Donnerstag, 13. Dezember 2012

Mein Senf zur (immer mal wieder) aktuellen Diskussion

Derzeit geistern ja viele Posts und Meinungen durch die "vegane Community" in denen man sich gegenseitig versichert, dass man eigentlich schon alles richtig macht und dass man nun bitte aber auch mal mit dem ganzen Rest in Ruhe gelassen werden will und auch ein Recht darauf hat. Da mein Blog nun zu denen gehört, die die angessprochenen und kritisierten Themen wohl mit am deutlichsten thematisieren und ich die Diskussion schon seit geraumer Zeit verfolge, möchte ich nun auch mal ein Statement zu diversen Punkten abgeben.


1. Der Superveganer

Es mag auf Facebook, in Foren und vielleicht sogar am Veggie-Stammtisch die Spezies des Superveganers geben, desjenigen, der vermeintlich alles viel richtiger und viel besser macht und allen anderen mehr oder weniger penetrant erklärt, dass ihr Lebensstil der sprichwörtliche Holzweg ist, je nach Penetranz vielleicht sogar der Fahrstuhl direkt ins glühende Gehenna.
Solche Leute gibt es immer und überall, es gibt die Alternativen, bei denen man nicht dazugehören darf, weil der Pulli nicht aus peruanischem Lamawollgarn ist, die Rockabillys, deren Hauptlebensaufgabe darin besteht "Fakes" zu identifizieren und als Modeerscheinung zu geißeln, Gothics, die, wenn du ihnen auf der Straße vorgestellt wirst als erstes deine Begleitung für die Farbenpracht deiner Bekleidung anraunzen und manch einer berichtet sogar von Trotzkisten, denn wie wir alle wissen sind Trotzkisten generell Spalter. All das und noch viel mehr habe ich selbst schon erlebt.
Das ist ein vollkommen natürlicher sozialer Prozess, es gibt immer diejenigen, die sich für die wahren, richtigen, einzigen und besten halten, so wie es in jedem Kaff den selbsternannten Blockwart gibt, der darauf aufpasst, dass niemand falsch parkt, die Hecke geschnitten ist und die Töchter auch brav und keusch mit überkreuzten Beinen um 7h auf Mutterns Couch sitzen. Das ist ein bestimmter Menschenschlag, eine soziogische Rolle innerhalb einer Gemeinschaft, die eben irgendjemand besetzt der die Disposition dazu hat. Nun kann man, wie das einige tun, dadurch auf alle schließen. Jeder Veganer kennt das doch bereits, denn diese Leute sind diejenigen die am allerlautesten krähen und im Zweifelsfall die einzigen Veganer, die der momentan anwesende nicht-vegane Gesprächspartner schonmal irgendwo wahrgenommen hat. Sie tauchen aber auch überall auf: In Kommentarspalten, in Facebookdiskussionen, werfen in jeder noch so unpassenden Situation ihr "go vegan" in den Raum und kloppen sich dann mit den Gegenreaktionen.
Nun ist die vegane Szene eben auf einmal mit jenen konfrontiert, die genau dieses "Diskussions-Muster" auf die restlichen Veganer anwenden.
Man kann trefflich darüber streiten, ob Palmöl, nicht-faire Schokolade oder brasilianisches Urwald-Soja nun unter den Begriff "vegan gefasst werden können oder nicht. Es gibt, um das kurz zu skizzieren hier zwei Argumentationsschienen:
Die einen sagen, dass nur diejenigen Produkte, die vom Tier oder mit Hilfe vom Tier produziert werden unter den Begriff "unvegan" fallen. Somit wären oben genannte Produkte pflanzlich vegan.
Andere wenden ein, dass eben auch die Ausbeutungsmechanismen zählen, dass eben auch das als "unvegan" zu bezeichnen ist, was unter Ausbeutung von Tier und Mensch entsteht und dass auch der Lebensraumverlust von Tieren und Artensterben für den Begriff maßgeblich zu beachten sind.
Hier ist nicht der Raum um diesen Streit zu entscheiden, ich tendiere zu der ersten Auffassung, finde aber auch, dass die andere Seite gute Argumente hat und dass dies eine Diskussion ist, die innerhalb der veganen "Szene" geführt werden darf und muss, eine Begriffsdefinition ist schließlich nichts statisches und eine Wandlung und Anpassung von Begrifflichkeiten auch immer wieder zwingende Notwendigkeit, vor allem wenn, wie hier, durchaus ein gewisser Interpretationsspielraum gegeben ist.
Ich habe manchmal allerdings durchaus auch den Eindruck, dass eine solche Diskussion auch deswegen schwierig ist, da sich sehr viele, vor allem Neuveganer, sehr über ihren Veganismus definieren, der ihnen durch eine solche Umdeutung des Begriffes wieder "weggenommen" zu werden scheint. Symptomatisch sehe ich hierfür beispielsweise die Tatsache, dass sehr viele bereits über ihren Nutzernamen in sozialen Netzwerken ihren Veganismus nach außen tragen und sich selbst als "vegan" definieren und dies also als erstrebenswertes oder zumindest angestrebtes Ideal präsentieren, in welchem sie sich schnell angegriffen fühlen, wenn jemand sie, berechtigt oder nicht, auf "Feher" hinweist.
Ich für meinen Teil sehe, das habe ich an anderer Stelle schonmal geschrieben, fairen Handel, Nachhaltigkeit und Co eher als Begleitideale des Veganismus, weil sie in einer ähnlichen bis identischen Weltanschauung wurzeln, die im konkreten Handeln aber aufgrund eigener Prioritäten durchaus unterschiedliche Ausprägungen erfahren darf und in der Realität aufgrund von Prioritätensetzung auch muss.
Weiterhin habe ich den Eindruck, dass viele erwarten eine Community zu finden, in der sie uneingeschränkten sozialen Rückhalt erfahren, viele Menschen (und ich gewinne den Eindruck Veganer vor allem) sind extrem harmoniebedürftig. Für einige scheint entsprechend eine Welt zusammenzubrechen, wenn sie online zum ersten Mal mit einem jener Menschen konfrontiert werden, die etwas unwirscher auf ihre Meinung zu einem speziellen Thema aufmerksam machen.
Und zuguterletzt: Die Diskussionskultur im Internet ist eine andere als offline. Das muss man sich, auch im Hinblick auf vegane Themen, immer wieder vor Augen halten.
Das sind nicht nur die Veganer, die sich online bekriegen, ganz Spiegel Online lebt davon: Apple Fans gegen Apple Hasser, Vegetarier gegen Fleischesser, Homöopathie-Gläubige gegen -Skeptiker, Weltuntergangsphantasten gegen Astronomieanhänger, kreuz.net-Freunde gegen den einigermaßen aufgeklärten und toleranten Rest der Bevölkerung, Attila-Hildmann-Fans gegen die Anhänger von Björn Moschinski, Team Edward gegen Team Jacob und so weiter und so weiter. Nun also auch noch palmöl'freie' gegen diejenigen, die nur tierfrei leben. Ich bin versucht zu sagen: Das ist nunmal so. Vor allem, wenn in diesem Punkt eben die Definitionsfrage aussteht und vielleicht/vermutlich auch nie endgültig geklärt werden wird. Möglicherweise hilft mir bei der etwas gelasseneren Betrachtung mein Studium, denn Juristen sind ja generell der Ansicht, dass neben den herrschenden auch die Mindermeinungen durchaus ihre Berechtigung haben, auch wenn sie ihnen nicht folgen, da sie mindestens Diskussionsanregung bieten und teilweise eben auch Inkonsistenz im eigenen Weltbild/der eigenen Beweisführung aufdecken. Ich wünschte das könnte man zum allgemeinen Konsens erheben und vor diesem Hintergrund diskutieren und sich eben auch mal mit den Argumenten des Gegenübers auseinandersetzen, wenn nicht (und daran kranken nahezu alle Diskussionen dieser Art) überhaupt mal anfangen welche vorzubringen.
Ich gehöre selbst mit zu denjenigen Personen, die diese neue, aggressive Art der Kommunikation verabscheut, ich bin im höchsten Maße darüber irritiert, dass es Menschen gibt, die es sich zum Hobby gemacht haben in amazon-Bewertungen über die literarische Qualität eines Buches zu streiten, mit Gift und Galle gegen jemanden zu spritzen, den sie nicht kennen, ihm vorsorglich mal Dummheit, Unreflektiertheit, usw. zu bescheinigen und sich daran aufzureiben, wie sehr man jemand anderem virtuell ins Gemächt respektive die Eierstöcke treten kann. Ein virtueller Fight Club für diejenigen, die ihre aufgestauten Aggressionen loswerden wollen und im Schutze einer scheinbaren Anonymität jegliche Form von Anstand verlieren, Adorno hätte seine helle Freude daran gehabt.
Was ich damit sagen will: Es handelt sich nicht um ein vegan-typisches Phänomen, sondern um eines des Internets und der dort stattfindenden Kommunikation. Das mag mir in dem Moment nicht helfen, in dem ich mal wieder von irgendjemandem als schlechtester Mensch des Jahrhunderts, wegen meines Margarinekonsums sogar noch schlimmer als Hitler, Stalin und Mussolini zusammen, bezeichnet worden bin, aber es hilft doch sehr, wenn man mit etwas Abstand darüber reflektiert und sich das schiefgelaufene Gespräch nochmal ansieht.
Es gibt einen Grund, weswegen uns unsere Omas das Sprichwort "der Klügere gibt nach" gelehrt haben, vielleicht schadet es uns nicht, wenn wir uns aus manchen Internetdiskussionen mal fernhalten, wenn man nicht auf jede Provokation eingeht und wenn man den "Superveganer" einfach mal mit seinem Hass versanden lässt, im Gegensatz zu einer richtigen Diskussionskultur sind solche Wortgefechte doch gar nicht aufs überzeugen, auf Informationsautausch oder einen Kompromiss ausgelegt, sondern einfach nur wirres territoriales Verhalten, in dem der eine, der "richtige" Veganer dem anderen ans Bein pinkelt und damit klarstellt, dass der andere ja allerhöchstens ein "Pseudo" ist, so wie eben der "richtige Rocker" auf Rockfans herunterblickt oder der allerallergrößte Twilight-Fan auf "Pseudofans", die erst nach dem Hype vom Glitzervampir gehört haben. Auch ich bin schon attackiert worden, auch bei mir ist das nicht immer glimpflich ausgegangen und auch ich habe oft genug nicht überlegt geantwortet, sondern einfach mal zurückgeblafft, wie ich aber neulich mal in einem sehr treffenden Kommentar las (den ich spontan leider nicht mehr finde): "man sollte mit solchen Leuten verfahren wie mit allen anderen selbsternannten Vorstadt-Sheriffs und sie einfach ignorieren", das ist der beste Rat, den ich jedem mitgeben kann, denn die 150. Diskussion darüber, ob ich nun Vraten- statt Bratensoße schreiben muss, damit mein virtuelles Gegenüber nicht gleich seinen Zeigefinger in mich bohrt um mir mitzuteilen, dass Bratensoße aber generell nicht vegan ist und wieso ich überhaupt der Ansicht bin sowas unveganes promoten zu dürfen, denn ich wäre ja auch immer ein Vorbild und in meiner Funktion als Veganer quasi verpflichtet 24/7 ein positives Bild des Veganismus abzugeben, die muss auch ich mir nicht antun. Bei anderen Themen bietet es sich aber durchaus an erstmal eine Runde um den Block zu gehen, bevor man zurückkeift, nicht alles was im ersten Moment nach einem Angriff aussieht ist auch wirklich einer gewesen und manchmal steckt in der Kritik auch ein Fünkchen Wahrheit über die es sich nachzudenken lohnt.

Ich wünsche mir eine gelassenere, diskussionsoffenere und reflektierendere vegane Gemeinschaft, eine die anerkennt, dass man sich nicht mögen muss, nur weil man das Merkmal "vegan" teilt und vor allem auch, dass es durchaus unterschiedliche Ausprägungen veganen, ethischen und nachhaltigen Lebens geben kann.
Ich glaube nicht an Bewegungen, die auf Linie zu bringen sind und die man mit dem "Spalter"-Ruf zur Ordnung und Geschlossenheit zwingen kann und soll, im Gegenteil bin ich davon überzeugt, dass eine vernünftige Diskussionskultur mit vernünftig vorgetragenen Argumenten (aber auch ein bisschen weniger Mimosenhaftigkeit auf manchen Seiten) sehr zielführend sein könnte. Mein Interesse an homogenen "Bewegungen" die auf ein gemeinsames Ziel hinsteuern ist ohnehin nicht besonders groß, im Gegenteil, ich finde die Entwicklung bedenklich, dass man für nahezu jede Meinung, jedes angeschnittene Thema und jede Äußerung mit einem "du schadest der veganen Sache" bedacht wird, aber dazu gleich noch mehr.




2. "Du darfst nichts über Palmöl sagen, denn das hindert Leute daran, dass sie vegan werden, weil du sie mit deinen Forderungen überforderst"

Ich schreibe es hier und jetzt zum allerletzten Mal: Ich habe keinerlei Interesse daran irgendwen vegan zu machen, irgendjemanden zu überzeugen, zu bekehren, die Lobpreisungen des Veganismus zu verbreiten und ebensowenig lege ich Wert darauf, dass das was ich mache nach außen hin so bewertet wird.
Mein Leben ist nicht das eines Missionars und ich definiere mich nicht über die Anzahl der Veganer, die ich zu ebensolchen gemacht habe. Neben dem was ich hier auf dem Blog von mir und über mich schreibe gibt es eben noch eine ganz andere Person, hier bin ich "Cara", die Veganerin, offline mache ich aber um einiges mehr und Veganismus ist lediglich ein Bruchteil meines Interessens- und Betätigungsspektrums.
Das vorneweg gesagt, möchte ich aber hinzufügen: Im Gegenteil zu denjenigen, die vielleicht seit ein paar Wochen oder Monaten vegan leben, haben Menschen die so lange dabei sind wie ich einen anderen Blick auf die Welt, den Veganismus und auch seine Machbarkeit. Wenn ich vegane Facebookgruppen und den Jubel einer Reihe von Mitgliedern sehe, wenn sie feststellen, dass Lebensmittel, die ich seit Jahren konsumiere vegan sind, dann merke ich, dass man da einfach nicht auf dem gleichen Stand ist. Wer so lange vegan lebt wie ich, der hat einfach einen anderen Blick auf die Produktpalette, ein größeres Wissen über Bezugsquellen und Inhaltsstoffe und kann im Zweifelsfall das Angebot jedes Bioladens/Reformhauses der umliegenden Städte auswendig runterbeten. Für mich ist es kein Wunder mehr, dass Pfannkuchen klappen und dass man Donuts auch vegan hinkriegt, ich weiß wo ich veganes Nougat herbekomme und ich habe (im Gegensatz zu manchen, die reflexartig "endlich wieder Käse" schreien) wohl tatsächlich alle veganen Käsesorten probiert, sogar die, die schon seit Jahren nicht mehr hergestellt werden (aus gutem Grund).
Mein Blog und die Informationen hier richten sich deswegen vielleicht auch gar nicht so sehr an den Jungveganer, der noch über die Tatsache ausflippt, dass es überhaupt vegane Schokolade im Supermarkt zu kaufen gibt, sondern mehr an diejenigen, die vielleicht schon im veganen Leben angekommen sind und jetzt einen Schritt weiter machen wollen. Es mag sein, dass man sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt, es mag sein, dass manche an der Machbarkeit eines ethischen Lebensstils (und ich nenne das ganz bewusst so und eben nicht vegan, weil vegan nur ein Bruchteil davon ist und der Rest eben nicht automatisch inkludiert ist) zweifeln, wenn sie merken, dass da eben noch viel mehr dranhängt, aber ich bin unumstößlich davon überzeugt, dass man Menschen mit solchen Informationen nicht nur überfordert, sondern eben auch fordert. Ich glaube nicht an das Recht auf Unwissenheit und die meisten Veganer, die ich kenne geben mir darin Recht, wenn es um die Bedingungen geht in denen unsere "Nutztiere" ihr Leben fristen. Aber wenn es um Mädchen in Burkina Faso kommt, die als Kinder zur Prostitution gezwungen werden, wenn das Thema auf Landraub für Soja und Palmöl wechselt, wenn die Menschheit mal wieder dabei ist die letzten indigenen Völker auszurotten, weil die eben keine Besitzurkunden für ihr Stück Wald haben und es beim Leder nur noch um das tote Rind, aber nicht mehr um den verschleppten und versklavten Arbeiter in Südamerika gehen darf, dann stimmt doch was nicht.
Bei diesem Thema spielen viele die berühmten drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Man könnte ja die Neuveganer verschrecken.
Mich erinnert diese Haltung fataler Weise an das, was man als Veganer von seinen Freunden kennt, die essen auch alle nur ganz selten mal Biofleisch und finden das ganz furchtbar schlimm was da so mit den Tieren passiert aber verzichten? Ohne Käse, Wurst und die Torte von Oma kann man schließlich nicht leben und außerdem sind die ganzen Veganer sowieso viel zu extrem und man ist ja, das haben wir von der Extremismustheorie gelernt, gegen diese ganzen Extremen, weil alles Extreme schlecht ist.
Vielleicht kann man auch als etwas überforderter Neuveganer überlegen ob die maximal 1,50€ Unterschied für fairtrade Schokolade in der Woche wirklich so ein riesiges Loch in den Geldbeutel reißen, dass man das ganz empört von sich weisen muss? Und vielleicht sollte man auch mal, bevor man kategorisch alles ablehnt, ein wenig Aufwand in Recherche stecken, bevor man Dinge behauptet wie "es gibt keine veganen Schuhe und wenn dann nur viel zu teuer", "fairtrade Kleidung gibt es ja nirgendwo und die ist mir viel zu teuer, ich kann mir das nicht leisten"  oder "palmölfreie Kosmetik, das ist alles unglaublich teuer und das gibts ja auch nur von Luxusmarken". Interessant auch der Standpunkt den ich neulich laß, dass man ja nicht damit leben könne, dass man, wenn man denn gebrauchte Kleidung kaufen würde eventuell jemand Bedürftigen die Chance darauf nehmen würde: Ich weiß nicht, ob jemand von euch mal Kleiderkreisel genauer inspiziert hat oder sich zB auch schonmal in einen Sozial-/Gebrauchtwarenmarkt verirrt hat? Die Mengen, die unser Wirtschaftssystem an gebrauchten Dingen und vor allem Kleidung abwirft sind erdrückend, Gebrauchtwarenmärkte auf Spendenbasis geben einen Großteil der eingehenden Ware direkt weiter, weil sie deutlich mehr bekommen als sie verkaufen können, vieles geht ins Ausland, anderes aber auch zB an Kleiderkammern, zu denen wirklich Bedürftige Zugang haben. Man nimmt da niemandem was weg, man nimmt niemandem die Chance auf eine saubere und modische Jeans, nur weil man sich selbst mal eine gebrauchte kauft.

Vielleicht hilft in diesem Punkt auch mal der Selbstcheck, den Vegetarier gerne Vorschlagen: Analog zu "Solang ich kein Tier töten kann, darf ich es auch nicht essen, da ich ansonsten eine Art Auftragsmörder bin", könnte man sich überlegen, ob man sich selbst in der Rolle des Auftragssklavenhalters sehen möchte.

Wie ist das nun bei Menschen, die das finanziell, logistisch, gesundheitlich oder aus anderen Gründen nicht mach- oder leistbar finden?
Ich bin bei der Frage ehrlich gesagt etwas zwiegespalten: Ich habe nun schon öfter gelesen, dass zB vegan leben auf dem Land nicht machbar sei. Um ehrlich zu sein muss ich darüber ein wenig schmunzeln, denn vegan war, auch auf dem Land, nie so einfach wie heute. Als ich vegan geworden bin, gab es keine fancy Fleischersatzgerichte im Supermarkt nebenan, es gab für mich in greifbarer Nähe keine Sojamilch und die die es gab schmeckte schauderhaft. Es gab keinen Tofu und keinen Asia-Store und mangels regelmäßigem Internetzugang gab es noch nichtmal Veganer, die mir irgendwie mitgeteilt hätten, dass es sogar damals schon im Supermarkt veganen Süßkram gegeben hätte. Für die Menschen um mich rum war vegan ein Fremdwort und genauso fremd war die damit verbundene Grundhaltung, schon Vegetarier galten als nicht mehr so ganz sauber, Veganer standen in etwa auf der gleichen Stufe wie diejenigen, die sich von Lichtnahrung ernähren (wollen). Von der vebu-Ortsgruppe bekam man auf Anfrage recht deutlich mitgeteilt, dass ein Interesse an "so Gspinnerten" generell nicht bestehe und von veganen Schnitzeln für 1,80€ beim Discounter um die Ecke konnte man allerhöchstens träumen, dafür gabs im Reformhaus im Kühlregal versteckt Grünkern- und Hirsebratlinge für den 3-4fachen Preis.
Um das ganze mal mit Zahlen zu versehen: Ich habe damals von 500€ im Monat gelebt, von denen nach den Fixkosten noch ca 180€ übrig waren, damit habe ich neben meinen Zigaretten (damals habe ich noch geraucht) auch meine Lebensmittel gezahlt, meine Bücher, abends weggehen und meine Kleidung, ich habe zwei Pflegekaninchen versorgt und musste natürlich das übliche wie Kosmetika, Kleidung, Bahnkarten und Co auch noch stemmen. Ich kenne nicht viele Leute, die weniger hatten als ich.
Da waren keine fancy Fleischersatzprodukte drin (die dann so langsam mal nach und nach aufkamen), aber der Besuch im Bioladen war genauso leistbar wie das abendliche Bier, allerdings war eben zB der Griff zu Südfrüchten oder teuren Extras die Ausnahme und meine Ernährung bestand hauptsächlich aus günstigem regionalem Gemüse und dem Klassiker der Studentenküche: Pasta Napoli.
Nicht jeder muss so leben wollen, ich sehe durchaus ein, dass für diejenigen, die vielleicht keine konsumkritische Haltung an den Tag legen und die mit dem Kapitalismus wie er ist so an sich zufrieden sind ein Verzicht auf das wöchentliche Shopping schwierig ist, dass man dann auch gar nichts davon hören möchte, dass es da mal wieder irgendwelche Katastrophen gab, dass man einfach mal nur "genießen und leben und sich gehenlassen" will, aber das wollen Fleischesser eben auch, wenn sie von ihrem Steak schwärmen. Man kann nicht mit dem Finger auf diejenigen zeigen, die ein Schwein quälen lassen und nichts davon wissen wollen, während man selbst afrikanische Baumwollpflücker und asiatische Näherinnen ausbeuten lässt, das geht nicht zusammen und da sollte man so ehrlich sein den Mechanismus dahinter zu erkennen und eben auch als Nichtgläubiger den "Splitter&Balken"-Spruch eines berühmten Religionsstifters ernstnehmen und auf sich selbst beziehen.
Die Frage, die wir uns ernsthaft alle miteinander stellen müssen ist eher die, dass man einen Weg finden muss, auf dem man damit umgehen kann ein Heuchler zu sein. Wir alle nutzen Palmöl, selbst die, die es nicht wollen oder vermeiden, tun es zwangsläufig. Und genauso profitieren wir von der ausgelagerten Sklaverei in den Drittweltländern, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen und auch der veganste Veganer nutzt Tierprodukte, spätestens wenn er mit der Bahn fährt in Form von technischem Fett aus Schweineschwarten. Das ist so und das wird sich so schnell auch sicher nicht ändern. Aber ich denke, dass es mich eben nicht davon entbindet es erst recht zu versuchen, mich weiter zu informieren und es rechtfertigt nicht, dass ich mich darauf berufe, dass ich eben in einem ethischen Dilemma zwischen haben wollen und nicht schuld sein wollen feststecke und deswegen gleich aufgeben kann.
Dass hierbei jeder seine eigene Machbarkeitsgrenze ausloten muss, muss man so hinnehmen, selbst wenn man sich ab und an denkt, dass manche vielleicht absichtsvoll Ausreden anführen, die ihnen einen bequemeren Weg ermöglichen. Selbst wenn ich die Ausreden mir gegenüber nicht gelten lassen würde, wenn ich noch so sehr den Kopf schüttle, dann gehe ich noch immer davon aus, dass der andere es eben aus diversen Gründen nicht besser hinbekommt. Wir alle haben verschiedene charakterliche Dispositionen, unterschiedliche Lebensumstände und eben auch sehr divergierende Bedürfnisse. Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich hinstellt und deutlich macht, dass das Projekt vegan eines ist, an dem er gescheitert ist oder kontinuierlich scheitert, weil er eben doch sonntags mal zum Kuchen von der Oma greift oder auf ein Produkt nicht verzichten will. Ich finde diese Ehrlichkeit gut und wichtig, vegan ist eben auch nur eine Zustandsbeschreibung und wenn ich auf die Butter auf meinen Kartoffeln nicht verzichten will, dann bin ichs eben nicht. Schlussendlich muss ich vor mir selbst Rechenschaft ablegen und wenn dann auch noch mehrere Problemfelder kollidieren, dann wird die Prioritätensetzung bei jedem anders ausfallen. Vielleicht lebt der eine 99% fair und dafür nur 95% vegan, während ein anderer es andersrum macht, ich denke die meisten tun das, was ihnen in ihrem Rahmen möglich ist und das ist besser als gar nichts und ein realistischeres Ziel als 100% anzupeilen. Wir springen bei unseren Kaufentscheidungen von einem ethischen Dilemma zum nächsten, manchmal muss man sich dann eben auch entscheiden und nicht immer gibt es überhaupt eine "richtige" Alternative.


3. Fairtrade bringt doch nichts, das ist alles nur ein Verteilungsproblem und ich allein bewirke ja sowieso nichts

Die Floskel vom Verteilungsproblem lese ich in letzter Zeit auch wieder häufiger und möchte dazu nun auch mal ein paar ganz kurze Anmerkungen machen, so einfach ist es nämlich dann wiederum doch nicht.Ich packe diese drei Punkte mal in einen Unterpunkt, weil sie recht untrennbar zusammengehören.
Was die Palmöl- und Sojadiskussion angeht, so wird hierbei unter den Tisch fallen gelassen, dass es neben der Problematik des Artenschutzes und dem nicht zu übersehenden Schaden für die Umwelt auch eine nicht minder schwerwiegende soziale Komponente gibt, der Urwald der zB in Borneo niedergeholzt wird ist nämlich nicht das unberührte Stückchen Natur, das man sich als Mitteleuropäer vorstellt, sondern durchsetzt von sogenannten Waldgärten, die die Lebensgrundlage für die Einheimischen dort darstellen, diese Nutzungsrechte sind aber nur im seltensten Fall Eigentumsrechte, auch wenn sie seit Generationen vererbt wurden, dazu sind in einem korrupten Land Eigentumsrechte an Teilen des Urwalds ohnehin Makulatur, denn sobald ein Riesenkonzern auftaucht, der verspricht dort Arbeitsplätze zu schaffen, wird ein Beamter bestochen, eine Eigentumsurkunde ausgestellt, der Waldgarten plattgewalzt, mit Ölpalmen bestückt und selbst wenn ein ehemaliger Eigentümer dann doch mal vor Gericht zu seinem Recht kommt, steht er vor den Scherben seiner früheren Existenz.
Stattdessen sind diese Leute nun gezwungen auf den neu entstehenden Ölplantagen zu arbeiten, dass der Lohn blanker Hohn ist und meistens nicht ansatzweise für die Grunsicherung ausreicht, braucht man wohl kaum dazu erwähnen.
Ähnlich verhält es sich in Südamerika wo das Problem mit dem Soja nun ebenfalls immer drängender wird. Eine ausführliche Beschreibung für beide Problemkreise findet sich in Huismanns Schwarzbuch WWF, er erklärt dort detailliert wie durch den Landraub unzählige zuvor selbstversorgende Familien ihre Erwerbsgrundlage verlieren und verarmen und durch welche Umstände der Landraub begünstigt wird.
Etwas älter aber dafür nicht weniger brisant ist das Problemfeld der Landwirtschaft in Afrika, in Trockengebieten werden nach wie vor nicht Lebensmittel für die afrikanische Bevölkerung angebaut, sondern beispielsweise Viehfutter oder Schnittblumen für den Markt der sogenannten ersten Welt. Wer sich das alles so nicht vorstellen kann oder will und generell meint, dass der Zusammenhang zwischen Futtermitteln und Welthunger ein konstruierter ist, der sollte sich dringend die Futtermittelstudie von Brot für die Welt durchlesen, die unter dem Titel "Brot oder Trog" erschienen ist. Auf wenigen Seiten und unter Verweis auf eine große Anzahl ähnlicher Studien werden Zusammenhang und Auswirkungen verdeutlicht und  erschließen sich dann vielleicht besser.
Und hier sind wir eigentlich auch schon an dem Punkt an dem fairer Handel wichtig wird: Während man sich trefflich darüber streiten kann wie viele Veganer es denn nun braucht, bis die 15g Ei im Keks einem männlichen Küken das Leben retten, ist fairer Handel eben nicht "die anonyme Macht des Verbrauchers", die auf einer mehr oder weniger realistischen Einschätzung des Prinzips von Angebot und Nachfrage fußt, sondern bietet Alternativen für bäuerliche Kooperativen, also Kleinbauern und ihre Familien und insbesondere auch die zugehörigen Kinder. Wer sich schonmal die Mühe gemacht hat sich auf den Seiten von Gepa, El Puente und Co umzusehen, der wird merken, dass da konkrete Projekte gefördert werden und dass das Geld eben auch ankommt und nicht, wie häufig gebetsmühlenartig vorgetragen, versandet. Die Überheblichkeit mit der oft behauptet wird "dass das ja eh alles nichts nützt" ist ungerecht denjenigen Gegenüber, die diese Netzwerke aufbauen und aktiv mitgestalten, dort wird seit Jahrzehnten aktive Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, die auch funktioniert und es wäre verfehlt denjenigen, die sich dort engagieren Unwissenheit oder Kurzsichtigkeit zu unterstellen, vor allem aus der Position eines Laptopkriegers, der die Umstände dort im allerbesten Fall aus 3.-5. Hand kennt und der sich seine Meinung aufgrund von zweitklassigen Dokumentationen und Vorurteilen gebildet hat.
Das Verteilungsproblem impliziert nämlich deutlich mehr als nur, dass in den Wohlstandsländern Nahrungsmittel in der Tonne landen, weil sie nicht schön genug sind um unter Supermarktlicht attraktiven Kaufanreiz zu bieten, es sagt auch aus, dass es Unmengen von Menschen gibt, die sie sich schlicht nicht leisten können, weil unser derzeitiges Wirtschaftssystem ihnen keine Möglichkeit gibt teilzuhaben oder sie zu denjenigen gehören, auf deren Schultern nunmal unser Wohlstand fußt. Einfach ein paar übrig gebliebene Dosen nach Afrika zu schicken funktioniert nicht, man muss den Menschen die Möglichkeit geben sich autark versorgen zu können und genau da sind wir wieder am Ausgangspunkt: das was in Afrika durch den Kolonialismus schon ausführlichst betrieben wurde, nämlich die Menschen ihrer Lebensgrundlage zu berauben, passiert momentan im rasenden Tempo durch die Ausweitung von Palmöl- und Sojaplantagen in anderen Teilen der Welt.
Man mag daran zweifeln, ob der Verzicht auf ein Päckchen Margarine nun wirklich den Regenwald rettet und die soziale Situation entschärft, die Stärkung der Menschen und der entsprechenden Projekte vor Ort tut dies aber ohne Zweifel. Die Leute in Asien, Afrika und Südamerika sind nicht dumm oder hilflos und sie müssen nicht von uns mit Nahrungsmittellieferungen, weihnachtlichen Spenden und Almosen errettet werden, die brauchen eine realistische Chance um sich selbst versorgen zu können und sie müssen von uns als gleichwertige Partner gesehen werden. So wie ich mein Gemüse bei dem Biolandbauern meines Vertrauens kaufe und finde, dass er für ordentliche Qualität auch vernünftiges Geld haben soll, so möchte ich auch, dass die Kooperative aus der mein Kakao kommt einen angemessenen Lohn erhält.
Ich habe den Großteil meines Studiums im Niedriglohnsektor gearbeitet, ich kann mich nicht auf der einen Seite über die schlechten Arbeitsbedingungen und die miese Bezahlung beschweren, während ich ignoriere, dass diejenige, die mein T-Shirt genäht hat nur halb so alt ist wie ich, dafür aber doppelt so lange Schichten hat und im Monat soviel verdient wie ich in 3 Stunden.
Ein weiterer Aspekt den ich hier gerne ansprechen möchte ist der Hinweis, dass das ja an unserem Wirtschaftssystem liege und wir deswegen eigentlich keine weitreichenden Handlungsmöglichkeiten hätten. Ich halte dieses Argument, grob gesagt, für ein Argument das aus Faulheit und Eigennutz geboren wurde, denn natürlich stimmt es, dass das System krankt. Selbst dem blindesten ist schon aufgefallen, dass das was wir haben, unser Standard, eben nur deshalb da ist, weil irgendwo (verkürzt und heruntergebrochen) dafür Kinder verhungern, Menschen versklavt und schlechter behandelt werden als unsere mitteleuropäischen Haustiere. Das rechtfertigt aber nicht, weswegen ich mich diesem Diktat unterwerfen muss und ich entmündige mich mit einer solchen Aussage selbst. Hand aufs Herz - ich werde das System nicht ändern und ich fürchte das wird auch nicht in naher Zukunft geschehen. Denjenigen die aktuell unter diesem System zu leiden haben hilft aber kein Ausblick in eine ferne paradiesische Zukunft, auch die haben nur diese eine Existenz die sie so lebenswert wie möglich gestalten können sollen, dieser Möglichkeit berauben wir sie aber.

Nein, Sie als Konsument sollen nicht auf die Anklagebank kommen. Selbst wenn Sie es verdienten, es brächte nichts. Man kann nicht von allen verlangen, dass sie gut sein sollen, immer und jederzeit. Außerdem passt ein schlechtes Gewissen nicht zum Einkaufen. Das verdirbt die Laune. Wenn wir kaufen, wollen wir uns von Sorgen frei fühlen. Wir sind ohnehin eher fürs Verdrängen gemacht, weniger fürs Problematisieren. Also, keine Appelle an das Gewissen des Konsumenten. Sie verhallen meist ungehört.

War kürzlich in einem sehr lesenswerten Artikel in der Zeit zu lesen, aber es ist ja auch viel einfacher sich über diejenigen zu mokieren die auf diese Missstände hinweisen, als einmal vernünftig zu begründen weswegen man eben doch zu dem Schluss kommt, dass man das ganze vertretbar findet und vielleicht zu überlegen ob man nicht doch die ein oder andere taugliche Möglichkeit findet sich der Maschinerie zu entziehen.

Inwieweit nun der konkrete Verzicht etwas bewirkt, das mag trotzdem weiter strittig bleiben, Fakt ist aber er unterstützt zumindest nicht. Kaum jemand hat Probleme damit den konkreten Zusammenhang zwischen Fleisch und Tier herzustellen, bei Milch und Kälbchen, Ei und geschreddertem Hahn wirds dann schon schwieriger aber generell neigt der durchschnittliche Veganer dazu den Zusammenhang noch zu sehen und deswegen einen Widerwillen gegen Frühstücksei und Sahnetorte zu entwickeln. Zugegeben, der Zusammenhang zwischen T-Shirt und Kindersklaven in Burkina-Faso überspringt einige Schritte, ist also noch abstrakter und deswegen vielleicht auch weniger greifbar, das was dort passiert ist schließlich auch nicht unsere Lebenswelt. An Schlachthöfe und Tierfabriken erinnert und immer wieder eine Fahrt über die Autobahn, die Unmengen an Videobeweisen, die aus dem gesamten Aufzuchts- und Verwertungsvorgang zu uns gelangen und nicht zuletzt die Tatsache, dass wir alle wissen, dass es mitten unter uns geschieht. Die Drittweltländer dagegen sind unfassbar weit weg. Niemand kann sich ernsthaft 7-jährige in 50m Tiefe nach Gold schürfende Jungs vorstellen, das ist etwas was sich unserer Vorstellungskraft entzieht, das wird nicht plastisch und mit dem Ring der dir bei der Verlobung aus dem Kästchen entgegenstrahlt scheint das alles nichts zu tun zu haben.
Trotzdem: Weswegen fällt es soviel leichter auf die Hühnerbrühe zu verzichten oder einen Keks wegen des enthaltenen Milchpulvers abzulehnen, als den Rest zu bedenken? Zum einen ist da der Aspekt, dass die meisten Veganer davon überzeugt sein dürften, dass das Töten eines Tieres generelles Unrecht ist, nähen oder Gold schürfen dagegen nicht. Zum anderen spielt natürlich die Tatsache eine Rolle, dass in der Hühnerbrühe immer ein totes Huhn, hinter dem Goldschmuck aber nicht automatisch ein verklavtes Kind stehen. Man hat viele Optionen sich das schönzureden, bis das Gegenteil bewiesen wurde erstmal zu konsumieren und den Gedanken an eventuelle Vorgeschichte nach hinten zu schieben. Trotzdem: So wie der Verzicht auf einen Goldring kein Kind aus einer Mine befreit, so rettet auch ein Päckchen nicht gegessener Kekse kein einziges Huhn, auch meine regelmäßige Teilnahme an Wahlen hat bisher weder eine CSU-Landesregierung noch eine große Koalition auf Bundesebene und, leider, auch nicht Schwarz-Gelb verhindern können. Warum also wählen gehen, warum vegan leben oder palmölfreie Produkte kaufen? Weil die einzelne Entscheidung in der Summe eben doch einen Unterschied macht und spätestens dann, wenn das Votum erkennbar in eine Richtung ausschlägt, stellt sich auch eine Veränderung ein, natürlich geht es auch ums eigene Ego und darum eine Handlungsethik zu verfolgen (wobei ich nach diesem Post nicht unbedingt noch in eine Diskussion über die verschiedenen philosophischen Ansichten zum Thema ethisches Verhalten und Supererogation dranhängen möchte), die eben nicht nur aus Phrasen darüber besteht, dass man sich allerhand Problemen bewusst ist, sondern die auch gezielt versucht den Lebensstil den Erkenntnissen anzupassen. Wir haben schon viel zu viele Maulhelden, die immer wieder gerne auf diverse Problemfelder hinweisen ohne jemals selbst aktiv zu werden, ich für meinen Teil möchte nicht zu denjenigen gehören, die permanent die Schlechtigkeit der Welt beklagen, dann aber doch keinerlei Konsequenzen daraus ziehen. Und mit der Bitte um die Überlegung wie konsequent man seiner eigenen Ethik folgen kann, möchte ich nun auch schließen. Vielen Dank an alle, die sich mein Monumentalwerk angetan haben.

Kommentare:

  1. DANKEdanke für deinen langen ausführlichen Artikel! Absolut: Signed!

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  2. Sehr schöner Text, aber er wäre mit mehr getrennten Satzblöcken besser zu lesen, so liegen doch die Zeilen sehr aneinander.

    Und für manche ist das etwas schwer zu lesen, bzw man stolpert in die falsche Zeile.
    Etwas mehr Struktur würde es leichter zu lesen machen.

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    1. ich schau mal was sich machen lässt, danke für dein Feedback

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  3. Wow. Du kannst echt gut beobachten :)
    Ich habe viel genickt - nicht, weil ich schon so weit bin, wie du (du hast 9 Jahre veganen Vorpsrung), sondern weil ich mich auch wiedererkannt habe.
    Gut, Palmöl esse ich nicht, weil ich wenige industriell gefertigte Lebensmittel kaufe und fast alles selbst mache. Aber Kosmetik? Ich bin jetzt seit gut einem Jahr vegan und merke selbst, dass es jetzt Zeit ist, einen Schritt weiter zu gehen. Ich sehe es zwar wie du, dass grundsätzlich nur die Dinge unvegan sind, die vom Tier stammen. Aber die Ideologie ist dieselbe - ich finde es genauso scheiße, dass Kinder für mich arbeiten müssen. Andererseits, und das sage ich jetzt sehr vorsichtig, weil das viele schnell in den falschen Hals bekommen - vor einigen Jahren sah es bei uns so aus, wie in der dritten Welt heute. Alle mussten für viel zu wenig Geld arbeiten (industrielle Revolution), es herrschte Armut, Krankheit, Platznot. Dann haben wir uns weiterentwickelt, es gab gesetzliche Regelungen, Gewerkschaften usw. Außerdem ist es für den Verbraucher wirklich schwierig, etwas zu ändern via Fairtrade, wenn die betroffenen Länder (Bsp. Textilherstellung Bangladesch, Elfenbeinküste mit Kakao) ihre Gesetzlage nicht ändern. Textilriesen wie H&M, Tchibo usw haben gar keinen Einfluss auf das, was gemacht wird, da, wenn sie von den ansässigen Firmen verlangen, den Angestellten mehr Lohn zu zahlen, die Firmen das einfach nicht machen, weil sie es nicht müssen. Es gibt immer jemanden, der der weniger zahlt. Und (das klingt furchtbar) die Menschen, die dort arbeiten, sind letzten Endes froh, dass sie eine Arbeit haben. Dazu gab es letztens einen sehr objektiven und toll recherchierten Artikel in der Wirtschaftswoche. Evtl finde ich ihn, scanne ihn dir ein und schicke ihn dir, wenn es dich interessiert.
    Fakt ist, es ist wirklich alles nicht so einfach. Aber daraus zu schließen, dass man es gleich ganz lassen kann, ist falsch, und daher teile ich deine Meinung. Ich hoffe, du verstehst, was ich sagen will.

    Ich habe da jetzt mal eine Frage an dich, das könnte aber echt viel Arbeit bedeuten... hättest du Lust, Produkte aufzulisten (Kosmetik, Lebensmittel, Kleidung), die du für gut und kaufenswürdig (da fair) erachtest?

    Liebe Grüße und danke für diesen Wahnsinnsartikel,
    Lisa

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    1. " Textilriesen wie H&M, Tchibo usw haben gar keinen Einfluss auf das, was gemacht wird, da, wenn sie von den ansässigen Firmen verlangen, den Angestellten mehr Lohn zu zahlen, die Firmen das einfach nicht machen, weil sie es nicht müssen. " ... Das ist doch einfach nicht wahr. Es ist doch beispielsweise auch für American Apparal immer noch rentabel in den USA zu produzieren. Teurer als H&M sind die auch nicht. Nicht, dass AA eine tolle Firma ist, aber Textilproduktion kann fair sein, und den Firmen zu sagen sie hätten da eh keine Möglichkeit was dran zu ändern... klar, so wie coca cola keine möglichkeit hat ihre cola von Firmen (die wiederum coca cola gehören...) zu bekommen, die keine Menschen erschießen weil sie Gewerkschaften gründen.

      "Und (das klingt furchtbar) die Menschen, die dort arbeiten, sind letzten Endes froh, dass sie eine Arbeit haben. " Die Idee bei fair trade ist ja auch nicht den Handel abzubrechen sondern einen besseren Handel aufzubauen.

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    2. Hey Lisa,

      ich kenne die Argumentationsschiene mittlerweile recht gut, etwas flapsig drückt es ein Kommentar unter dem in der Zeit verlinkten Artikel aus "die Wirtschaft kommt damit wohl immer wieder durch".
      Aber ich würde das anders sehen: Firmen wie H&M, Tchibo und Co haben ja keine festen Vertragspartner an die sie über Jahre gebunden sind, sie können sich vor oder bei der Auftragsvergabe also sehr genau ansehen, in welchen Zusammenhängen da produziert wird und sie könnten entsprechend gegensteuern. Wie realistisch es ist einzelne Fabrikbesitzer unter Druck zu setzen ist bestimmt vom Einzelfall abhängig, praktisch gesehen gibt es aber in den entsprechenden Ländern ja bereits Strukturen die Alternativen bieten. Natürlich ist eine Fabrik nicht zwangsläufig auf die Aufträge von H&M angewiesen und selbst wenn ein solcher Branchenriese aussteigen würde, würde das System nicht zusammenfallen. Aber es würde ermöglichen systeminhärente Veränderungen zu verwirklichen, denn mit der Vergabe von Aufträgen an "sauber" produzierende Firmen, würde auch die Menge der Arbeitsplätze in diesem Bereich steigen, etc.pp. Die Frage ist also weniger, ob ich den einzelnen Fabrikbesitzer umstimmen kann, sondern ob ich bei der Auftragsvergabe nicht vernünftige Firmen auswähle und dazu gehört neben der Arbeitssicherheit auch, dass sich jemand der 14h am Tag arbeitet eine ordentliche Unterkunft und eine vernünftige Ernährung und medizinische Versorgung leisten kann. Und vielleicht nicht zuletzt auch, dass er nicht 14h am Tag arbeitet.
      Es ist ja nicht so als dass es diese Alternativen nicht bereits gäbe, einige der fair trade Firmen produzieren ja genau aus dem Grund in diesen Ländern, weil sie eben nicht dazu beitragen möchten, dass der "Raubtierkapitalismus" sich irgendwann ein Land mit noch mehr Korruption und noch weniger Arbeiterrechten sucht und diejenigen, die jetzt mehr schlecht als recht von der Textilindustrie leben mit deren Abwanderung endgültig ihre Lebensgrundlage verlieren. Warum also nicht zumindest einen Teil der Aufträge in solche Hände vergeben und den Rest zB im eigenen Land fertigen lassen (in Deutschland dürfte das bekannteste Beispiel für innerdeutsche Produktion die Marke trigema sein) oder zumindest in Schwellenländern mit vernünftigen Arbeitnehmerrechten, die sind, was Lohnkosten angeht, noch immer unfassbar günstig und wenn man zB trigema oder AA (weil Lea das ja bereits angeführt hat) preislich vergleicht, scheinen die Lohnkosten keinen allzu großen Bestandteil bei der Preisgestaltung zu haben.
      Mit solchen Änderungen ist man dann natürlich noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angekommen und man hat damit auch noch kein Utopia geschaffen, aber man ermöglicht einer größeren Anzahl von Menschen zumindest ein menschenwürdiges Leben zu führen, jetzt und aktuell und unabhängig von politischen Prozessen, die sie vermutlich nicht mehr ereben würden. Vor allem Firmen wie H&M, die sich gerne mit einem grünen Image schmücken möchten, sollten doch angehalten sein zu überlegen, ob die 13 Cent Lohnkosten an einem T-Shirt nicht ausbaufähig wären....

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    3. Naja, American Apparell war oft genug in der Kritik, weil sie ihre Ware zwar in den USA, aber dafür von billigen Mexikanern nähen lassen. Nur bedingt besser, würde ich sagen.
      Prinzipiell habt ihr schon recht - aber trotzdem bin ich nach wie vor der Meinung, dass ein großer Teil der Verantwortung bei den Regierungen besagter Länder liegt. Solange die nichts ändern, kann die Wirtschaft dort machen, was sie will.
      Klar liegen diese Textilriesen wie H&M letztendlich in der Verantwortung. Aber der Verbraucher will es nun mal so. Die Kunden sind gewöhnt, dass die Kleidung so wenig kostet und solange kein wirklicher Verbraucheraufschrei durch die Medien geht, wird sich daran nix ändern. Ich hab meine Konsequenz daraus gezogen und kaufe dort nicht mehr ein, aber wie viele machen das?

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    4. aber das Spiel haben wir ja schon seit Jahren, dann zieht die Textilindustrie eben weiter in irgendein Land in dem der Arbeiterschutz noch nicht relevant ist; gesetze helfen in solchen Ländern auch nur bedingt, zumindest solang die strukturen von Korruption durchsetzt sind, sobald man dann eben anfängt das zu bekämpfen ziehen die Textilriesen weiter, da denen dort sowieso keine Fabrik gehört sondern nur Aufträge vergeben werden ist das ja auch unfassbar simpel, immerhin muss da kein Standort verlegt werden, was ja auch wieder Kosten verursachen würde.... Insofern ist der Ruf nach der Stärkung der Arbeiterrechte zwar richtig und wichtig, solang damit aber zwangsläufig der Arbeitsplatzverlust zusammenhängt, bietet das eben keine ernstzunehmende Alternative.
      Und deswegen finde ich fairen Handel umso wichtiger: es geht nicht um kurzfristige Auftragsagen, die sich täglich ändern können sondern um langfristige Perspektiven, unabhängig davon, ob sich irgendwo ein anderer noch billiger produzierender Standort auftut.
      Und genau wegen dieser Entwicklung finde ich den Verbraucheraufschrei umso wichtiger: Erst wenn sich die Firmen dem Druck ausgesetzt sehen ordentlich zahlen zu müssen, haben sie keinen Grund mehr sich noch günstigere Standorte mit noch weniger Lohnnebenkosten zu suchen, weil sie dann eben an diesem sozialen Standart gemessen werden dürften.
      Ich würde ja sogar soweit gehen und die Frage stellen inwieweit es rechtmäßig sein kann, dass der Markt hier zum großen Teil aus Waren besteht, die mit den Menschenrechten und dem dt. Grundgesetz nicht in Einklang zu bringen sind....

      Was ich mache:
      Ich kaufe eine Mischung aus second hand und fair, wobei bei mir der second hand Anteil deutlich überwiegt.

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    5. Ich finds klasse, dass man mit dir darüber schön sachlich diskutieren kann!
      Danke auch für deine Antwort bezüglich was du kaufst.

      Aber fairer Handel ist ja auch nicht Sache der Regierung, oder? D.h. solange es keine gesetzliche Regelung in einem 3. Welt Land gibt, es aber fairen Handel dort gibt, kann ein Textilriese diese Fairtrade Organisation trotzdem umgehen, oder?
      Es ist einfach traurig zu sehen, wie viele Faktoren da rein spielen und dass manchen Menschen Korruption und ihr eigener Profit so viel wichtiger sind.

      Und ja, guter Punkt mit der Würde des Menschen und der Konsumwelt... eigentlich ist das ein Paradoxon, das nicht zusammenpasst. Andererseits wäre es ja wiederum die Aufgabe der Regierungen der anderen Länder, sich um das Volk zu kümmern. Immerhin sind wir in der EU da schon weit gekommen.

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    6. ja, natürlich ist fairer Handel auch Sache der Regierung, aber wenn wir mal vom bestmöglichen Fall ausgehen, also einer Regierung die selbst nicht in die ganzen Machenschaften vrstrickt ist (und das ist vermutlich schon schwer genug zu finden, das haben wir ja noch nichtmal hier hinbekommen....), steht sie noch immer vor der schwierigen Frage wie man mit der Situation umgehen soll...
      das Problem ist, dass solche Länder und ihre Regierungen ja kaum Alternativen zur Verfügung haben, verabschiedest du Arbeitnehmerschutzgesetze oder Lohnuntergrenzen, dann verlieren die Leute halt ihre Arbeit was die Situation noch schimmer macht als sie ohnehin schon ist, du kannst die Firmen ja nicht zwingen weiter in deinem Land zu produzieren, insofern ist das schon richtig, dass die an sich irgendwie froh sind, dass sie die Option überhaupt haben und Angst haben das zu verlieren. Denn diese Armee an Billiglöhnern die sich im Umfeld der Textilindustrie angesiedelt hat darf nicht arbeitslos werden, das Land hat ja auch nicht die Option das mit Sozialleistungen aufzufangen, die müssen dann eben sehen wo sie bleiben und das ist meist noch schlechter als das was sie jetzt haben. Insofern weiß ich nicht, wie man als Politiker in einem entsprechenden Land agieren sollte. Ich kenne einige Projekte aus Indien, die aus dr Bevölkerung heraus entstanden sind und so Alternativen in den ärmeren Regionen geschaffen haben, aber das reformiert natürlich nicht von jetzt auf gleich die Wirtschaft und erst recht können da nicht alle sofort am "Wohlstand" teilhaben, so dass das taugliche Auffangalternativen wären.

      Das Problem ist doch, dass "die EU" das Problem kennt, dass sich unser Wohlstand darauf gründet - wir wissen, dass wir Nahrungsmittel aus Ländern importieren, in denen Lebensmittelknappheit herrscht und wir wissen, dass unsere Batterien ohne die notwendig Schutzkleidung hergestellt werden, wir wissen noch soviel mehr und gerade weil wir in der Position sind, in der wir es uns leisten könnten zu sagen, dass uns ein Lohnanteil von 50 statt 13 Cent an einem T-Shirt nicht umbringt, müssten wir die Wirtschaft davon abhalten das zu tun. Es sind nicht nur die Politiker der entsprechenden Länder schuld, sondern auch wir, die wir diese Art Wirtschaft erst erfunden und dann auf den Rest der Welt losgelassen haben. Wir sind in Europa ja auch nur soweit weil wir das, was hier früher mit den Arbeitern passiert ist nun in andere Länder ausgelagert haben, insofern können wir uns hier immer mit Menschen- und Arbeiterrechten rühmen, der Wohlstad wird aber noch genauso fabriziert wie damals, nur dass wir das unschöne aus dem Sichtfeld verbannt haben.
      Ich finde als Profiteure und eben auch als diejenigen die die Entwicklung angestoßen haben dürfen wir uns nicht aus der Verantwortung stehlen.

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  4. Erst mal: puh, langer aber toller Text. Ich liebe diese ausführlichen Blogposts von dir.

    "Ich habe manchmal allerdings durchaus auch den Eindruck, dass eine solche Diskussion auch deswegen schwierig ist, da sich sehr viele, vor allem Neuveganer, sehr über ihren Veganismus definieren, der ihnen durch eine solche Umdeutung des Begriffes wieder "weggenommen" zu werden scheint." Das trifft den Nagel auf dem Kopf.

    "Mein Leben ist nicht das eines Missionars und ich definiere mich nicht über die Anzahl der Veganer, die ich zu ebensolchen gemacht habe. "
    Das finde ich so wichtig klar zu machen. Wenn ich manchmal darauf hinweise, dass manche angeblichen Gesundheitsvorteile der veganen Ernährung noch nicht richtig belegt sind, werde ich angeblafft weil ja dann ein Argument weniger für den Veganismus da ist. Weil ich denke, dass man/einige Menschen auch recht gesund leben kann wenn sie Tierprodukte essen. Die Logik und Unvoreigenommenheit geht oft flöten wenn man sich das Missionieren um jeden Preis als Ziel nimmt (siehe Peta beispielsweise).

    "Aber wenn es um Mädchen in Burkina Faso kommt, die als Kinder zur Prostitution gezwungen werden, wenn das Thema auf Landraub für Soja und Palmöl wechselt, wenn die Menschheit mal wieder dabei ist die letzten indigenen Völker auszurotten, weil die eben keine Besitzurkunden für ihr Stück Wald haben und es beim Leder nur noch um das tote Rind, aber nicht mehr um den verschleppten und versklavten Arbeiter in Südamerika gehen darf, dann stimmt doch was nicht."
    Das ist sehr richtig. Ich bemerkte bei mir, dass ich, wenn es um fairtrade usw geht immer noch denke "verdammt, ich habe 100 euro für mein essen im monat, schaffe ich das wirklich wenn ich nur regional, fair und bio esse?" Dabei habe ich das, um ehrlich zu sein, noch gar nicht wirklich versucht... Ich weiß ehrlich gesagt nicht wie viel, dass eine Ausrede ist. Dazu kommt noch, dass ich wegen der Möglichkeit des Rückfalls der Essstörung etwas vorsichtig bin wenn ich mir Dinge verbieten will. Ich habe kein gutes Gewissen bei meinem Handeln, aber ich versuche die Produkte mir langsam zu "entziehen". Ich denke, dass für mich, gerade mit meiner psychischen Krankheitsgeschichte, eine langsame Umstellung der einzige sinnvolle Weg ist. Alles andere kommt mir als Diät vor. Quasi eine Bio/Regional/fairtrade diät.

    "Und genauso profitieren wir von der ausgelagerten Sklaverei in den Drittweltländern, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen und auch der veganste Veganer nutzt Tierprodukte, spätestens wenn er mit der Bahn fährt in Form von technischem Fett aus Schweineschwarten. Das ist so und das wird sich so schnell auch sicher nicht ändern. Aber ich denke, dass es mich eben nicht davon entbindet es erst recht zu versuchen, mich weiter zu informieren und es rechtfertigt nicht, dass ich mich darauf berufe, dass ich eben in einem ethischen Dilemma zwischen haben wollen und nicht schuld sein wollen feststecke und deswegen gleich aufgeben kann."
    Ich glaube hier ist ganz klar ein schwarz/weiß Denkproblem. Dass alles nur "ganz oder gar nicht" Sinn macht. Das kommt eigentlich in fast jeder Diskussion durch.

    " ich kann mich nicht auf der einen Seite über die schlechten Arbeitsbedingungen und die miese Bezahlung beschweren, während ich ignoriere, dass diejenige, die mein T-Shirt genäht hat nur halb so alt ist wie ich, dafür aber doppelt so lange Schichten hat und im Monat soviel verdient wie ich in 3 Stunden."
    Ich bemerke bei mir, dass ich meine Kritik oft runterschlucke weil ich nicht der Spielverderber sein will. Wenn ich auf einem veganen Blog über Großeinkäufe bei Zara, Zalando, Primark, H&M und co lese, dann zuckt es in meinen Fingern, aber ich traue mich meist nichts zu sagen. Ich werde ja schon immer für verrückt gehalten weil ich Amazon boykottiere. Und die Grenze zwischen kritischem Kommentar und dem oben von dir genannten "superveganer", die ist, so finde ich, ziemlich auslegungssache.

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    1. "Ich glaube hier ist ganz klar ein schwarz/weiß Denkproblem. Dass alles nur "ganz oder gar nicht" Sinn macht. Das kommt eigentlich in fast jeder Diskussion durch."

      Man sollte die Ambition des veganen Lebens mathematischer betrachten: die Null kann man locker erreichen, führt aber oft zu Problemen. Unendlich ist da viel interessanter, doch erreichen kann man es nicht, man strebt eben nur dagegen...und das ist es.
      Nichts tun ist scheiße, man muss alles versuchen, um nah genug ans Ziel, die Unendlichkeit respektive an Vollkommenheit zu gelangen.

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    2. Ins Unendliche streben finde ich ja gut. Nur muss man sich dabei bewusst sein, dass es ein Streben ist und man nie den "perfekten Punkt" erreicht hat. Und sich damit arrangieren.

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    3. so, jetzt komm ich endich mal dazu auf deinen Kommentar zu antworten, sorry, ich häng hier ein wenig hinterher....
      Ich würd auch gern mehr lange Posts schreiben, aber bis ich mal in Stimmung dafür bin dauerts dann wieder eine Weile, ich schreib das ja gern am Stück runter und bis da mal alle Faktoren zusammenkommen.....

      Mit der Auslegungssache hast du definitiv recht, das kennt man ja auch so zur Genüge, schließlich fühlen sich manche ja bereits von "ich lebe vegan" angegriffen, weswegen sollte das also nicht auch bei "ich kaufe nur fairen Kaffee" so sein? Der Mechanismus ist ja der gleiche...

      Das was du beschreibst ist genau das was ich meine, wenn ich sage, dass es eine subjektive und eine objektive Komponente an der ganzen Geschichte gibt und das soll nicht abwertend gegenüber den subjektiven Kriterien sein, die können in einigen Fällen durchaus schwerer wiegn als objektive Hindernisse.
      Ich finde man sollte sich eben Gedanken darum machen, ob man diese Gründe nicht nur als Ausreden und Ausflüchte benutzt, das ist etwas, was ich zB an mir selbst sehr häufig beobachten muss und es ist vielleicht auch nicht immer leicht ehrlich zu sein und erst recht nicht sich seine eigenen Schwächen einzugestehen, aber immerhin ist das schonmal ein Anfang.

      Ich denke oft, dass viele die 100% fordern schlicht nicht genug wissen. Je länger man das alles macht, je weitr man sich informiert und je intensiver man sich mit allem auseinandersetzt, desto mehr muss man einsehen, dass 100% bestenfalls in streng umrissenen Bereichen möglich sind. Trotzdem kann man immer weiter an sich arbeiten, es wird ja im Laufe der Jahre auch immer einfacher :)

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  5. Als Superveganer-Spielverderber freu ich mich natürlich über die doch eher postiv dargestellten Aspekte dieser Charaktereigenschaft :D
    Stimme weitgehend mit dir überein, relativiere jedoch diese Unterscheidung in der "Was ist vegan?"-Diskussion. Für mich war ganz automatisch immer Antispeziesismus Grundpfeiler des Veganismus'; das können andere natürlich abstrahieren um somit noch einen zusätzlichen Kick zu bekommen, weil sie ja als "Herrenspezies" so gut zu allen anderen sind - nach meinem Verständnis vom Leben ist aber ein Mensch eben auch ein Tier (was ja schon rein biologisch zu begründen und beweisen ist), damit sind jegliche sozialen Komponenten Teil der veganen Lebensweise. Ab hier greift eben deine Argumentation der Selbstdarstellung und -verwirklichung der "neuen Generation".

    Du bist die zweite Person, die mir diese Woche sagt, dass ich nicht ohne Palmöl zu konsumieren leben könne...?
    Tierfett bei der Bahn, okay, solche Dinge zähle ich nicht mit, da sie derzeit unvermeidbar sind, aber ich persönlich kaufe doch kein Palmöl? Hab ich was verpasst? (Natürlich ist dieser Einwand ohnehin überflüssig, wenn man bedenkt, dass er als Rechtfertigung dient, wieso man sich Schokoaufstrich o.ä. reinzieht..)

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    1. Naja, Palmöl ist ja nicht nur in Nahrungsmitteln und Kosmetika sondern findet auch Verwendung als technisches Fett und Treibstoff, so sind seit E10 dem Benzin bestimmte Mengen pflanzlichen Ursprungs beigemengt, die unter anderem auch aus Palmöl gewonnen werden, so wie zB auch Plastiktüten aus Schwein hergestellt werden, wird da dann eben auch mal Palmfett verwendet und bei vielen Dingen sieht der Verbraucher ohne chemischen Background ja auch gar nicht woher das jetzt genau ist, so zB bei Klebstoffen, Schmiermitteln, Reinigungsmitteln, Farben, etc.pp. Da spielen eben manchmal auch Palmölderivate eine Rolle, wobei ich mich nicht wirklich anmaße, dass ich das Problemfeld auch nur ansatzweise umrissen hätte.

      Selbst Lush musste ja vor einiger Zeit zurückrudern und verkünden, dass einige ihrer synthetischen Stoff wohl aus pflanzlichen Ölen&Fetten hergestellt werden, die nicht näher deklariert sind, da ist dann ja wieder der Verdacht recht begründet, dass da auch Ölpalme verwendet wird.
      Ich hatte das Problemfeld ja auch schonmal angesprochen, als es um Kerzen ging, die sind meistens entweder aus Erdöl, Tier oder Ölpalme oder einer illustren Mischung dieser und anderer Stoffe, aber selbst diese Ausgangsstoffe sind nur in den seltensten Fällen näher bezeichnet, die bisher klarste Deklarierung (außerhalb von speziellen Internetangeboten) war eine Kerze die definitiv als pflanzlich gelabet war, das wars dann aber auch wieder.
      Klar kann ich auf Kerzen verzichten und ich nehme zum einkaufen auch wiederverwendbare Einkaufstaschen, aber um ehrlich zu sein weiß ich nicht, ob die Farbe mit der meine Lebensmittelpackung bedruckt ist nun auf Erdöl basiert (wie man das ja neulich erst von Adventskalendern las) oder vielleicht doch auf Palmöl oder irgendwas anderem. Und da hört das ja nicht auf, wir umgeben und tagtäglich mit einer Menge Stoffe bei denen wir nicht so genau wissen wo die nun eigentlich herkommen, sei es ein aufgeklebtes Etikett, ein Tetra-Pak oder auch eine Zeitung, das alles kann man in kleinste Bestandteile zerlegen und wird dabei über eine Menge Begrifflichkeiten, Herstellungsverfahren und Eventualitäten stolpern, die man als einzelner so gar nicht überblicken kann.
      Das Problem ist einfach, dass bei Lebensmitteln und Kosmetik relativ gut gelabelt ist, beim Rest habe ich meist schlicht und ergreifend keine Ahnung. Ich weiß, dass Blockkraftwerke (die ja angeblich grünen und dezentralen Strom machen....) oft mit Palmöl betrieben werden (vor allem in Mitteleuropa) und bin bei meinen Recherchen über ein paar andere Punkte gestolpert, die mich zumindest vermuten lassen, dass kompletter Palmölverzicht (wie auch komplett vegan zu leben) eigentlich nur im Bezug auf Nahrung und eventuell Kosmetika möglich ist.
      Meine paar Jahre Chemie, die ich irgendwann mal in der Schule hatte, reichen nur leider definitiv nicht, um die ganze Tragweite zu überreißen, da mir die Bedeutung von Fetten in der Industrie auch gar nicht geläufig genug ist. Ich habe nur, je länger ich mich damit befasse, den Eindruck dass Palmöl schlicht überall ist, so wie sich auch totes Schwein in den abstrusesten Dingen wie Porzellan oder eben Plastiktüten verstecken kann....

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  6. Und genau deswegen liebe ich deinen Blog. Ich als Neuveganer konnte bei dir schon so viel lernen. Leute wie ich können von deiner Erfahrung nur profitieren. Danke dafür und für diesen Post!

    Liebe Grüße

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  7. Hallo Cara,

    ein sehr interessanter Post..

    Eine Frage vorab an Lea: Warum boykottierst du amazon?

    Ich stehe am Anfang meiner veganen Lebensentscheidung, habe aber was die Kleiderfrage angeht, das "Glück", dass mein Schrank so voll ist, dass die nächsten 30 Jahre nichts neues mehr kommen muss - und ich eine sehr liebe Freundin mit einer ähnlichen Figur habe, mit der ich Kleider tausche: sie hat mir schon ein paar Hosen und Shirts geschenkt, sie bekommt dafür die Wollsachen, die ich nicht mehr tragen, aber auch nicht wegwerfen will.
    H&M, etc. zu umgehen, ist gerade für Studenten (wie mich) oder prinzipiell Klein(st)verdiender schwer, aber nicht unmöglich - man sollte eben den Anspruch ändern und nicht 10 neue Shirts kaufen, wenn man für das gleiche Geld 2 aus fairem Handel bekommt.

    Allerdings habe ich bislang auch noch keine neuen Sachen kaufen "müssen". Daher würde ich mich wie Lisa sehr freuen, wenn du uns den ein oder anderen Tip geben kannst, welche Kleidung man "bedenkenlos" kaufen kann.

    Es geht allerdings noch weiter...
    Ich habe 2 Kater. Beide kommen aus einer spanischen Tötungsstation und bringen seit 3,5 Jahren viel Freude in mein Leben. Nur wie soll ich die zwei Jungs künftig ernähren?
    Wie der Zufall es will, habe ich vor kurzem 150 Dosen Katzenfutter geschenkt bekommen (sie hatten Dellen und wären sonst vernichtet worden), die nächsten zwei Monate muss ich also kein Futter kaufen.
    Ich mache mir viele Gedanken. Alsan habe ich zum Beispiel noch nicht gekauft und backe momentan mit Sojola - darin ist kein Palmfett enthalten, allerdings Kokosöl. Ist das jetzt besser, schlechter, genauso schlimm/gut?
    Das Problem ist glaube ich, dass man gerade zu Anfang eine große Motivation an den Tag legt, "alles richtig" zu machen. Zumindest geht es mir so - ich bin eine kleine Miss 100% und kann Inkonsequenz und halbe Sachen nicht leiden. Diesen Anspruch habe ich eben auch an mich selbst.

    Manchmal wünsche ich mir eine Art veganen Leitfaden, in dem zu jedem "kritischen" Produkt sehr komprimiert die Fakten stehen, die gegen den Konsum sprechen.
    Das würde nicht nur der Übersichtlichkeit zugänglich sein (gerade als Neuveganer sieht man sich einem Wald an Schwierigkeiten gegenüber), sondern auch eine Entscheidung erleichtern: Esse ich weiterhin keine fairtrade-Schokolade und nehme dann aber auch BEWUSST die Nachteile dieses Produktes in Kauf?
    Oder entscheide ich mich eben mit den Informationen im Hintergrund dazu, 1 € mehr auszugeben und dafür ruhigen Gewissens zu genießen?

    Jetzt hast du Gedanken in mir angestoßen - merci dafür.

    Wenn mir noch etwas einfällt, melde ich mich nochmal, ansonsten viele Grüße,

    Frau Schulz (+ Mio + TomTom)

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    1. Ich hab auch immer noch vor mal einen Artikel zu Amazon zu schreiben, bzw wieso ich da nicht einkaufe. Im Endeffekt kurz eine auswahl zusammengefasst: amazon haben in vielen produkten bereits monopolstellung oder steuern darauf zu (und das ist nie gut), Amazon verkaufen teils Produkte die moralisch mehr als zweifelhaft sind und das mehr als der durchschnittliche supermarkt - so gibt bücher und filme die echt nicht okay sind, so wie stopfleber von gänsen und andere spezialitäten. Dann macht amazon natürlich auch den Einzelhandel kaputt, da kann man sich zwar sagen, dass es egal ist, aber ich denke, dass ist es im endeffekt nicht, auch gesamtgesellschaftlich nicht.

      Und dann natürlich noch die mitarbeiter geschichten: http://www1.wdr.de/fernsehen/aks/themen/amazon110.html

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    2. Vielen Dank, Lea. Den Link werde ich mir später mal anschauen...
      Eigentlich klare und nachvollziehbare Argumente (erinnert mich an "Email für dich", in diesem Film wird ja auch der "Laden um die Ecke" durch den Bücherriesen "Foxbooks" [so heißen die, glaube ich] zerstört).
      Wenn es nicht so bequem wäre....
      Aber Foie Gras geht natürlich gar nicht und ich werde mich jetzt mal wieder in den örtlichen Buchhandlungen umsehen - direkt auf dem Campus haben wir glücklicherweise eine, die alles bestellen kann... :)

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    3. Eine Ergänzung noch: Der Verlag 2001 (http://www.zweitausendeins.de/) versendet auch Bücher, DVDs, etc. und ich habe mir schon einiges bestellt, was wirklich großartig war. Sehr zu empfehlen ist bspw. die Doku "Irgendwer: Sind Sie ein Anrufbeantworter? Und ich: Nein, wir sind bloß Menschen" / John und Jane, in der es um die Auswirkungen der Globalisierung in indischen Call-Centern geht.
      So etwas ist doch vertretbar? Also ein Verlag, der selbst verschickt? (Die Sachen kriegt man sonst auch eher schwerlich)

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    4. Ich persönlich finde es einfach auch immer ganz schön zu stöbern. Und man kann ja trotzdem bei amazon nachsehen wenn es einen um die vielen reviews geht. In "unserer" Buchhandlung gibt es ganz viele Leute die bei amazon nachsehen und dann am gleichen Tag bei uns bestellen. Dauert ja dann auch nicht länger. Ich mache das ja persönlich auch.

      2001 mag man als Buchhändler nicht weil die ja eben NUR über sich selbst verkaufen aber das sagt ja nichts darüber aus wie vertretbar der Laden ist. Und ein gutes Geschäftsmodel für sie ist es. Ich hab glaube ich auch schon mal in einem Laden von denen bestellt, weil sie eben interessante Bücher aufkaufen und herausgeben. Die Doku klingt auf jeden Fall so als sollte ich sie mir ansehen.

      Ich muss gestehen, als ich in anderen Ländern gelebt habe habe ich sogar fast nur in solchen Läden gekauft. Also sowas ähnliches wie 2001, die interessante aber günstigere Bücher anbieten. Das und Antiquariate. Nur halt bei neuen "normalen" Büchern finde ich es auch persönlich viel netter in einen normalen Laden zu gehen, kostet ja eh genauso viel.

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  8. Ich habe dich mal unter meinen Beitrag verlinkt. Ich hoffe das ist okay?!

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    1. Und nun zum Posting :-)

      1. WOW, ich dachte mein Text sei lang ^^

      2. Zum Thema:

      "Was ich damit sagen will: Es handelt sich nicht um ein vegan-typisches Phänomen, sondern um eines des Internets und der dort stattfindenden Kommunikation."

      Findest Du? Ich beobachte das total anders. Klar gibt es innerhalb diverser Szenen verschiedene Auslegungen und diese Art "Wettbewerb" von Einigen. Aber ich finde, dass das Ganze in der veganen Community in den letzten zwei Monaten extrem zugenommen hat. Aber du hast vollkommen Recht, wenn du sagst, dass man sich keinen Gefallen tut sich solche "Diskussionen" durchzulesen. Mach ich auch nicht mehr und siehe da, mir gehts gleich viel besser ;-)

      "Um das ganze mal mit Zahlen zu versehen: Ich habe damals von 500€ im Monat gelebt, von denen nach den Fixkosten noch ca 180€ übrig waren, damit habe ich neben meinen Zigaretten (damals habe ich noch geraucht) auch meine Lebensmittel gezahlt, meine Bücher, abends weggehen und meine Kleidung, ich habe zwei Pflegekaninchen versorgt und musste natürlich das übliche wie Kosmetika, Kleidung, Bahnkarten und Co auch noch stemmen. Ich kenne nicht viele Leute, die weniger hatten als ich."

      1. Wie geht das? Gerade Zigaretten sind doch so verdammt teuer (das bekomme ich sogar als Nichtraucherin mit) Ich brauche echt Tipps, weil sich meine finanzielle Situation bald ändert und ich mit wesentlich weniger Geld auskommen muss als jetzt. Spartipps wären echt gut!

      2. Klar kann man Lebensmittel (Gemüse, Obst, Nudeln etc.) auch sehr billig im Discounter kaufen. Aber genau DAS wird ja oft von den "Superveganern" angeklagt. Ich habe hier Veganer kennengelernt, die generell alle "großen Firmen" meiden und ausschließlich in kleinen Reformhäusern einkaufen. Die gleichen Menschen leben aber auch in ihrer 150 Quadratmeter Wohnung und haben nen Mercedes vor der Haustür stehen. Ohne Mist! Klar kann man damit nicht auf alle schließen, aber das meinte ich damit, wenn ich sage, dass ich es arrogant finde den eigenen Lebensstandard auch bei anderen kritiklos vorauszusetzen. Man könnte natürlich weniger und dafür Bio kaufen oder eben von Reis und Gemüse, respektive Nudeln mit Tomatensauce leben. Aber will man/ich das? Hier machst du eigentlich genau den Schritt, den alle gerne machen, du schließt von deinen Erfahrungen auf die potenzielle Machbarkeit bei anderen ;-)

      Fairtrade Kleidung: Ja, es gibt mittlerweile relativ günstige Fair Trade Kleidung, die man gut kombinieren kann. Passt man aber nicht in das ursprüngliche Idealmaß siehts dann schon anders aus ;-) Hat man zusätzlich noch den Anspruch seinem persönlichem ästhetischen Empfinden zu folgen, nunja, sieht noch mauer aus. Gute Basics hin oder her. Wenns nicht passt, kann ich mir davon auch nichts kaufen :-( Ja ich bin ein Einzelfall, aber genau das ist es ja, was ich mit "nicht von sich auf andere schließen" meine.

      Palmöl: Achte ich mittlerweile drauf und ist nicht sonderlich schwer. Gute palmölfreie Kosmetik gibts auch bei DM und Co. Essen koche ich frisch. Allerdings bin ich da noch nicht wie wild dabei, dass ich z.B. vegane Geschenke ablehne, weil sie selbiges enthalten.

      Fair Trade/Lebensmittel: Finde ich sehr wichtig. Habe ich vor der Vegansache schon drauf geachtet, kann aber verstehen, dass es Menschen gibt, die es nicht einsehen den 1€ auszugeben (bei Kaffee ist es ja mehr z.B.). Woran das liegt, da kann man sich streiten. Vielleicht reicht der Horizont bei manchen nicht so weit bzw. kennen viele die Problematik gar nicht?!

      Veganismus und Nachhaltigkeit: Würde ich nicht in zweckmäßiger Verbindung sehen. Ich kenne einige Menschen, die versuchen so regional, biologisch und nachhaltig wie möglich zu leben, die aber nicht vegan sind. Bei mir war es umgekehrt. Ich wollte mehr Nachhaltigkeit in meinem Leben und bin dann zur fleischlosen Lebensweise etc. gekommen.

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    2. erstmal danke für deinen langen Kommentar, entschuldige, dass ich erst jetzt dazu komme zu antworten, aber ich wollte das auch nicht einfach so zwischen Tür und Angel machen:

      Nur kurz zum Verständnis: Ich schrieb, dass Nachhaltigkeit und fairer Handel Begeitideale des Veganismus wären, daraus wollte ich aber nicht den Umkehrschluss gezogen haben, mir ist durchaus bewusst, dass man auch zB ein anthropozentrischeres Weltbild vertreten kann, in welchem man das Töten von Tieren nicht per se ablehnt.


      Zum "veganen Wettbewerb": nein, ich finde nicht, dass das nur ein Internetkommunikationsprobem ist, sondern eben eine Kombination aus der Problematik, dass im Internet grundsätzlich anders und schärfer argumentiert wird und dem typischen Gruppenverhalten, in welchem sich die "alten und echten" von den "neuen und Pseudos" abgrenzen - um das mal ganz unwissenschaftlich zu betrachten und zu verkürzen. Das Internet verstärkt den Effekt eben, weil es sehr viel leichter ist jemanden "persönlich" abzurteilen solang man lediglich maximal ein Profilbild plus 2-3 geäußerte Meinungen kennt. Dass das ganze unerfreuliche Züge hat ist schon klar, aber das ist eben eigentlich nichts anderes als die Theorien zur Fremd- und Eigengruppe die wir schon bei Adorno haben.
      Ich halt mich schon seit jeher aus sowas raus, ich hab vor ein paar Jahren mal ne zeitlang in einem der Foren mitgeschrieben, mich dann aber verabschiedet weils mir da einfach zu krass war, die Tatsache dass sich das soziologisch und pschologisch erklären lässt machts halt nicht viel besser, ich finds nur unfassbar wie sehr angeblich aufgeklärt und herrschaftskritische Individuen so vollkommen blind die gleichen gruppenbildenen Mechanismen reproduzieren. Von außen ist das auf alle Fälle ganz witzig zu beobachten.

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    3. Wie es geht mit 180€ im Monat auszukommen? Es geht halt wenn man muss. Ich hab in der Woche zwischen 15 und 25€ für Essen ausgegeben, da ist keine Mensa drin und beim Versand hab ich auch nicht bestellt, ich hab mein Gemüse und Obst da gekauft wos am günstigsten war, beim örtlichen Biobauern (entweder am Stand, den es 1x pro Woche gab oder im Hofladen, wenn ich zufällig mal vorbeigkommen bin) und hab da eben das saisonale Zeug gekauft, das ist entsprechend günstig (deutlich günstiger als zB im Bioladen). Ich habe mich von den günstigsten Lebensmitteln (also Kartoffeln, Nudeln, ...) satt gegessen und das teurere als "Extra" und für die kleinere Portion verwendet und eben auch mal was selbst gemacht, was man sost vielleicht teuer kaufen würde.
      Als Stammkunde kriegt man an solchen Ständen und in kleineren Läden auch oft Zeug geschenkt, das dann nicht mehr ganz so "fit" ist, das man also am gleichen Tag noch verkochen sollte, aber das nimmt man in solchen Situationen ja sowieso gern.
      Süßkram und dergleichen waren seltene Ausnahmen und ich hab halt nicht einfach mal drauflos eingekauft, wie ich das zB jetzt oft mache, sondern hatte immer nen ungefähren Plan im Kopf, was ich wann essen wollen würde, damit ich nichts wegschmeißen musste. Im Prinzip muss man den sprichwörtlichen Pfennig einfach ein paar Male mehr umdrehen und aus simplen Grundzutaten einigermaßen abwechslungsreich kochen und vielleicht auch mal ertragen, wenns in einer Woche eben ein paar Mal Nudeln mit Soße gibt.
      Und, wie gesagt, so Kram wie online bestellen oder so Fertigfleischersatzkram war halt einfach nicht drin, online hab ich erst sehr sehr viel später bestellt und mangels verfügbarem Zeug vor Ort auch so gut wie nie Fertigzeug gekauft und wenn doch mal, dann eben nicht die ganze Packung Würstchen gegessen sondern auf 3x aufgeteilt und günstigen Kartoffelstampf oder so dazugemacht, dann ist das finanziell auch durchaus tragbarer.
      Aus Erfahrung kann ich auch sagen, dass man durchaus auch mal mit 10 Euro zwei Wochen lang essen kann, wenns denn sein muss, das ist dann zwar alles andere als abwechslungsreich und gesund ist es vermutlich auch nicht, aber das geht schon mal, wenn man nichts mehr hat.
      Weißt du ich denke es gibt dabei eine objektive und eine subjektive Machbarkeitsseite- objektiv ist das durchaus machbar, subjektiv wirds vermutich schwieriger, wenn man aus bestimmten Gründen eben regelmäßig zB Avocados essen will oder auch mal online bestellen möchte, weil man Abwechlsung "braucht". Das ist mit so einem Budget eben nicht drin, erst recht nicht wenn man bio kauft, da ist das Gros das man isst eben eher "normales" Zeug, das an jedem Baum/in jedem Acker wächst.

      Ich fands übrigens nicht schlimm und ich finde auch nicht, dass sich meine Lebensqualität so massiv gesteigert hat, seit ich mehr Zeug aus meinem Kühlschrank wegwerfen kann, so fürchterlich abwechslungslos ist das ja nun auch nicht, wenn man mal bedenkt was man aus den günstigen Grundzutaten wie Mehl, Kartoffeln, Nudeln, Reis, Bohnen, saisonalem Gemüse und Obst.... schon alles machen kann und man sollte sich schon auch vor Augen halten, dass der Zustand des Studilebens ein Vorübergehender ist, ich weiß nicht wie lange du noch studieren wirst, aber man adaptiert diese reduzierten Konsumaussichten ja nun auch nicht für den Rest seines Lebens, sondern für ein paar Jahre, wenn nicht sogar nur Monate.

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    4. Ich schließe mein Studium gerade ab, hänge aber noch eine Promotion dran. Ich werde natürlich versuchen ein Stipendium zu ergattern und hoffe insgeheim, dass aus meiner Aushilfsstelle (verlängert, mehr Geld dank Abschluss) in 6 Monten eine Mitarbeiterstelle wird. Dazu werde ich im März 25 und will das nutzen, um mich finanziell von meinen Eltern zu emanzipieren, die mir fast das komplette Studium finanziert haben (inkl. Wohnung). Ich werde also im nächsten Jahr zum ersten Mal komplett auf eigenen Füßen stehen. Bis es allerdings soweit ist, dass ich aus einem Stipendium schöpfen kann, werd ich mich wohl sehr einschränken müssen.

      Ich habe hier leider nicht die Möglichkeit auf einen Hofladen oder Ähnliches zurückzugreifen. Das Billigste Obst/Gemüse, dass man hier bekommen kann, kommt aus dem Discounter oder normalem Supermarkt z.B. Kaufland. Auf Saisonalität achte ich nebenbei noch, weil es mir einfach wichtig ist, möglichst regionale Ware zu kaufen bzw. dann eben aus Deutschland wenn die Saison ran ist. Im Moment gebe ich ca. 30€ in der Woche für Lebensmittel aus, weil ich keinen Platz habe, um Vorräte zu lagern kaufe ich alles frisch und plane vor, was ich jeden Tag essen werde. Mir ist halt Abwechslung total wichtig, was denke ich auch Geld frisst. Dazu kommt, dass ich recht häufig in der Mensa esse, das frisst auch Geld, stimmt. Vielleicht müsste ich echt genügsamer werden. Nudeln, Reis, Kartoffeln sind günstig, aber irgendwann hängt mir das dann zum Hals raus ;-) Weggeworfen wird natürlich nichts, ist Ehrensache.

      Was mich nervt ist mein durch außen eingeredetes schlechtes Gewissen, wenn ich im Discounter einkaufen gehe. "Weißt du nicht, wie die mit ihren Mitarbeitern umgehen?!" etc. Irgendwie sollte ich das ausschalten können, aber ich bin da dummerweise sehr empfänglich für. :-(

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  9. Sehr gut geschrieben - das Dilemma erschlägt einen fast, aber man sollte dem Ideal dennoch eine Chance geben!

    Vielen Dank für den Text.
    Geteilt :)

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  10. Wow! Und ich habe das jetzt erst gelesen, grrr. Aber immerhin war es noch bei "Saved for later" drin :) Ich habe mich beim lesen oft wiedergefunden. Keiner kann 100%ig vegan oder fair leben, aber man sollte es wenigstens versuchen!

    Manch einer ist stolz, dass er seinen ersten veganen Kuchen gebacken hat und andere zerreißen ihn gleich wegen der verwendeten Margarine. Das nimmt wohl nie ein Ende? Ich ertappe mich auch gelegentlich dabei, wie ich beim einkaufen in Gedanken ähnliche Argumente und Ausreden benutze, wie ein Fleischesser, der seinen Fleischkonsum rechtfertigt. Jeder hat andere Informationen, jeder entwickelt sich in unterschiedlicher Geschwindigkeit und wer blickt da immer durch?

    Gestern habe ich einen interessanten Artikel über Textilproduktion in Lesotho gelesen. Zitat: "Große US-Firmen wie Levi Strauss und Wal-Mart lassen Teile ihrer Kollektionen in Lesotho herstellen." Tja, wie groß ist der Teil? Was hat man da gerade an? Ich habe schon Produkte gesehen, da steht nur noch "Hergestellt in Europa" drauf. Manchmal könnte man verrückt werden, was für ein Dilemma. Aber wir können nur immer wieder neu aufstehen und uns Stück für Stück weiterentwickeln. Danke für deine Anregungen hier im Blog dazu!

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