Mittwoch, 27. Juni 2012

What I Ate Wednesday #2




morgens:


125g Yofu, 2 EL Haferflocken, 4 Zuckeraprikosen, 1 Finnbrötchen, Rucola, Cocktailtomaten (alles bio): 1,30€

mittags:

Pilz-Cashew-Creme-Suppe (1/2 Rezept von Vegansparkles), ein paar Cherrytomaten (alles bio): 2,40€

nachmittags:

eine Hand Cashewkerne: 0,80
7 Zuckeraprikosen: 0,50

abends:  


Eintopf aus Paprika, Kartoffeln, gelber Zucchini und Tomaten, dazu Hummus (alles bio): 1,30€



gesamt:    6,30

Montag, 25. Juni 2012

Vegan als Diät oder: Sind alle Veganer dünn?

In den USA entwickelt sich der Veganismus immer mehr zur Trendkostform. Nach no carb, low carb, low fat also die nächste Trendwelle der health food Bewegung?

Der Vergleich zur deutschen Blogszene ist die englischsprachige Community viel deutlicher auf den Gesundheitsaspekt aber auch auf die Diätwirkung ausgerichtet, viele führen auch einen erwünschten Gewichtsverlust als eine Hauptintention ihrer Ernährungsweise an. Diese Sichtweise steckt in Deutschland noch in den Kinderschuhen und wird, nach meiner Einschätzung, hauptsächlich von der Rohkostszene aufgegriffen. Vereinzelt finden sich aber auch Blogs und der vermutlich außerhalb von Veganerkreisen bekannteste vegane Koch ist auch eher Vertreter dieser Gruppierung.

Aber macht veganes Essen tatsächlich dünn?

Vorneweg: Ich vertrete hier keinen wissenschaftlich begründeten Standpunkt, sondern kann nur von meinen eigenen Erfahrungen berichten. Es gibt im Internet viele Diskussionen in verschiedenen Foren und auf diversen Blogs und es gibt die öffentliche Meinung aka Vorurteil. Letztere besagt, dass alle Veganer spindeldürr wären. Erstere fällt dagegen meist etwas differenzierter aus, denn die Erfahrungen sind recht unterschiedlich, wie bei allen anderen Ernährungsformen gibt es eine große Bandbreite: normal-, unter- und übergewichtige Personen. Manche haben ihr Übergewicht schon mitgebracht, bei anderen hat es sich erst im Laufe ihrer veganen Zeit entwickelt. Manche nehmen ab, manche zu und wieder andere halten ihr Gewicht einfach.

Generell scheinen Veganer laut Studien weniger zu Übergewicht zu neigen, als der Rest der Bevölkerung. Dabei könnte allerdings auch die Tatsache eine Rolle spielen, dass die Gruppe aus der die meisten Veganer kommen, also junge gut bis sehr gut ausgebildete Frauen, ohnehin weniger zu Übergewicht neigen, als der Rest der Bevölkerung.




Wagt man einen Blick über den großen Teich, dann fällt allerdings auf, dass die dortigen Shooting Stars der veganen Szene nicht dünn sondern eher skinny sind. Mediengrößen wie Chloe Coscarelli oder die Stars der Rohkostszene erinnern in ihrer Professionalität ohnehin eher an Hollywoodgrößen, als an das übliche Klischee eines Kochs, aber auch diese tragen durchgängig das Wort "healthy" vor sich her.
Wie gesund es nun wirklich ist mit einem geschätzten BMI von 15 durch die Welt zu gehen sei hier mal dahingestellt.

Wie sieht es bei mir aus?
Da ich nun doch schon länger vegan bin, kann ich die Frage zumindest für mich beantworten: Man bleibt mit veganer Ernährung nicht automatisch dünn. Ich würde meinen Ernährungsstil als eine relativ freie Form des clean eating bezeichnen. Das heißt, dass ich so gut wie nichts stark verarbeitetes zu mir nehme, meine Ernährung zum großen Teil auf Obst und Gemüse aufbaue und zusätzlich ein paar kleinere Kalorienfallen zulassen kann. Soweit die Theorie.
In der Praxis habe ich zB im letzten Jahr deutlich zugenommen, da ich viel gelernt habe, mein Sportprogramm zusammenstreichen musste und stattdessen als Ausgleich Süßkram gegessen habe. Das Plus auf der Waage stellt sich recht schnell ein, allerdings war meine Ausgangsposition eine bequeme: Ich bin relativ groß und war immer am unteren Ende des Normalgewichts, die paar Kilo die ich in der stressigen Lernzeit dazugewonnen habe, lassen sich deswegen relativ gut verschmerzen, zumal ich es noch nie zu meinem Lebensziel erkoren hatte, möglichst dünn zu sein. Sobald alles vorbei ist fange ich wieder mit regelmäßigerem Sport an, die Zuckersucht regelt sich dann meistens von allein. Allerdings muss ich gestehen, dass ich immer auf meine Ernährung geachtet habe und selbst wenn ich einen gewissen Hang zu Süßkram habe, so ist es nicht so, dass ich essen könnte was ich wollte, ohne zuzunehmen. Vegan zu leben ist kein Garant dafür, dass man dünn bleibt. Der Veganismus erspart einem zwar so manche Kalorienfalle (wie zB das Stück Torte im Cafe), es ist aber vollkommen unproblematisch in einer veganen Ernährung überkalorisch zu essen. Zudem darf man natürlich nie vergessen, dass es auch Veranlagung gibt. Man mag es unfair finden, aber manche nehmen eben leichter ab oder zu als andere.
Auf der anderen Seite habe auch ich die Erfahrung gemacht, dass ich Dinge auch einfach deswegen esse, weil sie eben vegan und verfügbar sind. Wenn es schonmal veganen Kuchen gibt, dann muss ich ihn auch haben, selbst wenn ich eigentich grade keine Lust auf Kuchen habe. Hier am Ende der veganen Welt passiert das aber auch so selten, dass das nicht wirklich ins Gewicht fällt, würde ich dagegen in Berlin leben, sähe die Sache vermutlich wieder anders aus.

Dass Veganer im Durchschnitt dünner sind, erklärt sich für mich eher daraus, dass sie sich zum einen aus einer ohnehin im Duchschnitt schlankeren Gesellschaftsschicht zusammensetzen und zum anderen, dass sich Veganer viel intensiver mit Ernährung befassen: Jedes vegane Forum ist voll von Kochrezepten, Nährwertdiskussionen, Tagesbedarfberechnungen und dergleichen mehr. Keine unvegane Person in meinem Freundeskreis, selbst die die schon unzählige Diäten und Ernährungskonzepte durch haben, kennt sich so umfassend mit Ernährung aus wie der Durchschnittsveganer. Dazu kommt bei den meisten ein umfassendes Wissen über Zusatzstoffe, Lebensmittelsicherheit und Produktionsprozesse und damit einhergehend ein größeres Bewusstsein für die eigene Ernährung. Vermutlich fällt bei all dem Hintergrundwissen die Entscheidung für den Apfel und gegen die Tüte Chips einfach leichter.

Man kann sich allerdings auch mit gesunden Lebensmitteln dick essen: Oliven- oder Leinöl ist zwar gesund, trotzdem bleibt es hochkalorisch und auch Nüsse sind in ihrem Kalorien- und Fettgehalt nicht zu verachten. Obst gehört zu jeder gesunden Ernährung dazu, allerdings enthalten auch einige Früchte beträchtliche Mengen an Zucker und/oder Fett und auch Vollkornprodukte sind besser in Maßen als Massen zu genießen.
Dazu kommt, dass nicht alles automatisch gesund ist, nur weil es vegan ist: Viele vegane Convenience-Produkte triefen vor Transfettsäuren, Chips, Pommes und anderes Frittiertes ist zwar lecker, aber alles andere als gesund und erst recht nicht figurfreundlich.
Von den süßen Sünden, die ich tagtäglich in meinem Blogreader bewundern darf, fange ich da lieber erst gar nicht an.
Mir fällt der Vergleich allerdings schwer, da ich mich schon seit Jahren nicht mehr mit tierischen Lebensmitteln befasst habe. Im Vergleich zu den Omni-Frauen in meinem Freundeskreis war ich aber auch nie außergewöhnlich schlank. Selbst vor meiner Zunahme war die Tendenz zum unteren Bereich des Normalgewichts in meinem Freundeskreis eher die Regel als die Ausnahme und ich habe dabei nie den Eindruck gewonnen, dass es meinen Freundinnen schwerer oder leichter fallen würde als mir.

Vegan zu sein ist kein Garant für eine Modelfigur und erst recht nicht für Untergewicht. Es ist ebenso einfach vegan dick zu werden wie unvegan.
Eine ausgewogene und bewusste vegane Ernährung kann die Entstehung von Übergewicht aber verhindern, falls nicht zusätzliche Faktoren hinzukommen sollten. Jeder Körper ist anders, das vergisst man gerne und der Wert eines Menschen bemisst sich nicht nach seiner Kleidergröße.

UPDATE:

Eine interessante Zusammenfassung zu dem Thema findet sich bei Boldsky (Englisch).

Donnerstag, 21. Juni 2012

What I Ate Wednesday #1

Ich hatte ja eigentlich versprochen dass ich im Sommer, wenn man mehr regional beziehen kann, nochmal einen Vergleichsmonat einlegen würde. Zeitlich werde ich das leider nicht hinbekommen. Dafür hänge ich mich jetzt aber an die auf amerikanischen Blogs sehr beliebte Aktion "What I Ate Wednesday" dran und rechne zusammen wie viel Geld mittwochs in meinem Magen landet. Getränke werfe ich bei der Aufstellung raus, hatte sie das letzte Mal aber noch mitgerechnet. Meine Fotos sind derzeit unbearbeitet, weil ich mit Gimp noch nicht so ganz klarkomme.

Falls jemand mitmachen möchte, würde ich mich freuen.



morgens: 

250g Yofu, eine Banane, 3EL Haferflocken, 2 Zuckeraprikosen, 1/2 TL Agavendicksaft (alles bio) : 1,50€


vormittags: 
ca 300g Zuckeraprikosen  0,70

mittags:
ohne Foto, weil der Apparat lieber daheimbleiben wollte:
Obstsalat aus Aprikose, Banane, Birne, Apfel, Trauben, Melone: 3,00€

abends:

Eisbergsalat mit Radieschen, Tomate, Salatgurke und Knoblauchbaguette (alles bio&regional) 1,70€


gesamt: 

6,90€

Samstag, 16. Juni 2012

Das perfekte Dinner - eine Nachlese

Wie vermutlich 95% der restlichen deutschen Veganer habe ich mir in der letzten Woche das Perfekte Dinner auf Vox angesehen. Eigentlich mag ich das Format nicht so besonders, wegen Kim, veganer Erfolgsautorin, Ladenbesitzerin und Tortenkünstlerin habe ich die Sendung nach mehreren Monaten Totalabstinenz (ich glaube das letzte mal habe ich sie gesehen, als die Elvis-Veganerin mitgemacht hat) doch wieder eingeschaltet.

Die Sendung war wie immer: Leute kochen und bewerten sich gegenseitig, Kim war zuckersüß, die restlichen Kandidatinnen mehr oder weniger entspannt was das Thema vegan anging, insgesamt haben sich aber fast alle ganz gut geschlagen, die Runde wirkte insgesamt harmonisch und das bisschen Krawall das laut Drehbuch dabei sein muss, wurde am letzten Tag auch noch abgedeckt. Ich war schon fast soweit zu attestieren, dass das Thema vegan vielleicht doch kein so großer Reibungspunkt mehr ist und VOX doch wieder mal jemand interessanteren oder ausgefalleneren casten muss, um das Format spannend und damit am Leben zu erhalten, bis ich den Fehler gemacht habe mir die zugehörige Diskussion auf der Facebook Fanpage anzusehen.

Eigentlich hatte ich mir ja vorgenommen mir solche Diskussionen nicht mehr durchzulesen. Sie frustrieren. Und sie treffen mich. Aktiv diskutiere ich bei sowas ohnehin nach 2-3 Versuchen vor ein paar Jahren nicht mehr mit. Zum einen weil es immer in gegenseitiges Beleidigen ausartet, zum anderen, weil die Diskussionskultur im Internet ohnehin eine "Glaubenskultur" ist. Verweise, Links, etc. werden sowieso nicht beachtet (und das obwohl ich mich immer bemühe unabhängige Quellen zu verlinken), stattdessen ergießt man sich in gegenseitigen Provokationen, Vorurteilen, Verurteilungen, Klischees und Hasstiraden.

Dieses Mal war es aber wieder besonders schlimm. Ich bin irgendwo in der Mitte eingestiegen (als Leser) und hatte den Eindruck ich wäre in einem Kriegsgebiet gelandet.
Ich ging zum Anfang der Woche zurück, da wurde dann recht schnell klar, dass bereits da die üblichen Boshaftigkeiten ausgeteilt wurden: Veganer haben bei einem perfekten Dinner nichts verloren, überhaupt wäre Veganismus lächerlich, das volle Programm rauf und runter. Zwischendrin alle 3 Kommentare der Satz "ich brat mir jetzt erstmal ein Steak".

Irgendwann tauchten dann die ersten Veganer auf, verteidigen Kim, der Ton wird rauher, gegenseitige Anfeindungen, Beschuldigungen, schlussendlich eskaliert dies die ganze Woche über. Bei den Stammusern herrscht bis zum Ende der Woche der Konsens: "nächste Woche sind DIE wieder weg und wir haben unsere Seite zurück". Der Rest der teils argumentativ vorgebrachten Dinge wird als absurd oder Lüge abgetan. Und immer wieder fällt mein Lieblingsargument: "Kühe sind aber dazu bestimmt Milch zu geben, außerdem platzen ihre Euter, wenn sie nicht gemolken werden, weswegen sollte Käse also Tierleid sein". Leider ist das keine Frage sondern eine Feststellung und alle Versuche das Gegenteil zu behaupten werden als "aufgeregter Veganerkram" abgetan.

Es wäre jetzt zuviel die diversen Kleinstkriegsschauplätze zu analysieren und es wäre ebenso falsch alle Beteiligten über einen Kamm zu scheren, es gibt auf beiden Seiten auch diejenigen die für Verständnis und Toleranz werben und versuchen eine Eskalation zu verhindern. Mein Eindruck aber ist, dass keine der beiden Seiten ihre Hände in vollkommender Unschuld waschen kann. Es hilft schlicht nicht, wenn ich jemanden wegen seines "Ich brat mir jetzt erstmal 'Steak"-Kommentars als "Aasfresser" bezeichne. Das mag vielleicht in der Sache nicht ganz falsch sein, es ist aber ein Angriff und der zerstört jede Möglichkeit zur Kommunikation. Ein "ihr seid Schuld, dass afrikanische Kinder verhungern" provoziert auch eher Abwehrreaktionen, als zum Um- oder Nachdenken anzuregen. Was man als Veganer zugespitzt untereinander formulieren kann, hat eben meist eine schlechte Außenwirkung, polemische Äußerungen kommen bei einem angegriffenen "Gegner" einfach nie gut an. Da hilft dann auch der Verweis auf diverse Studien nicht weiter, da in einem solchen Fall der Ton die Musik macht und, man kann es sich nicht oft genug ins Gedächtnis rufen, niemand möchte, dass an seinem positiven Selbstbild gekratzt wird, erst recht nicht von einem Fremden.

Auf der anderen Seite muss man sich über übertriebene Reaktionen auch nicht wundern, wenn man im öffentlichen Raum die Lebensweise eines anderen verächtlich macht (ich spare mir die Screenshots zu diesem speziellen Fall, wer mag darf das gerne nachlesen). Veganer sind aber nicht die einzigen Opfer der DPD-Community. Anfang April brachte sich eine Kandidatin um, die nach ihrem Auftritt mit Mobbing zu kämpfen hatte und über die auf der Fanpage aufs Übelste hergezogen wurde.
VOX hat den Thread zwischenzeitlich gelöscht, was für eine enorme Wirkung von einer derartigen Lästercommunity ausgeht und dass man als regelmäßiger Teilnehmer daran ernsthaft erstaunt ist, wenn dann eben auch mal Kontra kommt, wundert mich doch sehr. Entweder man ist mittlerweile blind dafür geworden, dass man es zu seinem Hobby auserkoren hat öffentlich Gift zu verspritzen oder man bedenkt nicht, dass es sich um einen öffentlichen Raum handelt, in dem das alles geschieht.
Wenn ich mich hämisch, spöttisch und verächtlich über die Lebensart von anderen lustig mache, dann muss ich mit eventuellen Reaktionen rechnen. Sich darauf zu berufen "dass das eben der gängige Tonfall wäre" und "man sich eben nicht so anstellen müsse" ist ein Witz. Allerdings sind es genau die, die dann kurz später herumbrüllen, dass sie von den bösen Veganern angegriffen würden und Toleranz einfordern. Wie sagt man: Wie man in den Wald hineinruft so schallt es zurück.
Man ist eben nicht mit Freunden auf der Couch und Lästereien, die man vielleicht nichtmal ganz ernst meint sind eben ein Angriff auf andere, auch wenn das vielleicht nicht so intendiert war, sie stehen im Raum und viele Millionen User können darauf zugreifen. Vielen scheint hier das Reflexionsvermögen zu fehlen, man schreibt etwas, weil man es spontan witzig findet, überlegt aber nicht, wie es bei jemandem, der sich für diesen Lebensstil entschieden hat, ankommen muss, geschweige denn was passiert, wenn die Person die man belächelt selbst das Geschriebene zu lesen bekommt. Ob tatsächlich alle Aussagen witzig und/oder richtig sind sei hier auch dahingestellt.
Vielleicht noch fataler: Man wehrt sich mit Verallgemeinerungen und Gemeinplätzen gegen den Diskussionsgegner. Nicht derjenige, mit dem ich mich momentan kabbele ist unverschämt oder aggressiv, diese Attribute werden gleich der gesamten Gruppe zugeschrieben. Dass es eine schweigende nicht diskutierende Mehrheit gibt, dass meistens nichtmal die Schreihälse in der Überzahl sind, sondern nur am deutlichsten herausstechen wird beiseite gewischt. "Bis gestern hatte ich gegen Veganer nur ein Vorurteil, heute habe ich mir ein Urteil gebildet."

Ebenso scheinen viele vollkommen außer Acht zu lassen, dass es sich um eine Fernsehsendung handelt. Da wird geschnitten, teils nach Drehbuch agiert, ein nicht realitätsgetreues Bild der einzelnen Teilnehmer gezeichnet, das immer wieder ähnliche Rollenverteilungen variiert: In diesem Fall war eben Kim der gewollte Reibungspunkt, wäre sie nicht gewesen, hätte das Los wohl die Pescetarierin getroffen oder man hätte eine Muslimin oder eine Hinduistin casten müssen. Möglich und auch immer wieder gerne genommen sind Menschen, die zwar alles essen, aber schlicht polarisieren, es soll ja schließlich nicht langweilig oder zu durchschaubar werden. Nötigenfalls kann man auch aus einer relativ normalen Person durch den richtigen Schnitt eine Zicke machen.
Der gebetsmühlenartig vorgetragene Satz "Veganer hätten beim perfekten Dinner nichts zu suchen" ist eine derartig bodenlose Frechheit, dass ich mich frage, ob das wirklich ernstgemeint sein kann. Wer bei einem solchen Format mitmacht, der weiß, dass VOX alles tun wird um ihn aus dem Konzept zu bringen. Ob es nun jemand ist, der unter dem perfekten Dinner Currywurst mit Pommes versteht oder eben jemand der vegan lebt, ist dabei auch vollkommen irrelevant, die Köche sind sich der Möglichkeit, dass jemand "schwierigeres" dabeisein könnte bewusst und das stellt eben auch die Herausforderung dar, denn schlussendlich ist das auch das Erfolgsgeheimnis der Sendung. Wer mitmacht ist sich von vornherein im Klaren, dass er eventuell einen Notfallplan brauchen könnte und bisher waren ja auch alle recht dankbar, auch wenn sie nur gebratene Räuchertofuscheiben bekommen haben, während ein Pescetarier mit zwei extra ausgepackten Räucherlachsscheiben als Alternative vermutlich weniger zufrieden ist. Für die Kochrunde mag es vielleicht handwerklich am einfachsten sein in einer Runde mit einem lediglich polarisierenden Gegner gesteckt zu werden, menschlich sind solche Runden aber vermutlich schwerer zu ertragen, als wenn man statt dem Räucherlachs auf den selbstgekauften Veggie-Schinken aus dem Reformhaus zurückgreifen muss.
Wenn ich mich dem nicht stellen kann oder möchte, dann sollte ich bei einem der unzähligen anderen Kochformate mitmachen, denn da muss ich mich nicht nach Hobbyköchen und deren Vorlieben richten, die eben den Spaßfaktor ausmachen und der Fokus der meisten Sendungen liegt auch mehr auf dem Handwerk als auf der Sympathie. Schlussendlich zwingt man mich aber auch zu nichts: wer nicht vegan kochen will, dem bleibt der Griff zum Convenience-Produkt oder die Option Salat anzubieten. Theoretisch kann man den Gast vermutlich auch hungern lassen.
Die Ansage "du hast hier nichts verloren" ist aber nicht nur aus der Logik der Sendung heraus falsch (interessanterweise bewerben sich die meisten veganen Kandidaten nicht bei dem Format, sondern werden von VOX angesprochen) sondern auch menschlich fragwürdig. Nur weil mir der Ernährungsstil eines anderen nicht passt, nicht meinem eigenen entspricht oder für mich nicht nachvollziehbar ist, kann ich mich nicht darin verbeißen, dass ich "ältere Rechte" an einem Format habe. Eigentlich habe ich weder als Zuschauer noch als Bürger das Recht einzufordern was andere essen und/oder zubereiten sollen. Wenn mich veganes Kochen nicht interessiert, steht es mir frei den Fernseher auszuschalten oder eine Dinnerrunde zu überspringen, genau das wird aber nicht getan: stattdessen bleibt man erst recht dran und geifert vor sich hin "die können morgen alle nicht aufs Clo, wegen den vielen Balaststoffen" (so im Original).
Schlussendlich bleibt von der Aussage aber eins: Ihr gehört nicht dazu und sollt nie dazu gehören. Das verleugnet Realitäten. Veganer gibt es nunmal, auch wenn das in Kochcommunities nicht gerne gesehen wird (siehe bspw. Chefkoch.de-Forum), vegan ist eine Lebensweise in der man sich viel mit kochen auseinandersetzt. Jeder Veganer den ich kenne, kann mir im Schlaf aufsagen, was in einen Pizzateig und was in einen Mürbteig gehört (sowohl in der veganen als auch in der unveganen Variante), bei meinen Kommilitonen kann man froh sein, wenn sie wissen bei welchem Discounter man den im Kühlregal findet.
Es unterstreicht aber auch noch eine andere Erfahrung: Veganes Essen wird als eine Art Körperverletzung begriffen. Nun hat jeder schonmal vegan gegessen. Ob dabei Seitan oder Tofu auf der Speisekarte standen sei mal dahingestellt, aber schon Nudeln mit Tomatensoße sind vegan. "Und wenn schon die anderen Kandidaten gezwungen werden das veganische zu essen, dann soll gefälligst auch die Veganerin über ihren Schatten springen und Fleisch essen" (aus dem Gedächtnis zitiert).

Ich finde das unheimlich schade. Zum einen weil ich nicht gerne ausgegrenzt werde. Entgegen der Vermutung einiger lebe ich nämlich nicht so, weil ich Aufmerksamkeit auf mich ziehen will oder mich krampfhaft in den Mittelpunkt drängen möchte. Meine Entscheidung vegan zu leben (wenn ihr möchtet schreibe ich dazu mal einen ausführlicheren Post) ist geprägt von dem was ich selbst erlebt und erfahren habe, aber auch von wissenschaftlichem Background. Zudem bin ich überzeugt, dass vegan nicht gleich ein weniger an Genuss sein muss. Ich koche anders und verwende andere Produkte als die meisten Menschen um mich herum, aber deswegen ist es nicht unbedingt schlechter. Die Unmenge an veganen Kochblogs beweist wie vielfältig die vegane Küche sein kann und ist. Weswegen muss man sich dem verschließen, nur weil man auch Fleisch isst? Ein Besuch bei einem Inder hinterfragt doch auch nicht meine Vorliebe für Kalbsschnitzel, weswegen solle ein Gericht auf Tofubasis dann ein Angriff auf meinen Lebensstil darstellen?
Niemandem schadet es sich mal etwas abseits der bereits eingetretenen Pfade aufzuhalten, das gilt für den üblichen Dinnerkoch genauso wie für den langjährigen Veganer.

Es ist schade, dass man sich aufgrund solcher Formate verfeindet gegenübertritt und dass da ein Riss durch die Hobbykochwelt gehen muss. Kürzlich verlinkte ein Freund von mir auf Facebook ein Rezept aus einem veganen Blog. Die Reaktion war: "boah, Alter, sag nicht, dass du jetzt vegan geworden bist." War er nicht, es schmeckt ihm einfach. Aber eine wertfreie Beschäftigung mit der veganen Küche scheint unmöglich zu sein.
Noch bedauernswerter finde ich, dass viele nichtmal einsehen wollen, dass man sich durch solche Aussagen diskriminiert fühlt. Ein "Veganer gehören nicht ins perfekte Dinner, ich brat mir jetzt erstmal ein Porterhouse-Steak" ist ganz offensichtlich nicht dazu ausgelegt eine Basis zu schaffen auf der man koexistieren oder vernünftig diskutieren kann. Ebeno ist aber auch ein "Leichenfresser sind assoziale Klimakiller und Menschenfeinde, hoffentlich stirbst du bald an einem Herzinfarkt" nicht hilfreich. Und auch wenn ich diese Ausbrüche als ein Problem von Internetdiskussionen klassifizieren würde und ehrlich davon überzeugt bin, dass viele von denen die sich im Rahmen einer Scheinanonymität zu Aussagen hinreißen lassen, die sie so nicht tätigen würden, wenn ihr Diskussionsgegner ihnen leibhaftig gegenüber stehen würde, bestimmt es mittlerweile das öffentliche Bild eines Konflikts, dessen leidtragende in erster Linie nichtmal die Veggies oder Nicht-Veggies sind, sondern diejenigen, um die es eigentlich vordergründig gehen sollte: Die Leidtragenden des erhöhten Fleischkonsums.


Trotz alledem: vielen Dank an Kim und die restlichen Teilnehmerinnen der Runde für die kurzweilige Unterhaltung während der letzten Woche.

Mittwoch, 13. Juni 2012

Jagdlicher Abschuss von Haustieren

Ein sehr emotionales Thema, das ich nicht weiter kommentieren möchte.
Trotzdem eine wichtige Information, vor allem für diejenigen, deren Fellball gerne allein durch die Gegend stromert.







Weiterführende Links:

http://www.peta.de/web/haustierabschuss.2762.html

Sonntag, 10. Juni 2012

Rechtfertigungen

Auch wenn es eine erfolgversprechende Strategie ist, ich versuche nicht emotional zu diskutieren. Hitler, Kinder und Welpen dienen vielleicht als passable Totschlagargumente, wenn man jemanden in eine Ecke drängen möchte, eine richtige Diskussion können sie aber nicht ersetzen.

Zu den oben genannten Beispielen hat sich seit einiger Zeit ein Wort gesellt, das eigentlich aus dem eher rechten Spektrum stammt, mittlerweile aber inflationär in Kommentarspalten zu finden ist: Der Gutmensch.
Gutmenschen sind, so die scheinbare Definition, Naivchen, die moralinsauer durch die Welt laufen, anderen ihre kleinen Alltagsfreuden madig machen oder einfach nur wegen allem und jedem den Zeigefinger heben, um sich abfällig kritisch zu äußern.

Umso erstaunlicher die Gegenstrategie: Kaum scheint man einen solchen Gutmenschen vor sich zu haben, wird alles an gefühltem Halbwissen ausgepackt, was man so auffahren kann: Kinderarbeit, brasilianische Urwälder, Pandabären. Besonders beliebt ist die Kombination mit einer Phrase wie "haben wir keine wichtigeren Probleme". Denn anstatt die Naivität des anderem aufzuzeigen ergeht man sich in entschuldigenden Gemeinplätzen, die selbst ein gewisses Maß an Uninformiertheit vermuten lassen.

Ein aktuelles Beispiel ist die Reaktion vieler auf die Proteste gegen die Streunertötungen in der Ukraine.
Alleine heute habe ich Kommentare von "das ist nichts gegen die WM 78 in Argentinien und die wurde schließlich auch nicht boykottiert, weswegen sollte ich mir also ein schlechtes Gewissen machen lassen" bis "ich werde meinem Sohn nicht verbieten Fußball zu sehen, der ist vier und das ist sein größter Spaß und wer Schokolade kauft, sollte sowieso ruhig sein, denn da ist, egal wo sie herkommt, immer Kinderarbeit im Spiel" gelesen. Zusätzlich sind es wie immer die "aggressiven Tierschützer" die einem jeden Spaß verderben wollen, dabei könne man sich nichts vorwerfen lassen, man greife schließlich immer zu den Freilandeiern und auch meistens zu der Biomilch, Fleisch kaufe man ja sowieso nur beim Metzger des Vertrauens, der jedes einzelne der natürlich vorbildlich gehaltenen Tiere persönlich kennt. Dass die Diskussion allerdings dadurch entstanden ist, dass man selbst das Foto oder Banner eines solchen Tierschützers (die oftmals, zumindest in meinem Freundeskreis eher Hunde- und Katzenschützer sind) kommentiert hat und sich dabei auch nicht an alle zur Wahl stehenden Anstandsregeln gehalten hat, das fällt gerne unter den Tisch. Man ist ja immer hervorragend darin das Fehlverhalten von anderen zu beschreiben, eigene Überreaktionen sind dagegen "menschlich".

Aber nicht nur da:
In unserer Universität gibt es seit kurzem fair gehandelten Kaffee, Tee und Co. Ich kaufe aus Prinzip nur fairen Kaffee, finde mich aber, obwohl ich das kommentarlos tue, oft in der Position mich für dieses Prinzip verteidigen zu müssen.
Es ist immer schwer sich selbst einzuschätzen. Ich glaube das geht jedem so und Menschen, die vermitteln, dass sie ganz genau wüssten, wie sie auf andere wirken, beäuge ich erstmal misstrauisch, trotzdem behaupte ich hier einfach, dass ich mein Möglichstes versuche nicht unangenehm aufzufallen. Vor allem wenn es um Konsumfragen, fairen Handel, Tierrechte und Co. geht, in solchen Fragen versuche ich kompetenter Ansprechpartner zu sein, nicht anklagende Werbetafel. Ob mir das immer und 100%ig gelingt sei nun dahingestellt (hier möchte ich gerne den oben bereits erwähnten "menschlich"-Joker ziehen), aber ich arbeite an mir und daran mein Gegenüber nicht anzugreifen. Es gibt ein paar wenige Themen zu denen ich tatsächlich deutlich werde, unter anderem Pelz (bei dem ich meine Missbilligung einfach nicht zurückhalten kann), gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit (irrelevant ob Rassismus, Antiveganismus oder Homophobie,...), aber noch ein paar mehr.
Nun stehe ich als jemand der versucht bewusst zu konsumieren häufig in der Pflicht mich verteidigen zu müssen, ich werde von meinem Gesprächspartner abgeklopft, damit man doch ein Stückchen Inkonsistenz in meinem Weltbild findet (das im Übrigen selbstverständlich vorhanden ist, auch hier: "menschlich"), damit Inkonsequenz aufgedeckt werden kann ("defensive omnivore bingo extended") und so weiter.
Ich würde gerne glauben, dass ich einfach nur dünnhäutig bin, wenn es um derartige Themen geht. Dass ich Smalltalk überinterpretiere, einen Angriff in ein Verhalten hineinlese, der keiner sein sollte und mit ein bisschen mehr Gelassenheit an solche Situationen herangehen könnte.

Manchmal ist eine Zigarre nur eine Zigarre, wusste schon Freud. Aber je länger ich dieses Phänomen beobachte, desto deutlicher wird mir, dass ich entweder eine viel zu subjektive Perspektive einnehme oder (und das ist mittlerweile ziemlich wahrscheinlich) dass in diesen Gesprächen mehr als nur ein Hauch von Belustigung und Aggressivität mitschwingt.

Mir kommt es komisch vor, dass ich, die ich mich in der Rolle derjenigen befinde, die etwas was sie für nicht tragbar hält nicht tut, auf einmal auf der Anklagebank sitze. Ich finde es nicht richtig, trotzdem lasse ich mich in diese Rolle drängen, in der ich auf einmal diejenige bin, die sich für ihr Verhalten rechtfertigt, nur um nicht anklagend oder missionarisch zu wirken. Ich halte mich deswegen nicht für besser, im Gegenteil: Ich schaffe es oft nicht einmal meine eigenen Mindeststandards zu erfüllen, in welcher Position wäre ich also, jemand anderen anzuklagen?
Ich entscheide mich, bestimmte Dinge nicht zu unterstützen, weil ich sie nicht vertreten kann. Weswegen fühle ich mich also genötigt die Rolle derjenigen einzunehmen, die sich dafür zu entschuldigen hat? Ich versuche minimalinvasiv zu leben, soweit das möglich ist, es klappt bei weitem nicht durchgängig (das entschuldigende aber spare ich mir lieber). Auf der anderen Seite entscheide ich ebenfalls, dass ich bestimmte Dinge unterstütze, weil ich sie gutheiße.
Weswegen muss man sich dadurch angegriffen fühlen?

Als ich das erste Mal in meinem Leben auf Menschen getroffen bin, die anders lebten als ich, gefühlt "richtiger", fand ich das interessant, ich wollte ihre Beweggründe kennenlernen, weil es mich interessiert wie Menschen entscheiden, wofür sie sich entscheiden und wo ihre Prioritäten liegen. Vielleicht/bestimmt habe ich auch dumme Sachen gesagt. Irgendwelche Floskeln von wegen "ich finde das unglaublich spannend und richtig, aber ich könnte das nicht." Sollte das jemand lesen, dem ich damit auf die Füße getreten bin, so bitte ich aufrichtig um Entschuldigung.

Woher kommt das alles?
Ich würde es zum Teil auf die Prinzipien zum höflichen Umgang schieben, die man erlernt hat. Konsum gilt als höchstpersönliche Entscheidung und ist bis auf wenige Ausnahmen kaum angreifbar.
Wir wollen uns zwar über fürchterliche Arbeitsbedingungen in Bangladesh beschweren, ich kenne niemanden, der die Haltungsbedingungen der meisten Tiere nicht grausig und ihren Tod unwürdig findet ("ich bin ja nicht generell gegen das Essen von Tieren, aber ich finde man sollte sie gut behandeln und ihnen einen würdevollen Tod ermöglichen" ein Standardsatz), trotzdem ist das etwas, was beim Essen oder bei REWE vor der Kühltheke nicht thematisiert werden darf. Wir wollen unseren Spaß und den, egal was daran hängt, möglichst ungestört genießen dürfen. Das haben wir so gelernt.
Uns ist klar, dass Schuhe für 20€ nicht sein können, außer wenn in manchen Produktionsschritten massiv eingespart wird, trotzdem wollen wir, wenn wir sie unseren Freunden vorführen ein "wow" und kein "da gabs doch neulich eine Doku, da wurden die gleichen von 10jährigen hergestellt" hören. Kaum jemand würde für 4 Hühner den Preis von 2€ ansetzen, ihre Beine sind aber tiefgefrostet zu diesem Preis zu bekommen. Wer würde Indios vertreiben, Urwälder roden oder Orang-Utans abschießen? Kekse mit Palmöl essen wir trotzdem.
Das liegt auch daran, dass die Welt so undurchsichtig geworden ist. Ein Keks ist ein Keks und kein Baum und erst recht kein gerodetes Stück Urwald, ein Hühnchenschlegel hat mit dem Huhn keine Gemeinsamkeit mehr mit dem Soja aus Brasilien aber erst recht nicht, ein Schuh ist wahlweise schön oder hässlich, was denjenigen angeht, der ihn in Bangladesh zusammengeklebt hat: Uninteressant, weil anonym.

Und: Wir sind überfordert.
Ich befasse mich mit diesen Themen seit meiner Kindheit. Trotzdem entdecke ich durchgängig neue Baustellen. Oft denke ich mir: Jetzt auch noch das? Was bleibt mir denn nun noch?
Inkonsequenz ist dabei vorprogrammiert. Irgendwann steht man vor seiner ersten Entscheidung, ob es nun vegan, palmölfrei oder fair gehandelt sein soll, nicht für alles gibt es eine zufriedenstellende Lösung. Manchmal hat man gar nicht die Zeit, um sich neue Kleidung in einem fairen Geschäft zu bestellen, weil man etwas sofort braucht und, seien wir ehrlich, oft fehlt auch das nötige Kleingeld um alles richtig zu machen.
Ausflüchte? Ja. Aber berechtigte, zumindest teilweise. Und wieder: menschlich.

Aber: Haben wir denn keine wichtigeren Probleme?

"Wir"?
Nun: Natürlich kann man argumentativ immer Kinder anführen, die auf Schokoplantagen schuften müssen. Aber relativiert das in irgendeiner Weise das Leid einer 25-jährigen Näherin in Bangladesh? Weswegen sollte das Unrecht an dem einen Ende der Welt das am anderen Ende notwendig und unterstützenswert machen oder geeignet sein es irgendwie zu relativieren?
Würde ich mich in ein Auto setzen und mit dem Verweis auf die toten afrikanischen Kinder, die verhungern oder verdursten dem nächsten Kind das auf der Straße entlangläuft einfach mal nicht ausweichen, würde das keiner vertretbar finden. Handelt es sich aber um anonyme Kinder auf anderen Kontinenten, dann kann ich das als "aufgeklärte Person" selbstverständlich schade und verurteilenswert finden, dass sie unter fürchterlichen Bedingungen schuften müssen, meinen Kaffee lasse ich mir aber doch nicht nehmen, da ich ja nicht auf alles achten kann. Hunde in der Ukraine? Ist ja alles schon schlimm, aber da kann ich ja nichts dafür. Eurovision Song Contest? War auch nicht schön, dass dort Oppositionelle verfolgt wurden und für die Protzarena Familien zwangsumgesiedelt werden mussten, aber der ESC macht doch so großen Spaß und außerdem hat die deutsche Punktevergabe ja dann alles gerettet.
Und es schmeckt halt auch so gut.

Wir wollen die Welt retten, indem wir beim Zähne putzen das Wasser abdrehen. Das spart außerdem Geld.
Und wir retten sie, indem wir beim Discounter dann eben mal zur Bioflugmango greifen. Ist ja immerhin bio.
Wir wollen uns eben mal zurücklehnen dürfen, die Seele baumeln lassen, nicht an das Unrecht in der Welt denken: Menschlich.

Menschlich?

Ist es nicht auch menschlich Mitleid zu haben? Sich für andere einzusetzen, sich stark zu machen, aufzustehen und die Ungerechtigkeit in die Welt hinauszuschreien?
Sind es nicht diejenigen, die wir als Helden feiern, die genau das getan haben? Waren die etwa alle Gutmenschen? Ghandi, Schweitzer, Suttner? Ich bin mir sicher, dass man den Vorwurf heute auch gegen sie erheben würde.
Gutmensch ist ein Wort, das unfassbar hohe Schmähkritik in sich trägt. Es ist derart negativ belegt, eine Mischung aus Verachtung, belächeln und Arroganz schwingt in ihm mit.
Nun ist es also soweit. Wir haben es geschafft, diejenigen zu diskreditieren, die sich richtig verhalten wollen. Empathie und Mitgefühl gelten als peinliche Charaktereigenschaften, etwas worüber man sich ungestraft lustig machen darf. Hagen Rether fand für dieses Phänomen treffende Worte:  "Wir leben in einem Land, wo Frauenversteher und Gutmensch und Pazifist Schimpfworte sind. Haben wir echt gut hingekriegt.“

Findet man es wirklich falscher auf etwas zu verzichten, sich wenigstens in einem Teil einzuschränken, anstatt trotz besserem Wissen alles mitzunehmen, was eigentlich gefühlt nicht ganz in Ordnung ist?
Weswegen wird immer nur nach der Politik gerufen? Die Politik soll dies und jenes für unzulässig erklären, man selbst möchte aber nichts ändern müssen und teurer soll es bitte auch nicht werden. Weswegen ist es so fürchterlich, wenn verschiedene Menschen verschiedene Schwerpunkte setzen? Und wieso fange ich an jemanden für seine Inkonsequenz zu kritisieren, wenn ich selbst keinen Deut besser handle? Sind das alles wirklich lediglich Abwehrreaktionen, so wie die neuerdings diskutierte Psychologie des Karnismus?

Mitleid, Verständnis, das sind alles negativ besetzte Tugenden, sie werden mit Naivität gleichgesetzt. Mit Uninformiertheit. Selbst wenn sie durch Fakten belegt werden, sind sie am Ende: Kindlich, weiblich, unreflektiert, als wäre der Einsatz für andere nur etwas wert, wenn er auf politischen Pamphleten beruht und zur Durchsetzung einer neuen Gesellschaftsordnung dienen soll. Alle anderen bedenken werden "wegrationalisiert": "das kann ich meinen Kindern nicht vermitteln, die sind noch so klein", "das ist schon schlimm, aber ich kann dagegen ja nichts ausrichten", "das ist zu extrem",... die Reihe lässt sich endlos fortsetzen.
Stattdessen treten an die Stelle der eigenen Überlegungen häufig floskelartig wiederholte Pauschalurteile, die man vor allem an einem erkennt: der Verbindung mit den immer gleichen negativen Adjektiven: Veganer sind "militant", Tierschützer "menschenfeindlich" und "aggressiv", Umweltschutzverbände "esoterisch" oder "korrupt" und Menschenrechtsorganisationen sind zwar nett aber dann doch irgendwie "Spendensammler, bei denen man nicht weiß wo das Geld hinkommt".

Macht euch über mich lustig, aber ich mache bei der "leider geil"-Mentalität nicht mit. Ich habe nie behauptet perfekt zu sein, ich habe den Anspruch an mich auch noch nie gehabt.
Es steht jedem frei die Inkosequenz meines Verhaltens zu diskutieren, gerne auch mit mir, aber klagt mich nicht dafür an, dass ich versuche im Rahmen meiner Möglichkeiten zu tun was ich für richtig halte und das zu vermeiden was ich nicht vertreten kann. Macht es besser, lasst mich von euch lernen. Setzt eigene Schwerpunkte. 

Ich bin gerne ein Gutmensch, auch wenn ich die Naivität nicht immer nur an mir und meinem Lebensstil festmachen würde.






Dienstag, 5. Juni 2012

Ekelhaft: Homophobie bei den Katholischen Ärzten

Dieser Post hat ausnahmsweise weder mit Veganismus noch mit Nachhaltigkeit zu tun.

Gestern stieß ich mehr oder weniger zufällig auf einen Link vom Bund katholischer Ärzte.
Ich konnte erst gar nicht fassen, was ich da zu lesen bekommen habe, nachdem ich eine Nacht darüber geschlafen habe, habe ich eine ziemlich entsetzte Email an die Betreiber der Seite geschrieben, da ich eine derartige Betrachtung und Beschreibung von Homosexualität nicht nur uantiquiert sondern schlicht unverschämt finde.

Falls es was zur Sache tun sollte: Ich bin selbst nicht homosexuell, das ist aber vollkommen irrelevant für die Betrachtung der folgenden Zitate:

"die katholische Ärztevereinigung BKÄ stellt Forderungen auf im Umgang mit dem Thema Homosexualität. Im Vordergund dieser Forderungen stehen insbesondere der Leidende und der Therapeut, aber auch die Wissenschaft. Das aktive Schweigen, die Einschüchterungen und der Stillstand / tendenziöse Haltung der Wissenschaft und die ideologischen Betrebungen auf diesem Gebiet sind zu überwinden. 
[...]Wir bitten zur Kenntnis zu nehmen, dass es einen seriösen Therapieansatz für die Homosexuellen gibt, die unter ihrer krankhaften, psychiatrisch auffälligen Neigung leiden.
[...]
Auch wenn seit Jahren vehement und vorwiegend aus ideologischen  Gründen durchgesetzt wurde, Homosexualität nicht als Krankheit zu sehen, möchten wirals katholische Ärzte dem nicht voll zustimmen, sondern klar sagen:
Es gibt viele Ärzte, Psychotherapeuten, Homöopathen, Eltern, Betroffene selber,die die Homosexualität als eine behandlungswürdige, psychische Erkrankung sehen.

Für Homöopathen stellt sich auch die Frage, ob die von einer Syphilis der Vorfahren epigenetisch übertragene' Imprägnierung' sogar zu einerneurologischen Belastung der Nachfahren führt. z.B. Parkinsonismus...) und damit der Begriff "krankhafte Belastung" nahe liegt."

Quelle: 
http://www.bkae.org/index.php?id=993

Ich bin ehrlich entsetzt und schockiert, dass Menschen mit abgeschlossenem Studium solche Texte verbreiten und uns damit in die Prüderie der 50er zurückkatapultieren. Noch dazu wird auf der zugehörigen Stellungnahme auch noch behauptet, dass man damit keine Homosexuellen angreifen würde.

Ich habe dem Bund eine Email geschrieben um ihm mitzuteilen, was ich von dieser Stellungnahme halte. Wer mag, darf sich mir anschließen. 

Sonntag, 3. Juni 2012

Montag gehts los!

TV-Tipps gebe ich eher selten, da ich selbst keinen Fernseher besitze. Was ich mir aber nicht entgehen lassen werde, ist der Auftritt von Vegan-Ikone Kim Kalkowski alias Kim Wonderland beim Perfekten Dinner auf VOX.

Die Geschichte der Veganer beim Perfekten Dinner ist eine Geschichte voller Peinlichkeiten, Missverständnisse und Lästereien. Entsprechend bleibt natürlich abzuwarten, wie das mit Kim werden wird, allerdings bin ich mir bei der Lektüre ihres Menüs ziemlich sicher, dass sie weiß was sie tut und ihre Konkurentinnen einen beeindruckenden Blick in die vegane Küche werfen dürfen. Positiv ist natürlich hervorzuheben, dass Kim als erste Teilnehmerin kochen darf, damit kann sich der Rest der Dinnerköche auf "die Veganerin" einstellen.

Wer wie ich keinen Fernseher aber einen DSL-Anschluss hat und nur alle Jubeljahre mal das Fernsehprogramm nutzen möchte, kann via Suchmaschine einfach mal "livestream VOX" suchen. Es gibt eine Vielzahl an Anbietern, nervtötend ist und bleibt zwar die Erwachseneninhaltwerbung, die man wegklicken muss, aber für Kim nehme ich das gerne auf mich.

Los gehts am 11. Juni 2012 auf VOX. knapp zwei Wochen lang kann man die Folge dann noch kostenlos auf VOXnow.de ansehen.

Sind Kerzen eigentlich vegan?

Kerzen sind ein Thema um das ich mir eigentlich kaum Gedanken gemacht habe, da ich zum einen so gut wie nie welche kaufe, zum anderen aber auch nie welche anzünde.
Spätestens seit die Katze bei mir eingezogen ist, hat sich das Thema Kerzen sowieso erledigt. Allerdings musste ich vor ein paar Monaten eine kaufen und stieß in der Drogerie auf eine rein pflanzliche Kerze, die mich stutzig gemacht hat. Dass es Bienenwachskerzen gibt war mir auch davor schon klar, allerdings hatte ich bis dato tatsächlich noch keinen Gedanken daran verschwendet, woraus die üblichen Kerzen eigentlich gemacht werden und ich glaube, dass es vielen da ähnlich geht, weswegen ich euch ein paar Informationen zusammengetragen habe:

Im Handel werden meist Kerzen aus Bienenwachs, Stearin oder Paraffin angeboten.


eher nicht vegan: buddhistische Butterlampen
die Rechte an dem Bild liegen bei L. Seifert

Bienenwachskerzen
Bienenwachs das älteste, schon seit Jahrtausenden genutzte Material für die Kerzenherstellung: der Imker entnimmt dem Bienenstock die Honigwaben, nach dem Herausschleudern des Honigs bleiben die Wabenwände übrig, diese bestehen aus Wachs, welches weiterverarbeitet wird. Beim Thema Honig scheiden sich bekanntlich die veganen Geister, inwieweit man Bienenwachs für vertretbar hält, muss man selbst entscheiden.


   
   
 



Paraffinkerzen

Paraffin ist ein Brennstoff, der aus Erdöl gewonnen wird, es handelt sich bei Paraffin nicht um reines Erdöl. Reine Paraffinkerzen wären somit wohl vegan (endgültige Aussagen über die Verarbeitungsschritte kann ich nicht machen, da ich nichts dazu gefunden habe), allerdings hängt an Erdöl ein Rattenschwanz ökologischer Probleme, weswegen ich zu dem Fazit kommen würde, dass Erdölkerzen wohl vegan, aber nicht nachhaltig, umweltschonend oder ökologisch verantwortungsvoll sind. Paraffinkerzen sind zumeist als günstige Presskerzen (viele Teelichter) zu kaufen, generell gelten sie als Kerzen minderer Qualität, da sie ungleichmäßig abbrennen.
Zum Thema Erdöl und Umwelt möchte ich nur kurz auf eine bei Greenpeace als PDF einsehbare Broschüre hinweisen: Hier zu finden




Stearinkerzen

Teelichter
images courtesy of AarinFreePhoto.com
Bleiben Stearinkerzen, diese dürften den Großteil der auf dem Markt befindlichen Kerzen ausmachen.
Stearin ist ein Stoff, der vornehmlich aus pflanzlichen Fetten (pflanzliche Fette sind im Handel nahezu ausschließlich entweder Palm- oder Kokosfett) gewonnen wird, oft aber bis zu einem Satz von ca. 20% auch tierische Fette beinhaltet. Hierbei handelt es sich meistens um Schlachtabfälle, also Rindertalg und Co.
Mir sind in Drogerien mittlerweile bereits Kerzen aus "nachhaltigem und rein pflanzlichem Stearin" aufgefallen, diese wären zumindest relativ sicher vegan, während Nachhaltigkeit in Verbindung mit Palmöl leider häufig ein leeres Versprechen ist. Da ich mich aber nicht mit den jeweiligen Anbietern auseinandergesetzt habe, möchte ich dazu keine voreiligen Schlüsse ziehen.

Zudem gibt es natürlich noch Mischformen aus den genannten Materialien.



Sind Kerzen nun vegan?

Nein, nicht generell. Lediglich reine Paraffinkerzen und rein pflanzliche Stearinkerzen sind tierproduktfrei. Bei den anderen konventionellen Kerzen sind die Rohstoffe allerdings auch nicht besser zu beurteilen.
Zu beachten sind natürlich auch immer die Dochte, diese bestehen meistens aus geflochtenen und gewachsten Baumwollfasern.


Was gibt es für Alternativen? 

Das Internet ist mittlerweile voll von Angeboten. Zum einen kann man in kleinen Manufakturen (teilweise mit veganer und/oder nachhaltiger Ausrichtung) oder veganen Onlineshops Kerzen beziehen, zum anderen bieten vor allem die DIY-Portale etsy und Dawanda eine große Auswahl an handgefertigten veganen Kerzen. Oftmals wird von den jeweiligen Anbietern auch der Nachhaltigkeitsaspekt berücksichtigt. Wer im Gegensatz zu mir nicht nur alle Jubeljahre mal eine Kerze kauft, kann Geld sparen, indem er seine Kerzen selbst herstellt und hat, kunsthandwerkliche Fähigkeiten vorausgesetzt, die Möglichkeit individuelle und farblich auf die Wohnung abgestimmte Kerzen für kleines Geld zu bekommen.

Empfehlungen für Shops möchte ich hier nicht aussprechen, da ich selten bis nie Kerzen kaufe, wer gute Erfahrungen gemacht hat, darf aber gerne einen Kommentar hinterlassen.