Mittwoch, 19. Dezember 2012

Kein Palmöl - ist Sojola eine Alternative?

Ich trage diesen Post schon ein wenig mit mir herum, weil mir eigentlich nicht daran gelegen ist, irgendwelche Produkte herauszupicken und schlechtzureden, schlussendlich müsste man dann noch an ganz anderen Punkten ansetzen, bei Sojola liegt die Sache aber vor allem deshalb anders, weil es häufig als "gute Alternative" zu Alsan und Co vorgeschlagen und in Diskussionen meistens reflexartig als palmölfreie Margarine genannt wird.



Sojola ist palmölfrei, daran besteht für mich momentan kein Zweifel, zwar lässt sich das aus der Liste der Inhaltsstoffe nicht zweifelsfrei entnehmen, aber ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Produktanfragen korrekt beantwortet wurden und die nicht näher deklarierten Zutaten palmölfrei sind, zum Vergleich hier die Zutatenliste:

Pflanzliche Öle (Sojaöl und Sojaöl gehärtet (64%), Kokosöl) Wasser, Emulgatoren: Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Lecithin (Soja), Citronensäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren, Salz (0,5%), Aromen, Säuerungsmittel: Citronensäure, Farbstoff: Beta-Carotin, Vitamine A und E. 

Laut Inhaltsstoffliste besteht Sojola mehrheitlich aus Soja (wie ja auch der Name schon vermuten lässt), woher dieses kommt lässt sich in den FAQ von Sojola nachlesen:

Welche Herkunft hat das für die Herstellung von Sojola verwendete Sojaöl?Vandemoortele bezieht seine pflanzlichen Öle und Fette auf dem internationalen Rohstoffmarkt. Aufgrund weltweiten Anbaus von Sojabohnen und der globalen Lieferkette werden diese aus verschiedenen Quellen vermengt. Daher können wir den genauen Ursprung des Sojaöls nicht garantieren. Der Bedarf der Vandemoortele-Gruppe ist bei weitem nicht groß genug um direkten Einfluß auf die Lieferkette von Sojabohnen zu nehmen. Wir sind daher dem "Round Table on sustainable Soy" beigetreten. Durch unsere Mitgliedschaft in dieser unabhängigen Organisation hoffen wir, den Übergang zu einer nachhaltigen Lieferkette für Sojaöl positiv zu stimulieren.

Neben der reflexrtig hinterhergeschobenen "Entschuldigung" findet sich auf der gleichen Seite außerdem noch folgender Hinweis:
Für unser Sojola-Produkte verwenden wir ausschließlich „IP-Soja" (IP = Identity Preserved). Dadurch sind wir jederzeit in der Lage, die Herkunft der verwendeten Sojabohne bis hin zum Erzeuger zurückzuverfolgen.

Nachdem diese Information sogar an erster Stelle der FAQ steht, drängt sich die Frage auf, weswegen die Herkunft nicht genauer angegeben wird, was allem aufgrund der Tatsache verwunderlich, dass bis vor kurzer Zeit (und über einen langen Zeitraum) in den FAQ und auch auf Anfrage nachzulesen war, dass das Soja aus Brasilien stamme. 
Natürlich kann es sein, dass Sojola seine Einkaufsstruktur verändert hat und nun auch Soja aus anderen Anbaugebieten dazukauft, allerdings erklärt das nicht, weswegen die Länderangaben dann nicht einfach angepasst und erweitert, sondern durch die doch recht schwammige Bezeichnung "Weltmarkt" ersetzt wurden. Der Rechtfertigungsabsatz war auch in der alten Version schon zu finden. 
Eine nicht ganz abwegige Erklärung wäre die, dass vor allem der brasilianische Sojaanbau stark in der Kritik steht, dennder Anbau von konventionellem Soja in dort keinen Deut besser ist, als der von Palmöl. Auch dort werden Kleinbauern enteignet was zu massiver Verelendung führt und der Regenwald für Plantagen zerstört, die Betroffenen sind andere, die Mechanismen und die Probleme aber, obwohl vielschichtig, recht ähnlich gelagert. Auch die Kritik am runden Tisch für Soja ist die gleiche wie die an dem Modell für Palmöl.Heruntergebrochen bedeutet das eigentlich nur, dass es eine Entscheidung gegen Jaguar oder Orang-Utan ist.
Dass der Hinweis auf die Rückverfolgbarkeit des Sojas notwendig ist, dürfte sich daraus erklären, dass viele Konsumenten befürchten, dass in ihrer Nahrung genetisch manipuliertes Soja enthalten sein könnte, dass dann aber nicht gleich das Herkunftsland bzw. die Herkunftsländer offengelegt werden, muss einen als Konsumenten schon ein wenig skeptisch machen. 


Recht aktuell wurde das Thema brasilianisches Soja durch das "Schwarzbuch WWF" von Huismann im letzten Jahr behandelt, denn dieser beschreibt sehr plastisch die Auswirkungen des Anbaus für Mensch, Tier und Natur. 
Hätte sich Sojola aus diesem Markt zurückgezogen und würde stattdessen aus anderen Quellen aufkaufen, gäbe es keinen Grund die Herkunft nicht offenzulegen, im Gegenteil: Biofirmen, allen voran diejenigen die Veggie-Lebensmittel aus Soja produzieren, veröffentlichen oft schon auf ihren Homepages die Herkunftsländer und gegebenenfalls sogar die -kooperativen wenn sie es aus dem außereuropäischen Raum beziehen oder sind zumindest auf Nachfrage bemüht klarzustellen, aus welchen Gebieten sie importieren und klarzustellen, dass für ihr Soja kein Urwald gerodet wurde. Dass Sojola nicht ausschließlich von Biobetrieben außerhalb der kritischen Gebiete beliefert wird, legt auch der Absatz über die Teilhabe am runden Tisch für nachhaltiges Soja nahe,

Bei Sojola bleibt daher ein bitterer Nachgeschmack, als ethisch korrekte Alternative zu palmölhaltiger Margarine kann sie leider nicht empfohlen werden. Für mich klingt die Anpassung der FAQ so, als würde bewusst vom Problemfeld Soja abgelenkt werden, so dass man weiterhin die gute Alternative zu Palmöl geben kann.


Weitere Infos zum Sojaanbau im Amazonas: 

Greenpeace
Faszination Regenwald
Spiegel von 2006

Kommentare:

  1. Ich hoffe ja immer noch auf eine Magarine, die wirklich nachhaltig ist. Beiträge wie deiner leisten hoffentlich einen Beitrag dazu, dass der Weg auch hier in Deutschland dafür geebnet wird! Danke! :)

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  2. Toller Artikel!
    Ich habe mich auch zunächst total gefreut, dass es Margarine ohne Palmöl gibt, und dann gedacht: "Moment, da ist doch Soja aus nicht biologischem Anbau drinn. Ist das überhaupt eine Alternative?"
    Ist es aber wohl wirklich nicht, sehr schade.
    Danke für deine Recherche :-)

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  3. Danke, genau darüber habe ich mir auch schon länger Gedanken gemacht. Das ist so ein typischer Bereich, bei dem man schnell an seine (veganen) Grenzen gerät und nicht so easy ne Lösung findet. Sich nur zwischen "Schlecht" und "Schlecht" entscheiden zu können, frustriert!

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  4. Schade... wobei ich sowieso nie Margarine kaufe. Backen klappt mit Öl genauso gut :)

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  5. Mhm, schade. Ich immer noch bei rezepten nicht wie ich die margarine ersetzen kann ;/

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  6. Wenn auch etwas spät, aber dankeschön für diesen Beitrag. Ich muss zugeben, dass ich meist nicht so viel Zeit mit dem Lesen der Herstellerinformationen verbringe (meistens schaue ich in erster Linie auf die Inhaltsstoffe), weshalb mir das mit dem Soja gar nicht aufgefallen wäre. Bisher hatte ich diese Margarine gedanklich als ganz gute Alternative abgespeichert. Hm. d.h., momentan gibt es quasi keine "ethisch einwandfreie" Margarine auf dem Markt?! Das ist echt unbefriedigend. Ich verwende zum Backen auch immer nur Öl und schmiere mir selbst keine Margarine aufs Brot, ab und an haben wir sie doch da, v.a. mein Freund (auch vegan), mag ganz gerne zum Frühstück etwas für unter die Marmelade.

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