werde ich auch nicht anziehen ... Konsequenterweise sollte ich vielleicht auch diesen Titel wieder zurückgeben ...

      Löschen
    7. Cara, sehr schön gesagt, gefällt mir :-)

      Löschen
  5. Verlinkt in https://www.facebook.com/DestinysPD/posts/420054498039669

    AntwortenLöschen
  6. Whoa, wie rückschrittlich! Sowas geht doch nicht! Das ist ein Eingriff in die Privatssphäre!

    AntwortenLöschen
  7. Verlinkt in http://claudigoesvegan.blogspot.de/2012/06/vom-wwf-pinken-saft-cashewase-20-und.html

    AntwortenLöschen
  8. Ja der Artikel hat mich im Vegiinfo der SVV auch schwer erstaunt.
    Dass die Franzosen ja bezüglich vegetarischer Ernährung weit im Rückstand sind, war mir klar.
    Aber welche Ausmasse es annimmt nicht... Traurig :-(

    AntwortenLöschen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.