Dienstag, 29. Mai 2012

Weswegen man nie aufhören sollte über Palmöl zu sprechen - ein Statusbericht

Indonesien: 14 000 ha Ölpalmen- in etwa 827 Mal die Fläche des Saarlandes, vor wenigen Jahren noch Urwald.      
Das Copyright liegt bei Wolfgang Baum


Das Thema Palmöl ist derzeit wieder auf dem Rückzug. Vollkommen zu Unrecht.

Als das Thema Palmöl vor etwa einem bis eineinhalb Jahren die Runde in der Blogszene machte, waren viele bestürzt, hatte man doch bis dato hinter pflanzlichen Ölen und Fetten etwas gesundes erwartet, das nebenbei  als nachwachsender Rohstoff auch noch gut für die Natur ist.

Nach Dokumentationen wie "Die Biosprit-Lüge", "Hier bio - dort Tod", "die Nachhaltigkeits-Lüge" oder auch "der Pakt mit dem Panda" war der öffentliche Aufschrei groß. Und auch in der Blogwelt haben sich einige diesem Thema angenommen, so zB Julia von MixxedGreens oder Erbse auf Blanc et Noir wo man die Problematik sehr gut zusammengefasst nachlesen kann.

Ich habe die darauf folgenden Diskussionen mit einigen Firmen verfolgt, viele wurden beispielsweise bei Facebook in die Ecke gedrängt, einige ließen sich auch nach langer und harter Diskussion das Versprechen abnehmen, dass sie künftig ihre Rezepturen ändern würden oder zumindest überprüfen wollten den Palmöl-Anteil bei künftigen Rezepturen zu verringern oder ganz auf andere Rohstoffe zu setzen.

Ein paar Monate später - was ist passiert?


Nach Monaten wage ich ein Fazit: Passiert ist nichts. Selbst die Firmen, die eigentlich zu den Vorreitern in Sachen nachhaltige Entwicklung gehören und sich selbst so inszenieren, scheinen nicht in der Lage zu sein palmölfreie Produkte zu kennzeichnen, von einem Verzicht auf Palmöl und seine Derivate ganz zu schweigen. Es gibt nach wie vor einige wenige Kosmetik- und Nahrungsmittelproduzenten, die in ihrer Produktpalette keinerlei Palmöl verwenden, das Gros der anderen beruft sich auf Nachfrage aber auf eine Zertifizierung durch den RSPO. Allerdings steht selbst der WWF nicht uneingeschränkt hinter diesem Konzept, denn auf seiner Webseite wird zum Thema RSPO erklärt:

"Ein Allheilmittel ist der RSPO  nicht. Er allein kann die Entwaldung in den Tropen nicht stoppen. Dazu braucht es die richtigen Gesetzgebungen, Landnutzungskonzepte und die Ausweisung von Schutzgebieten."

Weitaus drastischer bewertet die Organisation Robin Wood die Lage: 

Von dieser wurde die Zertifizierung erst kürzlich als "gescheitert" verurteilt. Das Gegenteil des Gewollten sei erreicht worden, da der RSPO den Palmölgiganten vor allem als Deckmantel zum Greenwashing diene. Das Resultat der bisherigen RSPO-Politik sei ein Flickenteppich nicht vernetzter Kleinsturwaldrestbestände (High Conversation Value Forest), umgeben von Kahlschlag und Ölpalmenmonokulturen.

Das Problem wird zusätzlich dadurch verschärft, dass man bei bestimmten Produkten kaum mehr eine Wahl hat. Bei veganer Margarine beispielsweise kann man sich lediglich zwischen palmölhaltiger und solcher mit Sojabohnen aus nicht näher bestimmtem brasilianischen Anbaugebieten entscheiden (für Alternativtipps wäre ich dankbar), das ist de facto das gleiche in grün, respektive schwarz. Oftmals ist Palmöl in der Zutatenliste als solches auch nicht zu erkennen, obwohl das vorliegende Produkt einen hohen Anteil Palmölderivat beinhaltet. Drastischer noch sind die Inhaltsstoffe von Kosmetika, bei denen ich mir meist gar nicht zusammenreimen kann, was sich hinter einem Begriff verbergen könnte.

Zwar ist beispielsweise die weiße Liste Palmöl (derzeit nicht erreichbar!) der Borneo Orang Utan Hilfe eine große Erleichterung, spontane Fragen beim Lebensmitteleinkauf beantwortet sie allerdings leider nicht und wer wie ich sein Smartphone häufiger zu Hause lässt, der ist beim Einkauf schnell mal verlassen.

Was tun?

Tatsache ist, dass dieses drängende Problem endlich angegangen werden muss. Fraglich ist aber, was getan werden kann.
Möglich, dass dieser Vorschlag naiv klingt, aber ich hielte es für eine gangbare Lösung die Verleihung von NK-Kosmetiksiegeln von der Palmölfreiheit abhängig zu machen. Der Begriff Naturkosmetik verspricht nicht nur unbelastetes für die Haut sondern auch nicht belastendes für die Natur, ein Versprechen, das Palmöl nicht halten kann.
Eine weitere und auch zusätzliche Option wäre ein Siegel, das die Palmölfreiheit garantiert. Für ein solches Siegel braucht es allerdings natürlich immer eine Organisation, die über die entsprechenden Mittel und Ressourcen verfügt, ein solches Projekt durchzuführen und die diesem auch thematisch nahe steht.

Erweitern möchte ich dies um die Forderungen, die Julia von MixxedGreens in der Kommentarspalte abgegeben hat:
Palmöl muss endlich als das ausgezeichnet werden was es ist. Die Bezeichnung "pflanzliche Öle und Fette" ist nicht ausreichend und sollte künftig spezifiziert werden. Außerdem wäre es eine gangbare Alternative, wenn die INCIS von Kosmetika und Reinigungsmitteln künftig neben dem chemischen Namen auch den Ausgangsstoff benennen müssten, wie das bei manchen Naturkosmetikherstellern bereits üblich ist.

Besonders bedanken möchte ich mich bei Wolfgang, der aktuell in Indonesien ist, um an einem Projekt zum Thema sustainable forest managment zu arbeiten und dessen Foto ich verwenden durfte. Danke dafür und für eure wertvolle Arbeit vor Ort!



Weiterführende aktuelle Meldungen zum Thema Palmöl:

http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-05/indonesien-brandrodung
http://www.zeit.de/wissen/umwelt/2012-03/offener-brief-palmoel

WILMA plant aktuell großflächige Kahlschläge in Indonesien:

http://www.robinwood.de/Newsdetails.13+M5336a3ff3be.0.html



Da das Thema WWF immer wieder aufgegriffen wird, möchte ich gerne einen Blogartikel verlinken, der sich mit dem Thema differenziert auseinandersetzt:

http://www.scienceblogs.de/evolvimus/2011/07/wwf-aus-der-sicht-des-boulevardjournalismus.php



Sonntag, 27. Mai 2012

Aktuelle Studie zum Zusammenhang zwischen Welthunger und Futtermitteln

Brot für die Welt stellte kürzlich eine aufsehenerregende Futtermittelstudie unter dem Titel "Brot oder Trog- Futtermittel, Flächenkonkurrenz und Ernährungssicherheit" vor.
De facto belegt die Studie erneut, was in Tierrechtskreisen schon lange vermutet und vorgetragen wurde, die Futtermittelimporte der EU haben in den entsprechenden Anbauländern schwerwiegende Folgen, sowohl in umweltpolitischer als auch in kultureller Hinsicht. Wie schwerwiegend möchte ich im einzelnen kurz zusammenfassen, das Lesen der Studie (knapp 40 Seiten, PDF-Download kostenlos bei Brot für die Welt, gebundene Ausgabe gegen geringe Gebühr unter demselben Link erhältlich) ist aber trotzdem zu empfehlen.


Ich finde solche Studien vor allem deswegen besonders notwendig, weil sie nicht aus dem Lager der Tierrechtler kommen und somit eine ganz andere Diskussionsbasis schaffen können, also auch von denjenigen beachtet werden, die Studien von Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen per se anzweifeln, allerdings erklärt sich hierdurch die für tierrechtsthemen untypische Wortwahl, ich bitte diese zu entschuldigen/zu überlesen. Obwohl ich wirklich viel zu diesem Thema lese habe ich aus der Lektüre eine ganze Menge neuer Informationen mitnehmen können.

Die wichtigsten Zahlen und Fakten der Studie: 

Die zunehmende Intensivtierhaltung führt durch die Züchtung von Hochleistungsrassen zur Verarmung der Artenvielfalt bei Nutztierrassen. Hierdurch werden an lokale Bedingungen angepasste Landrassen verdrängt, was vor allem in den Entwicklungsländern die Ernährungssicherheit gefährdet. (S. 10)
Selbst in Argentinien wird mittlerweile die Hälfte der Rinder auf Feedlots, einer Massenhaltungsform für Rinder, großgezogen.

Die Industrienationen verbrauchen die Hälfte des weltweiten Kraftfutteraufkommens (1,2 Milliarden Tonnen), im weltweiten Durchschnitt besteht Kraftfutter zu 57% aus Getreide. In der europäischen Union werden 64% der Getreideproduktion verfüttert, im weltweiten Vergleich waren es lediglich 34% wobei Subsahara-Afrika und Indien unter 10% der Getreideernte verfüttern. (S. 13 f.)

"So finden sich etwa bei der Hühnerfleischerzeugung nur 11 Prozent der pflanzlichen Energie und 20 Prozent der Proteine, die im Hühnerfutter enthalten sind, im Endprodukt wieder. Noch weit schlechter sind diese Werte für die Schweine- und Rindfleischerzeugung. Das Rindfleisch enthält sogar nur drei Prozent der pflanzlichen Energie, die von den Rindern einst mit den Futterrationen aufgenommen wurden. Umgekehrt heißt dies, dass bei der Hühnerfleischproduktion 89 Prozent der eingesetzten Pflanzenenergie verloren gehen, bei Schweineund Rindfleisch 91 bzw. 97 Prozent. Der Proteinschwund  bewegt  sich  zwischen  80  und  96  Prozent." (S. 14 f.)

Deutschland ist bei Futtermitteln reine Importnation (siehe Tabelle, diese findet sich auf S. 19).
Produziert aber ca. 10% mehr Tierprodukte als für die Eigenversorgung gebraucht würden. (S. 19), die Folgen beschreibt die Studie wie folgt:

"Doch in vielen Entwicklungsländern verloren bereits zahlreiche Produzenten ihre Existenzgrundlage aufgrund der europäischen Exporte tierischer Lebensmittel, die ohne die Verwendung billiger Futtermittel nicht möglich wären. Hinzu kommt, dass die Exporteure von erheblichen Subventionen profitieren, vor allem Direktzahlungen und – wenn auch in abnehmendem Maße – Exportsubventionen (Berthelot 2011). So werden etwa zwei Drittel der EU-Exporte von Milchprodukten in Entwicklungsländern verkauft, ein Viertel davon in Afrika (Oxfam 2009, Boulanger 2009). In westafrikanischen Ländern wie Kamerun, Burkina Faso oder Ghana haben tausende kleinere Milchviehbetriebe keine Chance, ihre Rohmilch an Molkereien zu verkaufen, da diese das weit billigere Milchpulver aus der EU zur Erzeugung von Milch oder Joghurt verwenden.Zwar geht nur ein kleiner Teil der EU-Schweinefleischexporte nach Afrika (die hauptsächlichen Absatzmärkte liegen in Russland, Japan, Südkorea und China), doch 
genügen bereits kleine Mengen, um erhebliche Verdrängungseffekte auf den lokalen Märkten auszulösen (USDA 2011b). Gegen die EU-Schweinefleischexporte nach Subsahara-Afrika, die sich in der Vergangenheit massiv erhöhten, können etwa die Schweinemäster in Kamerun 
oder Angola kaum konkurrieren, da die Preise der Importwaren deutlich unter denen des lokalen Frischfleisches liegen, teils um mehr als die Hälfte"  (S. 19 f.)

Die Studie erklärt ferner, dass es sich bei Futtermittelimporten um einen virtuellen Handel mit Land handle, also um Anbauflächen, die der EU und Deutschland speziell nicht zur Verfügung stünden. Besonders hoch sind die Importe an Ölsaaten, hier ist als primäre Quelle die Sojabohne zu nennen.

Folgen des Sojaanbaus

Die landwirtschaftliche Primärproduktion von Sojabohnen befindet sich vornehmlich in der Hand südamerikanischer Anbauer. Bisher sind dem Anbau in Brasilien, Paraguay und Argentinien ca. 64 Millionen Hektar Urwald zum Opfer gefallen. Aufgrund der Entwaldung trägt der Anbau massiv zur Verschlimmerung des Treibhauseffekts bei.
Allerdings hat die Sojaindustrie zusätzlich einen massiven Verdrängungseffekt. Da dem Anbau Weiden und andere Anbauflächen weichen mussten, werden hierfür weitere Wälder und Savannen gerodet. Genaue Zahlen benennt die Studie hierfür aber nicht. (S. 24)

Als weiterer wichtiger Unterpunkt sind Bodenkonflikte und Landnahme zu benennen, da die Expansionsgebiete des Sojaanbaus Kleinbauern und indigene Völker verdrängen. Besonders zu erwähnen ist hier die Tatsache, dass es viele Kleinbauern gibt, die "freies" Land bewirtschaften, was ihnen verfassungsmäßig garantiert wird, die allerdings keine eigenen Eigentumsrechte an den von ihnen bewirtschafteten Flächen haben. Dies trifft in Brasilien in etwa auf eine Mio Höfe zu.
Die Vertreibung geschieht auf unterschiedliche Weise, sowohl direkt mit Gewalt als auch über Urkundenfälschung oder ausgeklügelte Zermürbungstaktik auch Ankauf, meist weit unter Wert, ist gängig. (S. 25)

Folge ist meist die Verarmung der Vertriebenen, da die monokulturell geführten Sojaplantagen keine oder nicht ausreichende Beschäftigungsmöglichkeiten bieten.

Bei den indigenen Völkern kommt zusätzlich hinzu, dass mit der Rodung der Wälder ihre Lebensgrundlage entfällt oder massiv eingeschränkt wird, so dass ein Aufrechterhalten der Kultur nicht mehr möglich ist. (S.26 f.)

Der Anbau von Gensoja ist aufgrund der mit Flugzeugen ausgebrachten Pestizide häufig extrem gesundheitsschädlich für Anwohner, da die Mittel abdriften können. Gesundheitliche Folgen die bereits auftreten sind Missbildungen, Unfruchtbarkeit oder Frühgeburten. (S. 27)

Die Studie untersucht ferner die zu erwartenden Auswirkungen bei einer Reduktion tierischer Nahrungsmittel. Hier wird davon ausgegangen, dass der Flächenbedarf enorm sinken würde. Eine Sonderrolle nimmt dabei der Sojaanbau ein:

"Auswirkungen eines verringerten Futtermittelkonsums auf die Sojanachfrage
Zwar kann eine Reduzierung des Futtermittelverbrauchs die Nachfrage nach Getreide und anderen 
Futterfrüchten senken und damit zu einer Flächenfreisetzung führen, doch ist das Ausmaß dieses Freisetzungseffekts bei Ölschroten recht schwer einzuschätzen, da es sich um Koppelprodukte handelt. Beim Auspressen einer Tonne Sojabohnen entstehen im Schnitt 188 Kilogramm Sojaöl und 800 Kilogramm Sojaschrot. Gleichwohl liefern Schrot und Öl ähnlich hohe Erlösanteile, da der Ölpreis bisher meist dreimal höher war als der Schrotpreis. Der Verbrauch von Sojabohnen hängt insofern nicht nur von der Nachfrage noch Sojaschrot, sondern auch von der nach Sojaöl ab. Sinkt die Nachfrage nach Schrot, während jene nach Öl konstant bleibt, würde dies den Nachfragerückgang bei Sojabohnen dämpfen. Die Sojaproduktion könnte nicht im gleichen Ausmaß sinken wie die Schrotnachfrage (Grethe et al. 2011: 51). 
Wie stark dieser Dämpfungseffekt allerdings ausfällt, hängt von sehr vielen weiteren Faktoren ab, 
die die Nachfrage nach Ölen und Schroten beeinflussen (z.B. Pflanzenölpreise, die Biodieselerzeugung oder das Angebot alternativer Proteinlieferanten). Der US-Agrarforscher Peter Goldsmith indes identifiziert eine höhere Abhängigkeit der Sojabauern vom Futtermittelmarkt als vom Pflanzenölmarkt, sodass ein sinkender Schrotpreis nicht durch einen im gleichen Ausmaß steigenden Ölpreis ausgeglichen werden könnte. „Den Fokus der Branche auf das Öl zu verschieben, wäre nicht wirtschaftlich tragfähig“, so die Einschätzung des Forschers (Goldsmith 2008: 148). Bei einem steigenden Pflanzenölpreis würden Bauern und Verarbeiter eher ölreichere Pflanzen bevorzugen wie Sonnenblumen oder Raps, aus denen sich Öl effizienter gewinnen lässt als aus Soja. Ist diese Einschätzung zutreffend, würde eine Verminderung des Sojaschrotkonsums nicht durch eine höhere Nachfrage nach Pflanzenölen kompensiert werden können."
(S. 30)

In der Schlussfolgerung wird die Studie nochmal konkret:

"Für eine Verminderung der flächenintensiven Futtermittelnachfrage ist es unabdingbar, dass Verbraucher in 
Deutschland und Europa ihren Konsum tierischer Lebensmittel einschränken. Da dies nicht nur ökologische 
und entwicklungspolitische, sondern auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringt, sollten entsprechende Angebote der Verbraucheraufklärung und Ernährungsberatung ausgebaut werden. In der Ernährungsberatung sollte daneben erwogen werden, inwieweit der häufig empfohlene Umstieg von rotem Fleisch (Schwein oder Rind) zu weißem Geflügelfleisch tatsächlich ratsam ist. 
Dies mag zwar aufgrund des etwas niedrigeren Fettgehalts der Diät ernährungsphysiologisch sinnvoll erscheinen.  Doch  stehen  auch  Hühner  in  einer  direkten  Nahrungskonkurrenz zum Menschen, da für deren Fütterung stets Ackerland belegt werden muss, das auch alternativ genutzt werden könnte." (S. 34)


Eine weitere Forderung bezieht sich dagegen konkret auf zu schaffende Standards beim Import:


Solange die EU noch Futtermittel importiert, ist es geboten, diese an die Einhaltung verbindlicher Sozial- und 
Umweltstandards in den Lieferländern zu knüpfen. Solche Nachhaltigkeitsstandards müssten international 
anerkannte soziale, ökologische und Menschenrechtsnormen umfassen. So wären insbesondere das Menschenrecht auf angemessene Nahrung, die Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation sowie die spezifischen Rechte von indigenen Völkern zu berücksichtigen, darunter vor allem die Sicherung traditioneller Landnutzungsrechte. Die Erarbeitung derartiger Biomasse- bzw. Futtermittelstandards muss unter Einbeziehung der Zivilgesellschaft in den Anbauländern erfolgen. Die Standards müssten insofern auch weit über die Nachhaltigkeitskriterien hinausgehen, die in der Erneuerbare-Energien-Richtlinie der EU für die Zertifizierung von Biokraftstoffen festgelegt sind. (S. 34 f)



mein persönliches Fazit

Die Studie unterstreicht das was Tierrechtler schon seit Jahren anführen: Tierproduktkonsum ist schädlich für Mensch und Natur. Vorliegend kommt die miserable Behandlung der meisten Tiere, die zum schlachten gezüchtet werden überhaupt nicht zum tragen, aber selbst wenn man kein Tierrechtler oder -schützer ist, ergeben sich aus humanitärer Sicht und sozialer Verantwortung mehr als genug Gründe den Konsum von Fleisch, Milch und Co massiv einzuschränken.
Im Zusammenhang mit der hier kürzlich bereits verlinkten Studie, die von feudalen Bedingungen auf südamerikanischen Rinderfarmen und in der angehörigen Industrie berichtete, zeichnet sich ein düsteres Bild der globalisierten Nahrungsmittelindustrie.

Aber auch für Veganer heißt es aufpassen: Die Studie macht recht deutlich, dass Soja eben nicht ausschließlich als Futtermittel genutzt wird, sondern dass ihm eine doppelte Funktion zukommt: das Öl geht zum größten Teil in den menschlichen Verzehr und vor allem im Asialaden findet man auch das ein oder andere GMO-Sojaprodukt.
Viele Firmen können allerdings ausschließen, dass ihr Soja aus einem Anbaugebiet stammt, das mit der Problematik zusammenhängt, einige verwenden sogar ausschließlich europäisches Soja. Hier lohnt sich ein Blick auf die Homepage des jeweiligen Herstellers oder eine gezielte Anfrage per E-Mail. Biosoja scheint zudem tendenziell weniger betroffen zu sein, ganz auszuschließen ist eine Beteiligung aber nicht.

Wartungsarbeiten

Nachdem ich gestern einen Blick in meinen Editor und meine Blog-To-Do-List geworfen habe, sehe ich mich gezwungen in den nächsten beiden Tagen ein bisschen am Layout herumzubasteln und Artikel nachzureichen und fertigzustellen, die schon ewig halbfertig in der Warteschleife hängen.
Sollte kurzfristig etwas verschwinden, keine Sorge das taucht wieder auf.

UPDATE:

Ich habe zwar ein paar Stunden mit dem Blog verbracht, allerdings fast nur am Design rumgeschraubt und die Verlinkungen in der Seitenleiste neu geordnet, bzw. ergänzt und verwaiste Blogs entfernt.
Die Posts, die sich in meinem Editor stapeln werde ich wohl die nächsten Wochen endlich fertig machen und nachreichen.

Achja: Wem der Banner nicht gefällt, der darf das für sich behalten, ich bin nämlich ziemlich stolz, weil ich den selbstgemacht habe ;)

UPDATE 2:

Ich hab jetzt erstmal das Captcha ausgestellt. Nachdem da jetzt auch noch unleserliche Straßenschilder mit reingenommen wurden und da ich die Kommentare sowieso moderiere, belasse ich das erstmal so, außer der Spam nimmt tatsächlich überhand.

Außerdem ist der Blog jetzt auch unter der URL thinkcareact.de zu erreichen. Ich wollte eigentlich die.com-Domain, aber die hat sich in der Zwischenzeit jemand anders gesichert. Ärgerlich, weil ich vor kurzem noch überlegt hatte sie registrieren zu lassen.

UPDATE 3:

ich hab die Moderation ausgeschaltet, solang die Quatschkommentare im Rahmen bleiben bleibt das auch so, wenn irgendwer das als Einladung zum trollen missversteht ist sie aber wieder an

Donnerstag, 24. Mai 2012

Frankreichs Kampf gegen den Vegetarismus

Bereits vor ein paar Tagen bin ich über einen zwar nicht mehr ganz aktuellen, dafür aber umso brisanteren Artikel gestolpert, dessen Inhalt ich erst so gar nicht fassen konnte, denn als ehemaliges Internatskind bin ich Schulspeisungen gewöhnt und hätte mich jemand zwingen wollen, etwas zu essen was ich nicht essen wollte, hätte da keine Chance bestanden.

Nun, andere Länder andere Sitten. Von Freunden, die es an die damalige französische Partnerschule verschlagen hatte, hatte ich zwar auch Unglaublichkeiten zur Schulspeisung gehört, hatte das aber weder ernst genommen (entsprechend der Horrorgeschichten die alljährlich über das angeblich ungenießbare Essen auf Klassenfahrt erzählt werden), noch die letzten Jahre daran gedacht, bis ich auf Vegetarismus.ch folgenden Artikel gefunden habe, aus dem ich hier einfach ohne jeden weiteren Kommentar zitieren werde:


In Frankreich hat die Regierung in diesen Belangen bei den Kindern angefangen. Durch Erlass des Dekrets vom 30. September 2011 sind nun alle schulischen Kantinen und Mensen dazu verpflichtet, bei mindestens 8 von 20 aufeinanderfolgenden Mahlzeiten Fleisch oder Fisch aufzutischen – und zwar allen Schülern.1 In Frankreich wird generell von den Schülern erwartet, dass sie wenigstens ein bisschen von jedem Gericht essen. Dabei ist es den Schülern in den meisten Fällen nicht gestattet, ihr eigenes Essen mit in die Kantine zu nehmen. Folglich werden Familien, die ihre Kinder zu Mittag nicht nach Hause holen können, nahezu zum Fleischverzehr gezwungen.




[...]Das «Gesetz zur Modernisierung der Landwirtschaft und der Fischerei», das im Juli 2010 durch das Parlament verabschiedet worden war, beauftragt die Regierung, ähnliche Dekrete für einen Grossteil der kollektiven Restaurant-Betriebe aufzunehmen – von Kindergärten über Uni-Mensen, Krankenhäuser und Gefängnisse bis hin zu Altersheimen. So kann Schritt für Schritt sichergestellt werden, dass sich das Verbot des Vegetarismus über weite Teile der Bevölkerung ausbreiten wird. 
Das offizielle Credo dieser Massnahmen lautet «Ausgewogene Ernährung». In Frankreich verbreitet die Gesundheitsbehörde seit mehreren Jahren auf systematische Weise Vegetarier- und Veganer-feindliche Nachrichten. So kann beispielsweise eine Person, die sich gerne über die vegane Ernährung informieren möchte, auf der staatlichen Ernährungshomepagewww.mangerbouger.fr als einzigen Ratschlag dazu lesen: «Entscheide dich auf gar keinen Fall für diese Ernährungsform!»3 Anstelle praktischer Ernährungsberatungen werden Risiken systematisch übertrieben dargestellt, ohne jedoch die wesentlichen Grundsätze zur Vermeidung dieser Risiken vorzustellen.


Link zum kompletten Beitrag aus Ausgabe 4/2011 von Vegetarismus.ch

Hausarrest für Katzen und abstruse Fristen - mal wieder eine Gesetzesnovelle zum Tierschutz

Nachdem die Tierrechts- bzw. Tierschutzbewegung in der letzten Zeit auch dank Duve und Foer in den Blickpunkt des öffentlichen Interesses gerückt ist, war es wohl für die derzeitige Regierung an der Zeit ein paar Häppchen zur Beruhigung der Massen zu verteilen.

Dem Agrarministerium verdanken wir eine Gesetzesnovelle, die unbefriedigender kaum sein könnte.

Zwar ist das Quasiverbot von Primaten zu Versuchszwecken zu begrüßen, aber doch eigentlich schon längst überfällig, zudem sind hier lediglich die Grenzen verschärft worden, so dass es weiterhin Primaten für Versuchszwecke geben kann und wird. Brandzeichen an Pferden verstoßen nach meiner bescheidenen Meinung ohnehin gegen das TierSchG, aber vor allem die Praxis Ferkel unbetäubt zu kastrieren ist und war nach Expertenaussagen schon immer tierschutzgesetzwidrig.
Nun wurde letzteres tatsächlich durch die Novelle untersagt, allerdings erst ab 2017. Diese Übergangsfrist ist in meinen Augen durch nichts gerechtfertigt. Es ist weder ein Umbau von Anlagen erforderlich, noch ist ein derart höherer Planungsaufwand zu erwarten, dass eine Frist von fünf Jahren anberaumt werden müsste.

Auf viele wirklich drängende und notwendige Reformen wie das Wildtierverbot für Zirkusse, ein Verbot von Abferkelbuchten, eine Regulierung der Bedingungen der Kaninchenmast oder ein Verbot der Anbindehaltung, um nur ein paar Beispiele zu nennen wurde nicht eingegangen, stattdessen gestaltet sich das Gesetz, wie zu erwarten war, auf den ersten Blick vor allem sehr agrarwirtschaftsfreundlich.

Am meisten irritiert mich aber der Vorstoß, dass Hauskatzen durch entsprechende Verordnungen der Länder der Freigang gestrichen werden kann. Diese Forderung hatte ich bisher nur aus dem Jägerverband gehört und als absolut weltfremd abgetan.

Nun wird nichts so heiß gegessen, wie es gekocht wird, aber ich möchte tatsächlich gerne wissen, was Frau Aigner sich bei diesem Vorschlag gedacht hat. Zum einen wird man Freiläufer kaum an ein Leben als Hauskatze gewöhnen können, zum anderen wäre eine Kastrationspflicht hier eine vollkommen ausreichende Lösung. Von der Durchsetzbarkeit einer solchen Verordnung mal ganz zu schweigen.

Deutschlands Problem ist nun auch nicht lediglich das Tierschutzgesetz, sondern die mangelnde Umsetzung und Umsetzbarkeit desselben. Wichtig wäre im Bereich der Bundes- oder Landesanwaltschaft eine Stelle einzurichten, die sich lediglich mit Verstößen gegen das Tierschutzgesetz beschäftigt und die mit entsprechenden Kontroll- und Überwachsungsfunktionen ausgestattet ist. Ähnlich dem Konzept der Schweizer Initiative "Tierschutzanwalt".
Zusätzlich müsste ein umfassendes Verbandsklagerecht für Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen eingeführt werden, damit könnte sichergestellt werden, dass der bisher lediglich als Staatszielbestimmung im Grundgesetz verankerte Tierschutz auch endlich realtistische Chancen auf Beachtung findet. Denn Staatszielbestimmungen bleiben meist eins: Ein Konjunktiv.

Die vielgepriesene "Führungsposition" die Deutschland in Sachen Tierschutz einnehmen will, kann ich in dieser Novelle wirklich nicht erkennen. Verlierer sind wie immer die Tiere.

Artikel in der Süddeutschen Zeitung vom 24.05.2012

Mittwoch, 16. Mai 2012

Neuer WWF-Bericht zum Klimawandel

Mit dem Living Planet Bericht legt der WWF eine neue Studie zu den größten Umweltsündernationen vor.
Überraschend sind vor allem die Platzierungen. mit Hilfe der Messgröße "ökologischer Fußabdruck" hat es Deutschland nichtmal unter die Top 25 geschafft, dafür liegt Dänemark auf einer Spitzenposition. 

Es bleibt abzuwarten wie die Studie aufgenommen wird und wie die Erklärungen zu den doch recht ungewöhnlichen Ergebnissen aussehen werden. 

Mehr findet ihr zB hier: Artikel vom 15.5.2012 in der SZ

Wer seinen eigenen Fußabdruck berechnen möchte, kann das zB hier tun: Footprint Deutschland
Ich liege bei 2,71. Ganz schön viel, eigentlich.