Sonntag, 23. Dezember 2012

Vegan Wednesday zwischen den Jahren - Info&Sammelpost





Das Jahr neigt sich dem Ende und eigentlich sollte der 21. Vegan Wednesday stattfinden, doch dank eines Facebookkommentars haben wir uns das nochmal überlegt und es gibt für diese Woche eine kleine Änderung:

Statt eines "normalen" Wednesday-Boards gibt es ein Feiertagsboard, auf dem wir eure Festtagsessen vom 24.12.-3.1. sammeln, also ganz viel Platz für weihnachtliche Festmenüs und tolle Silvesterparties!
Da die Traditionen in verschiedenen Familien ja recht unterschiedlich sind und wir alle wissen, dass Weihnachten, Neujahr und die Tage dazwischen gerne in Stress ausarten, habt ihr auch extra viel Zeit: Bis zum 5.1.2013 nehmen wir eure Beiträge an, kommentiert dazu einfach wie gewohnt unter diesem Post hier und hinterlasst mir den Link zu euren Bildern, ihr dürft aber auch gerne eure Bilder auf unsere FB-Seite hochladen oder den Link zu zB einem öffentlichen Fotoalbum hinterlassen. Gerne dürft ihr dieses Mal auch mehrere Beiträge einreichen!
Da das natürlich heißt, dass es in der Zeit keinen "richtigen" Vegan Wednesday gibt und deswegen gleich zwei ausfallen, verlinken wir dieses Mal mehr Fotos, es lohnt sich also definitiv mehrere Essen, auch die außerhalb der Feiertage zu fotografieren. Und wer Lust hat, kann natürlich auch weiterhin seine Mittwochsessen hochladen, auch die finden ihren Platz auf dem Board - garantiert!
Falls ihr noch panisch nach Weihnachtsideen sucht, findet ihr vielleicht noch die ein oder andere Inspiration in den bisherigen Boards zum Vegan Wednesday.

Also: Kamera bereithalten, denn dieses Mal gibt es ein riesiges Board mit all euren Festtagsideen und Gerichten!


Wir sind schon gespannt darauf mit welchen Festtagsideen ihr aufwartet und freuen uns auf viele weitere Vegan Wednesdays im neuen Jahr! Danke an alle, die die Aktion bisher mitgetragen haben!

Euch schonmal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch, ich hoffe ihr verbringt ein schönes Weihnachtsfest.

Allen meinen  Lesern wünsche ich frohe Weihnachten, einen tollen Start ins neue Jahr und wunderschöne Feiertage!

Samstag, 22. Dezember 2012

Resteessen am Mittwoch


Mein Frühstück ist diese Woche wieder ausgefallen, ich kann mich einfach nicht dazu aufraffen...
Außerdem gabs natürlich das obligatorische Schokostück aus dem Adventskalender, das aber schneller weg war als ich die Kamera zücken konnte. Der Rest entstand aus dem, was noch im Kühlschrank auf seine Verwertung wartete, denn auch ich bin über die Feiertage aushäusig.

Gesammelt wird diese Woche bei Regina.

Für den vegan wednesday während der Feiertage kommt noch eine gesonderte Ankündigung, man darf also gespannt sein! 










mittags: gebackener Räuchertofu mit mediterranen Kräutern, dazu Ofengemüse (Petersilienwurzel&Karotte) und Kartoffelpü mit Kürbiskernöl








abends: Bratkartoffeln mit Räuchertofu und Wirsing






dazu: Salat aus Rucola und Romana mit Pizzabrotstangen

Mittwoch, 19. Dezember 2012

Kein Palmöl - ist Sojola eine Alternative?

Ich trage diesen Post schon ein wenig mit mir herum, weil mir eigentlich nicht daran gelegen ist, irgendwelche Produkte herauszupicken und schlechtzureden, schlussendlich müsste man dann noch an ganz anderen Punkten ansetzen, bei Sojola liegt die Sache aber vor allem deshalb anders, weil es häufig als "gute Alternative" zu Alsan und Co vorgeschlagen und in Diskussionen meistens reflexartig als palmölfreie Margarine genannt wird.



Sojola ist palmölfrei, daran besteht für mich momentan kein Zweifel, zwar lässt sich das aus der Liste der Inhaltsstoffe nicht zweifelsfrei entnehmen, aber ich gehe davon aus, dass die entsprechenden Produktanfragen korrekt beantwortet wurden und die nicht näher deklarierten Zutaten palmölfrei sind, zum Vergleich hier die Zutatenliste:

Pflanzliche Öle (Sojaöl und Sojaöl gehärtet (64%), Kokosöl) Wasser, Emulgatoren: Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren, Lecithin (Soja), Citronensäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren, Salz (0,5%), Aromen, Säuerungsmittel: Citronensäure, Farbstoff: Beta-Carotin, Vitamine A und E. 

Laut Inhaltsstoffliste besteht Sojola mehrheitlich aus Soja (wie ja auch der Name schon vermuten lässt), woher dieses kommt lässt sich in den FAQ von Sojola nachlesen:

Welche Herkunft hat das für die Herstellung von Sojola verwendete Sojaöl?Vandemoortele bezieht seine pflanzlichen Öle und Fette auf dem internationalen Rohstoffmarkt. Aufgrund weltweiten Anbaus von Sojabohnen und der globalen Lieferkette werden diese aus verschiedenen Quellen vermengt. Daher können wir den genauen Ursprung des Sojaöls nicht garantieren. Der Bedarf der Vandemoortele-Gruppe ist bei weitem nicht groß genug um direkten Einfluß auf die Lieferkette von Sojabohnen zu nehmen. Wir sind daher dem "Round Table on sustainable Soy" beigetreten. Durch unsere Mitgliedschaft in dieser unabhängigen Organisation hoffen wir, den Übergang zu einer nachhaltigen Lieferkette für Sojaöl positiv zu stimulieren.

Neben der reflexrtig hinterhergeschobenen "Entschuldigung" findet sich auf der gleichen Seite außerdem noch folgender Hinweis:
Für unser Sojola-Produkte verwenden wir ausschließlich „IP-Soja" (IP = Identity Preserved). Dadurch sind wir jederzeit in der Lage, die Herkunft der verwendeten Sojabohne bis hin zum Erzeuger zurückzuverfolgen.

Nachdem diese Information sogar an erster Stelle der FAQ steht, drängt sich die Frage auf, weswegen die Herkunft nicht genauer angegeben wird, was allem aufgrund der Tatsache verwunderlich, dass bis vor kurzer Zeit (und über einen langen Zeitraum) in den FAQ und auch auf Anfrage nachzulesen war, dass das Soja aus Brasilien stamme. 
Natürlich kann es sein, dass Sojola seine Einkaufsstruktur verändert hat und nun auch Soja aus anderen Anbaugebieten dazukauft, allerdings erklärt das nicht, weswegen die Länderangaben dann nicht einfach angepasst und erweitert, sondern durch die doch recht schwammige Bezeichnung "Weltmarkt" ersetzt wurden. Der Rechtfertigungsabsatz war auch in der alten Version schon zu finden. 
Eine nicht ganz abwegige Erklärung wäre die, dass vor allem der brasilianische Sojaanbau stark in der Kritik steht, dennder Anbau von konventionellem Soja in dort keinen Deut besser ist, als der von Palmöl. Auch dort werden Kleinbauern enteignet was zu massiver Verelendung führt und der Regenwald für Plantagen zerstört, die Betroffenen sind andere, die Mechanismen und die Probleme aber, obwohl vielschichtig, recht ähnlich gelagert. Auch die Kritik am runden Tisch für Soja ist die gleiche wie die an dem Modell für Palmöl.Heruntergebrochen bedeutet das eigentlich nur, dass es eine Entscheidung gegen Jaguar oder Orang-Utan ist.
Dass der Hinweis auf die Rückverfolgbarkeit des Sojas notwendig ist, dürfte sich daraus erklären, dass viele Konsumenten befürchten, dass in ihrer Nahrung genetisch manipuliertes Soja enthalten sein könnte, dass dann aber nicht gleich das Herkunftsland bzw. die Herkunftsländer offengelegt werden, muss einen als Konsumenten schon ein wenig skeptisch machen. 


Recht aktuell wurde das Thema brasilianisches Soja durch das "Schwarzbuch WWF" von Huismann im letzten Jahr behandelt, denn dieser beschreibt sehr plastisch die Auswirkungen des Anbaus für Mensch, Tier und Natur. 
Hätte sich Sojola aus diesem Markt zurückgezogen und würde stattdessen aus anderen Quellen aufkaufen, gäbe es keinen Grund die Herkunft nicht offenzulegen, im Gegenteil: Biofirmen, allen voran diejenigen die Veggie-Lebensmittel aus Soja produzieren, veröffentlichen oft schon auf ihren Homepages die Herkunftsländer und gegebenenfalls sogar die -kooperativen wenn sie es aus dem außereuropäischen Raum beziehen oder sind zumindest auf Nachfrage bemüht klarzustellen, aus welchen Gebieten sie importieren und klarzustellen, dass für ihr Soja kein Urwald gerodet wurde. Dass Sojola nicht ausschließlich von Biobetrieben außerhalb der kritischen Gebiete beliefert wird, legt auch der Absatz über die Teilhabe am runden Tisch für nachhaltiges Soja nahe,

Bei Sojola bleibt daher ein bitterer Nachgeschmack, als ethisch korrekte Alternative zu palmölhaltiger Margarine kann sie leider nicht empfohlen werden. Für mich klingt die Anpassung der FAQ so, als würde bewusst vom Problemfeld Soja abgelenkt werden, so dass man weiterhin die gute Alternative zu Palmöl geben kann.


Weitere Infos zum Sojaanbau im Amazonas: 

Greenpeace
Faszination Regenwald
Spiegel von 2006

Samstag, 15. Dezember 2012

Essen am Mittwoch



auf dem Weg ins Bett noch kurz mein letzter Mittwoch in Bildern:
(teils auch gedreht wei ich grad keine Zeit mehr hab mit nem Programm drüberzugehen)








morgens: Haselnussmilch-Chai und Karotte


vormittags: Moo Free Kalenderschokostück




mittags: Kartoffeln und Petersilienwurzeln in Mandelmilchsoße



abends: Rosmarinrouladen (wheaty) mit Kartoffeln und Austernpilzsoße





Salat aus Gurkenspaghetti, Romana und Paprika






Donnerstag, 13. Dezember 2012

Mein Senf zur (immer mal wieder) aktuellen Diskussion

Derzeit geistern ja viele Posts und Meinungen durch die "vegane Community" in denen man sich gegenseitig versichert, dass man eigentlich schon alles richtig macht und dass man nun bitte aber auch mal mit dem ganzen Rest in Ruhe gelassen werden will und auch ein Recht darauf hat. Da mein Blog nun zu denen gehört, die die angessprochenen und kritisierten Themen wohl mit am deutlichsten thematisieren und ich die Diskussion schon seit geraumer Zeit verfolge, möchte ich nun auch mal ein Statement zu diversen Punkten abgeben.


1. Der Superveganer

Es mag auf Facebook, in Foren und vielleicht sogar am Veggie-Stammtisch die Spezies des Superveganers geben, desjenigen, der vermeintlich alles viel richtiger und viel besser macht und allen anderen mehr oder weniger penetrant erklärt, dass ihr Lebensstil der sprichwörtliche Holzweg ist, je nach Penetranz vielleicht sogar der Fahrstuhl direkt ins glühende Gehenna.
Solche Leute gibt es immer und überall, es gibt die Alternativen, bei denen man nicht dazugehören darf, weil der Pulli nicht aus peruanischem Lamawollgarn ist, die Rockabillys, deren Hauptlebensaufgabe darin besteht "Fakes" zu identifizieren und als Modeerscheinung zu geißeln, Gothics, die, wenn du ihnen auf der Straße vorgestellt wirst als erstes deine Begleitung für die Farbenpracht deiner Bekleidung anraunzen und manch einer berichtet sogar von Trotzkisten, denn wie wir alle wissen sind Trotzkisten generell Spalter. All das und noch viel mehr habe ich selbst schon erlebt.
Das ist ein vollkommen natürlicher sozialer Prozess, es gibt immer diejenigen, die sich für die wahren, richtigen, einzigen und besten halten, so wie es in jedem Kaff den selbsternannten Blockwart gibt, der darauf aufpasst, dass niemand falsch parkt, die Hecke geschnitten ist und die Töchter auch brav und keusch mit überkreuzten Beinen um 7h auf Mutterns Couch sitzen. Das ist ein bestimmter Menschenschlag, eine soziogische Rolle innerhalb einer Gemeinschaft, die eben irgendjemand besetzt der die Disposition dazu hat. Nun kann man, wie das einige tun, dadurch auf alle schließen. Jeder Veganer kennt das doch bereits, denn diese Leute sind diejenigen die am allerlautesten krähen und im Zweifelsfall die einzigen Veganer, die der momentan anwesende nicht-vegane Gesprächspartner schonmal irgendwo wahrgenommen hat. Sie tauchen aber auch überall auf: In Kommentarspalten, in Facebookdiskussionen, werfen in jeder noch so unpassenden Situation ihr "go vegan" in den Raum und kloppen sich dann mit den Gegenreaktionen.
Nun ist die vegane Szene eben auf einmal mit jenen konfrontiert, die genau dieses "Diskussions-Muster" auf die restlichen Veganer anwenden.
Man kann trefflich darüber streiten, ob Palmöl, nicht-faire Schokolade oder brasilianisches Urwald-Soja nun unter den Begriff "vegan gefasst werden können oder nicht. Es gibt, um das kurz zu skizzieren hier zwei Argumentationsschienen:
Die einen sagen, dass nur diejenigen Produkte, die vom Tier oder mit Hilfe vom Tier produziert werden unter den Begriff "unvegan" fallen. Somit wären oben genannte Produkte pflanzlich vegan.
Andere wenden ein, dass eben auch die Ausbeutungsmechanismen zählen, dass eben auch das als "unvegan" zu bezeichnen ist, was unter Ausbeutung von Tier und Mensch entsteht und dass auch der Lebensraumverlust von Tieren und Artensterben für den Begriff maßgeblich zu beachten sind.
Hier ist nicht der Raum um diesen Streit zu entscheiden, ich tendiere zu der ersten Auffassung, finde aber auch, dass die andere Seite gute Argumente hat und dass dies eine Diskussion ist, die innerhalb der veganen "Szene" geführt werden darf und muss, eine Begriffsdefinition ist schließlich nichts statisches und eine Wandlung und Anpassung von Begrifflichkeiten auch immer wieder zwingende Notwendigkeit, vor allem wenn, wie hier, durchaus ein gewisser Interpretationsspielraum gegeben ist.
Ich habe manchmal allerdings durchaus auch den Eindruck, dass eine solche Diskussion auch deswegen schwierig ist, da sich sehr viele, vor allem Neuveganer, sehr über ihren Veganismus definieren, der ihnen durch eine solche Umdeutung des Begriffes wieder "weggenommen" zu werden scheint. Symptomatisch sehe ich hierfür beispielsweise die Tatsache, dass sehr viele bereits über ihren Nutzernamen in sozialen Netzwerken ihren Veganismus nach außen tragen und sich selbst als "vegan" definieren und dies also als erstrebenswertes oder zumindest angestrebtes Ideal präsentieren, in welchem sie sich schnell angegriffen fühlen, wenn jemand sie, berechtigt oder nicht, auf "Feher" hinweist.
Ich für meinen Teil sehe, das habe ich an anderer Stelle schonmal geschrieben, fairen Handel, Nachhaltigkeit und Co eher als Begleitideale des Veganismus, weil sie in einer ähnlichen bis identischen Weltanschauung wurzeln, die im konkreten Handeln aber aufgrund eigener Prioritäten durchaus unterschiedliche Ausprägungen erfahren darf und in der Realität aufgrund von Prioritätensetzung auch muss.
Weiterhin habe ich den Eindruck, dass viele erwarten eine Community zu finden, in der sie uneingeschränkten sozialen Rückhalt erfahren, viele Menschen (und ich gewinne den Eindruck Veganer vor allem) sind extrem harmoniebedürftig. Für einige scheint entsprechend eine Welt zusammenzubrechen, wenn sie online zum ersten Mal mit einem jener Menschen konfrontiert werden, die etwas unwirscher auf ihre Meinung zu einem speziellen Thema aufmerksam machen.
Und zuguterletzt: Die Diskussionskultur im Internet ist eine andere als offline. Das muss man sich, auch im Hinblick auf vegane Themen, immer wieder vor Augen halten.
Das sind nicht nur die Veganer, die sich online bekriegen, ganz Spiegel Online lebt davon: Apple Fans gegen Apple Hasser, Vegetarier gegen Fleischesser, Homöopathie-Gläubige gegen -Skeptiker, Weltuntergangsphantasten gegen Astronomieanhänger, kreuz.net-Freunde gegen den einigermaßen aufgeklärten und toleranten Rest der Bevölkerung, Attila-Hildmann-Fans gegen die Anhänger von Björn Moschinski, Team Edward gegen Team Jacob und so weiter und so weiter. Nun also auch noch palmöl'freie' gegen diejenigen, die nur tierfrei leben. Ich bin versucht zu sagen: Das ist nunmal so. Vor allem, wenn in diesem Punkt eben die Definitionsfrage aussteht und vielleicht/vermutlich auch nie endgültig geklärt werden wird. Möglicherweise hilft mir bei der etwas gelasseneren Betrachtung mein Studium, denn Juristen sind ja generell der Ansicht, dass neben den herrschenden auch die Mindermeinungen durchaus ihre Berechtigung haben, auch wenn sie ihnen nicht folgen, da sie mindestens Diskussionsanregung bieten und teilweise eben auch Inkonsistenz im eigenen Weltbild/der eigenen Beweisführung aufdecken. Ich wünschte das könnte man zum allgemeinen Konsens erheben und vor diesem Hintergrund diskutieren und sich eben auch mal mit den Argumenten des Gegenübers auseinandersetzen, wenn nicht (und daran kranken nahezu alle Diskussionen dieser Art) überhaupt mal anfangen welche vorzubringen.
Ich gehöre selbst mit zu denjenigen Personen, die diese neue, aggressive Art der Kommunikation verabscheut, ich bin im höchsten Maße darüber irritiert, dass es Menschen gibt, die es sich zum Hobby gemacht haben in amazon-Bewertungen über die literarische Qualität eines Buches zu streiten, mit Gift und Galle gegen jemanden zu spritzen, den sie nicht kennen, ihm vorsorglich mal Dummheit, Unreflektiertheit, usw. zu bescheinigen und sich daran aufzureiben, wie sehr man jemand anderem virtuell ins Gemächt respektive die Eierstöcke treten kann. Ein virtueller Fight Club für diejenigen, die ihre aufgestauten Aggressionen loswerden wollen und im Schutze einer scheinbaren Anonymität jegliche Form von Anstand verlieren, Adorno hätte seine helle Freude daran gehabt.
Was ich damit sagen will: Es handelt sich nicht um ein vegan-typisches Phänomen, sondern um eines des Internets und der dort stattfindenden Kommunikation. Das mag mir in dem Moment nicht helfen, in dem ich mal wieder von irgendjemandem als schlechtester Mensch des Jahrhunderts, wegen meines Margarinekonsums sogar noch schlimmer als Hitler, Stalin und Mussolini zusammen, bezeichnet worden bin, aber es hilft doch sehr, wenn man mit etwas Abstand darüber reflektiert und sich das schiefgelaufene Gespräch nochmal ansieht.
Es gibt einen Grund, weswegen uns unsere Omas das Sprichwort "der Klügere gibt nach" gelehrt haben, vielleicht schadet es uns nicht, wenn wir uns aus manchen Internetdiskussionen mal fernhalten, wenn man nicht auf jede Provokation eingeht und wenn man den "Superveganer" einfach mal mit seinem Hass versanden lässt, im Gegensatz zu einer richtigen Diskussionskultur sind solche Wortgefechte doch gar nicht aufs überzeugen, auf Informationsautausch oder einen Kompromiss ausgelegt, sondern einfach nur wirres territoriales Verhalten, in dem der eine, der "richtige" Veganer dem anderen ans Bein pinkelt und damit klarstellt, dass der andere ja allerhöchstens ein "Pseudo" ist, so wie eben der "richtige Rocker" auf Rockfans herunterblickt oder der allerallergrößte Twilight-Fan auf "Pseudofans", die erst nach dem Hype vom Glitzervampir gehört haben. Auch ich bin schon attackiert worden, auch bei mir ist das nicht immer glimpflich ausgegangen und auch ich habe oft genug nicht überlegt geantwortet, sondern einfach mal zurückgeblafft, wie ich aber neulich mal in einem sehr treffenden Kommentar las (den ich spontan leider nicht mehr finde): "man sollte mit solchen Leuten verfahren wie mit allen anderen selbsternannten Vorstadt-Sheriffs und sie einfach ignorieren", das ist der beste Rat, den ich jedem mitgeben kann, denn die 150. Diskussion darüber, ob ich nun Vraten- statt Bratensoße schreiben muss, damit mein virtuelles Gegenüber nicht gleich seinen Zeigefinger in mich bohrt um mir mitzuteilen, dass Bratensoße aber generell nicht vegan ist und wieso ich überhaupt der Ansicht bin sowas unveganes promoten zu dürfen, denn ich wäre ja auch immer ein Vorbild und in meiner Funktion als Veganer quasi verpflichtet 24/7 ein positives Bild des Veganismus abzugeben, die muss auch ich mir nicht antun. Bei anderen Themen bietet es sich aber durchaus an erstmal eine Runde um den Block zu gehen, bevor man zurückkeift, nicht alles was im ersten Moment nach einem Angriff aussieht ist auch wirklich einer gewesen und manchmal steckt in der Kritik auch ein Fünkchen Wahrheit über die es sich nachzudenken lohnt.

Ich wünsche mir eine gelassenere, diskussionsoffenere und reflektierendere vegane Gemeinschaft, eine die anerkennt, dass man sich nicht mögen muss, nur weil man das Merkmal "vegan" teilt und vor allem auch, dass es durchaus unterschiedliche Ausprägungen veganen, ethischen und nachhaltigen Lebens geben kann.
Ich glaube nicht an Bewegungen, die auf Linie zu bringen sind und die man mit dem "Spalter"-Ruf zur Ordnung und Geschlossenheit zwingen kann und soll, im Gegenteil bin ich davon überzeugt, dass eine vernünftige Diskussionskultur mit vernünftig vorgetragenen Argumenten (aber auch ein bisschen weniger Mimosenhaftigkeit auf manchen Seiten) sehr zielführend sein könnte. Mein Interesse an homogenen "Bewegungen" die auf ein gemeinsames Ziel hinsteuern ist ohnehin nicht besonders groß, im Gegenteil, ich finde die Entwicklung bedenklich, dass man für nahezu jede Meinung, jedes angeschnittene Thema und jede Äußerung mit einem "du schadest der veganen Sache" bedacht wird, aber dazu gleich noch mehr.




2. "Du darfst nichts über Palmöl sagen, denn das hindert Leute daran, dass sie vegan werden, weil du sie mit deinen Forderungen überforderst"

Ich schreibe es hier und jetzt zum allerletzten Mal: Ich habe keinerlei Interesse daran irgendwen vegan zu machen, irgendjemanden zu überzeugen, zu bekehren, die Lobpreisungen des Veganismus zu verbreiten und ebensowenig lege ich Wert darauf, dass das was ich mache nach außen hin so bewertet wird.
Mein Leben ist nicht das eines Missionars und ich definiere mich nicht über die Anzahl der Veganer, die ich zu ebensolchen gemacht habe. Neben dem was ich hier auf dem Blog von mir und über mich schreibe gibt es eben noch eine ganz andere Person, hier bin ich "Cara", die Veganerin, offline mache ich aber um einiges mehr und Veganismus ist lediglich ein Bruchteil meines Interessens- und Betätigungsspektrums.
Das vorneweg gesagt, möchte ich aber hinzufügen: Im Gegenteil zu denjenigen, die vielleicht seit ein paar Wochen oder Monaten vegan leben, haben Menschen die so lange dabei sind wie ich einen anderen Blick auf die Welt, den Veganismus und auch seine Machbarkeit. Wenn ich vegane Facebookgruppen und den Jubel einer Reihe von Mitgliedern sehe, wenn sie feststellen, dass Lebensmittel, die ich seit Jahren konsumiere vegan sind, dann merke ich, dass man da einfach nicht auf dem gleichen Stand ist. Wer so lange vegan lebt wie ich, der hat einfach einen anderen Blick auf die Produktpalette, ein größeres Wissen über Bezugsquellen und Inhaltsstoffe und kann im Zweifelsfall das Angebot jedes Bioladens/Reformhauses der umliegenden Städte auswendig runterbeten. Für mich ist es kein Wunder mehr, dass Pfannkuchen klappen und dass man Donuts auch vegan hinkriegt, ich weiß wo ich veganes Nougat herbekomme und ich habe (im Gegensatz zu manchen, die reflexartig "endlich wieder Käse" schreien) wohl tatsächlich alle veganen Käsesorten probiert, sogar die, die schon seit Jahren nicht mehr hergestellt werden (aus gutem Grund).
Mein Blog und die Informationen hier richten sich deswegen vielleicht auch gar nicht so sehr an den Jungveganer, der noch über die Tatsache ausflippt, dass es überhaupt vegane Schokolade im Supermarkt zu kaufen gibt, sondern mehr an diejenigen, die vielleicht schon im veganen Leben angekommen sind und jetzt einen Schritt weiter machen wollen. Es mag sein, dass man sich dadurch unter Druck gesetzt fühlt, es mag sein, dass manche an der Machbarkeit eines ethischen Lebensstils (und ich nenne das ganz bewusst so und eben nicht vegan, weil vegan nur ein Bruchteil davon ist und der Rest eben nicht automatisch inkludiert ist) zweifeln, wenn sie merken, dass da eben noch viel mehr dranhängt, aber ich bin unumstößlich davon überzeugt, dass man Menschen mit solchen Informationen nicht nur überfordert, sondern eben auch fordert. Ich glaube nicht an das Recht auf Unwissenheit und die meisten Veganer, die ich kenne geben mir darin Recht, wenn es um die Bedingungen geht in denen unsere "Nutztiere" ihr Leben fristen. Aber wenn es um Mädchen in Burkina Faso kommt, die als Kinder zur Prostitution gezwungen werden, wenn das Thema auf Landraub für Soja und Palmöl wechselt, wenn die Menschheit mal wieder dabei ist die letzten indigenen Völker auszurotten, weil die eben keine Besitzurkunden für ihr Stück Wald haben und es beim Leder nur noch um das tote Rind, aber nicht mehr um den verschleppten und versklavten Arbeiter in Südamerika gehen darf, dann stimmt doch was nicht.
Bei diesem Thema spielen viele die berühmten drei Affen: nichts hören, nichts sehen, nichts sagen. Man könnte ja die Neuveganer verschrecken.
Mich erinnert diese Haltung fataler Weise an das, was man als Veganer von seinen Freunden kennt, die essen auch alle nur ganz selten mal Biofleisch und finden das ganz furchtbar schlimm was da so mit den Tieren passiert aber verzichten? Ohne Käse, Wurst und die Torte von Oma kann man schließlich nicht leben und außerdem sind die ganzen Veganer sowieso viel zu extrem und man ist ja, das haben wir von der Extremismustheorie gelernt, gegen diese ganzen Extremen, weil alles Extreme schlecht ist.
Vielleicht kann man auch als etwas überforderter Neuveganer überlegen ob die maximal 1,50€ Unterschied für fairtrade Schokolade in der Woche wirklich so ein riesiges Loch in den Geldbeutel reißen, dass man das ganz empört von sich weisen muss? Und vielleicht sollte man auch mal, bevor man kategorisch alles ablehnt, ein wenig Aufwand in Recherche stecken, bevor man Dinge behauptet wie "es gibt keine veganen Schuhe und wenn dann nur viel zu teuer", "fairtrade Kleidung gibt es ja nirgendwo und die ist mir viel zu teuer, ich kann mir das nicht leisten"  oder "palmölfreie Kosmetik, das ist alles unglaublich teuer und das gibts ja auch nur von Luxusmarken". Interessant auch der Standpunkt den ich neulich laß, dass man ja nicht damit leben könne, dass man, wenn man denn gebrauchte Kleidung kaufen würde eventuell jemand Bedürftigen die Chance darauf nehmen würde: Ich weiß nicht, ob jemand von euch mal Kleiderkreisel genauer inspiziert hat oder sich zB auch schonmal in einen Sozial-/Gebrauchtwarenmarkt verirrt hat? Die Mengen, die unser Wirtschaftssystem an gebrauchten Dingen und vor allem Kleidung abwirft sind erdrückend, Gebrauchtwarenmärkte auf Spendenbasis geben einen Großteil der eingehenden Ware direkt weiter, weil sie deutlich mehr bekommen als sie verkaufen können, vieles geht ins Ausland, anderes aber auch zB an Kleiderkammern, zu denen wirklich Bedürftige Zugang haben. Man nimmt da niemandem was weg, man nimmt niemandem die Chance auf eine saubere und modische Jeans, nur weil man sich selbst mal eine gebrauchte kauft.

Vielleicht hilft in diesem Punkt auch mal der Selbstcheck, den Vegetarier gerne Vorschlagen: Analog zu "Solang ich kein Tier töten kann, darf ich es auch nicht essen, da ich ansonsten eine Art Auftragsmörder bin", könnte man sich überlegen, ob man sich selbst in der Rolle des Auftragssklavenhalters sehen möchte.

Wie ist das nun bei Menschen, die das finanziell, logistisch, gesundheitlich oder aus anderen Gründen nicht mach- oder leistbar finden?
Ich bin bei der Frage ehrlich gesagt etwas zwiegespalten: Ich habe nun schon öfter gelesen, dass zB vegan leben auf dem Land nicht machbar sei. Um ehrlich zu sein muss ich darüber ein wenig schmunzeln, denn vegan war, auch auf dem Land, nie so einfach wie heute. Als ich vegan geworden bin, gab es keine fancy Fleischersatzgerichte im Supermarkt nebenan, es gab für mich in greifbarer Nähe keine Sojamilch und die die es gab schmeckte schauderhaft. Es gab keinen Tofu und keinen Asia-Store und mangels regelmäßigem Internetzugang gab es noch nichtmal Veganer, die mir irgendwie mitgeteilt hätten, dass es sogar damals schon im Supermarkt veganen Süßkram gegeben hätte. Für die Menschen um mich rum war vegan ein Fremdwort und genauso fremd war die damit verbundene Grundhaltung, schon Vegetarier galten als nicht mehr so ganz sauber, Veganer standen in etwa auf der gleichen Stufe wie diejenigen, die sich von Lichtnahrung ernähren (wollen). Von der vebu-Ortsgruppe bekam man auf Anfrage recht deutlich mitgeteilt, dass ein Interesse an "so Gspinnerten" generell nicht bestehe und von veganen Schnitzeln für 1,80€ beim Discounter um die Ecke konnte man allerhöchstens träumen, dafür gabs im Reformhaus im Kühlregal versteckt Grünkern- und Hirsebratlinge für den 3-4fachen Preis.
Um das ganze mal mit Zahlen zu versehen: Ich habe damals von 500€ im Monat gelebt, von denen nach den Fixkosten noch ca 180€ übrig waren, damit habe ich neben meinen Zigaretten (damals habe ich noch geraucht) auch meine Lebensmittel gezahlt, meine Bücher, abends weggehen und meine Kleidung, ich habe zwei Pflegekaninchen versorgt und musste natürlich das übliche wie Kosmetika, Kleidung, Bahnkarten und Co auch noch stemmen. Ich kenne nicht viele Leute, die weniger hatten als ich.
Da waren keine fancy Fleischersatzprodukte drin (die dann so langsam mal nach und nach aufkamen), aber der Besuch im Bioladen war genauso leistbar wie das abendliche Bier, allerdings war eben zB der Griff zu Südfrüchten oder teuren Extras die Ausnahme und meine Ernährung bestand hauptsächlich aus günstigem regionalem Gemüse und dem Klassiker der Studentenküche: Pasta Napoli.
Nicht jeder muss so leben wollen, ich sehe durchaus ein, dass für diejenigen, die vielleicht keine konsumkritische Haltung an den Tag legen und die mit dem Kapitalismus wie er ist so an sich zufrieden sind ein Verzicht auf das wöchentliche Shopping schwierig ist, dass man dann auch gar nichts davon hören möchte, dass es da mal wieder irgendwelche Katastrophen gab, dass man einfach mal nur "genießen und leben und sich gehenlassen" will, aber das wollen Fleischesser eben auch, wenn sie von ihrem Steak schwärmen. Man kann nicht mit dem Finger auf diejenigen zeigen, die ein Schwein quälen lassen und nichts davon wissen wollen, während man selbst afrikanische Baumwollpflücker und asiatische Näherinnen ausbeuten lässt, das geht nicht zusammen und da sollte man so ehrlich sein den Mechanismus dahinter zu erkennen und eben auch als Nichtgläubiger den "Splitter&Balken"-Spruch eines berühmten Religionsstifters ernstnehmen und auf sich selbst beziehen.
Die Frage, die wir uns ernsthaft alle miteinander stellen müssen ist eher die, dass man einen Weg finden muss, auf dem man damit umgehen kann ein Heuchler zu sein. Wir alle nutzen Palmöl, selbst die, die es nicht wollen oder vermeiden, tun es zwangsläufig. Und genauso profitieren wir von der ausgelagerten Sklaverei in den Drittweltländern, auch wenn wir uns noch so sehr bemühen und auch der veganste Veganer nutzt Tierprodukte, spätestens wenn er mit der Bahn fährt in Form von technischem Fett aus Schweineschwarten. Das ist so und das wird sich so schnell auch sicher nicht ändern. Aber ich denke, dass es mich eben nicht davon entbindet es erst recht zu versuchen, mich weiter zu informieren und es rechtfertigt nicht, dass ich mich darauf berufe, dass ich eben in einem ethischen Dilemma zwischen haben wollen und nicht schuld sein wollen feststecke und deswegen gleich aufgeben kann.
Dass hierbei jeder seine eigene Machbarkeitsgrenze ausloten muss, muss man so hinnehmen, selbst wenn man sich ab und an denkt, dass manche vielleicht absichtsvoll Ausreden anführen, die ihnen einen bequemeren Weg ermöglichen. Selbst wenn ich die Ausreden mir gegenüber nicht gelten lassen würde, wenn ich noch so sehr den Kopf schüttle, dann gehe ich noch immer davon aus, dass der andere es eben aus diversen Gründen nicht besser hinbekommt. Wir alle haben verschiedene charakterliche Dispositionen, unterschiedliche Lebensumstände und eben auch sehr divergierende Bedürfnisse. Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich hinstellt und deutlich macht, dass das Projekt vegan eines ist, an dem er gescheitert ist oder kontinuierlich scheitert, weil er eben doch sonntags mal zum Kuchen von der Oma greift oder auf ein Produkt nicht verzichten will. Ich finde diese Ehrlichkeit gut und wichtig, vegan ist eben auch nur eine Zustandsbeschreibung und wenn ich auf die Butter auf meinen Kartoffeln nicht verzichten will, dann bin ichs eben nicht. Schlussendlich muss ich vor mir selbst Rechenschaft ablegen und wenn dann auch noch mehrere Problemfelder kollidieren, dann wird die Prioritätensetzung bei jedem anders ausfallen. Vielleicht lebt der eine 99% fair und dafür nur 95% vegan, während ein anderer es andersrum macht, ich denke die meisten tun das, was ihnen in ihrem Rahmen möglich ist und das ist besser als gar nichts und ein realistischeres Ziel als 100% anzupeilen. Wir springen bei unseren Kaufentscheidungen von einem ethischen Dilemma zum nächsten, manchmal muss man sich dann eben auch entscheiden und nicht immer gibt es überhaupt eine "richtige" Alternative.


3. Fairtrade bringt doch nichts, das ist alles nur ein Verteilungsproblem und ich allein bewirke ja sowieso nichts

Die Floskel vom Verteilungsproblem lese ich in letzter Zeit auch wieder häufiger und möchte dazu nun auch mal ein paar ganz kurze Anmerkungen machen, so einfach ist es nämlich dann wiederum doch nicht.Ich packe diese drei Punkte mal in einen Unterpunkt, weil sie recht untrennbar zusammengehören.
Was die Palmöl- und Sojadiskussion angeht, so wird hierbei unter den Tisch fallen gelassen, dass es neben der Problematik des Artenschutzes und dem nicht zu übersehenden Schaden für die Umwelt auch eine nicht minder schwerwiegende soziale Komponente gibt, der Urwald der zB in Borneo niedergeholzt wird ist nämlich nicht das unberührte Stückchen Natur, das man sich als Mitteleuropäer vorstellt, sondern durchsetzt von sogenannten Waldgärten, die die Lebensgrundlage für die Einheimischen dort darstellen, diese Nutzungsrechte sind aber nur im seltensten Fall Eigentumsrechte, auch wenn sie seit Generationen vererbt wurden, dazu sind in einem korrupten Land Eigentumsrechte an Teilen des Urwalds ohnehin Makulatur, denn sobald ein Riesenkonzern auftaucht, der verspricht dort Arbeitsplätze zu schaffen, wird ein Beamter bestochen, eine Eigentumsurkunde ausgestellt, der Waldgarten plattgewalzt, mit Ölpalmen bestückt und selbst wenn ein ehemaliger Eigentümer dann doch mal vor Gericht zu seinem Recht kommt, steht er vor den Scherben seiner früheren Existenz.
Stattdessen sind diese Leute nun gezwungen auf den neu entstehenden Ölplantagen zu arbeiten, dass der Lohn blanker Hohn ist und meistens nicht ansatzweise für die Grunsicherung ausreicht, braucht man wohl kaum dazu erwähnen.
Ähnlich verhält es sich in Südamerika wo das Problem mit dem Soja nun ebenfalls immer drängender wird. Eine ausführliche Beschreibung für beide Problemkreise findet sich in Huismanns Schwarzbuch WWF, er erklärt dort detailliert wie durch den Landraub unzählige zuvor selbstversorgende Familien ihre Erwerbsgrundlage verlieren und verarmen und durch welche Umstände der Landraub begünstigt wird.
Etwas älter aber dafür nicht weniger brisant ist das Problemfeld der Landwirtschaft in Afrika, in Trockengebieten werden nach wie vor nicht Lebensmittel für die afrikanische Bevölkerung angebaut, sondern beispielsweise Viehfutter oder Schnittblumen für den Markt der sogenannten ersten Welt. Wer sich das alles so nicht vorstellen kann oder will und generell meint, dass der Zusammenhang zwischen Futtermitteln und Welthunger ein konstruierter ist, der sollte sich dringend die Futtermittelstudie von Brot für die Welt durchlesen, die unter dem Titel "Brot oder Trog" erschienen ist. Auf wenigen Seiten und unter Verweis auf eine große Anzahl ähnlicher Studien werden Zusammenhang und Auswirkungen verdeutlicht und  erschließen sich dann vielleicht besser.
Und hier sind wir eigentlich auch schon an dem Punkt an dem fairer Handel wichtig wird: Während man sich trefflich darüber streiten kann wie viele Veganer es denn nun braucht, bis die 15g Ei im Keks einem männlichen Küken das Leben retten, ist fairer Handel eben nicht "die anonyme Macht des Verbrauchers", die auf einer mehr oder weniger realistischen Einschätzung des Prinzips von Angebot und Nachfrage fußt, sondern bietet Alternativen für bäuerliche Kooperativen, also Kleinbauern und ihre Familien und insbesondere auch die zugehörigen Kinder. Wer sich schonmal die Mühe gemacht hat sich auf den Seiten von Gepa, El Puente und Co umzusehen, der wird merken, dass da konkrete Projekte gefördert werden und dass das Geld eben auch ankommt und nicht, wie häufig gebetsmühlenartig vorgetragen, versandet. Die Überheblichkeit mit der oft behauptet wird "dass das ja eh alles nichts nützt" ist ungerecht denjenigen Gegenüber, die diese Netzwerke aufbauen und aktiv mitgestalten, dort wird seit Jahrzehnten aktive Hilfe zur Selbsthilfe geleistet, die auch funktioniert und es wäre verfehlt denjenigen, die sich dort engagieren Unwissenheit oder Kurzsichtigkeit zu unterstellen, vor allem aus der Position eines Laptopkriegers, der die Umstände dort im allerbesten Fall aus 3.-5. Hand kennt und der sich seine Meinung aufgrund von zweitklassigen Dokumentationen und Vorurteilen gebildet hat.
Das Verteilungsproblem impliziert nämlich deutlich mehr als nur, dass in den Wohlstandsländern Nahrungsmittel in der Tonne landen, weil sie nicht schön genug sind um unter Supermarktlicht attraktiven Kaufanreiz zu bieten, es sagt auch aus, dass es Unmengen von Menschen gibt, die sie sich schlicht nicht leisten können, weil unser derzeitiges Wirtschaftssystem ihnen keine Möglichkeit gibt teilzuhaben oder sie zu denjenigen gehören, auf deren Schultern nunmal unser Wohlstand fußt. Einfach ein paar übrig gebliebene Dosen nach Afrika zu schicken funktioniert nicht, man muss den Menschen die Möglichkeit geben sich autark versorgen zu können und genau da sind wir wieder am Ausgangspunkt: das was in Afrika durch den Kolonialismus schon ausführlichst betrieben wurde, nämlich die Menschen ihrer Lebensgrundlage zu berauben, passiert momentan im rasenden Tempo durch die Ausweitung von Palmöl- und Sojaplantagen in anderen Teilen der Welt.
Man mag daran zweifeln, ob der Verzicht auf ein Päckchen Margarine nun wirklich den Regenwald rettet und die soziale Situation entschärft, die Stärkung der Menschen und der entsprechenden Projekte vor Ort tut dies aber ohne Zweifel. Die Leute in Asien, Afrika und Südamerika sind nicht dumm oder hilflos und sie müssen nicht von uns mit Nahrungsmittellieferungen, weihnachtlichen Spenden und Almosen errettet werden, die brauchen eine realistische Chance um sich selbst versorgen zu können und sie müssen von uns als gleichwertige Partner gesehen werden. So wie ich mein Gemüse bei dem Biolandbauern meines Vertrauens kaufe und finde, dass er für ordentliche Qualität auch vernünftiges Geld haben soll, so möchte ich auch, dass die Kooperative aus der mein Kakao kommt einen angemessenen Lohn erhält.
Ich habe den Großteil meines Studiums im Niedriglohnsektor gearbeitet, ich kann mich nicht auf der einen Seite über die schlechten Arbeitsbedingungen und die miese Bezahlung beschweren, während ich ignoriere, dass diejenige, die mein T-Shirt genäht hat nur halb so alt ist wie ich, dafür aber doppelt so lange Schichten hat und im Monat soviel verdient wie ich in 3 Stunden.
Ein weiterer Aspekt den ich hier gerne ansprechen möchte ist der Hinweis, dass das ja an unserem Wirtschaftssystem liege und wir deswegen eigentlich keine weitreichenden Handlungsmöglichkeiten hätten. Ich halte dieses Argument, grob gesagt, für ein Argument das aus Faulheit und Eigennutz geboren wurde, denn natürlich stimmt es, dass das System krankt. Selbst dem blindesten ist schon aufgefallen, dass das was wir haben, unser Standard, eben nur deshalb da ist, weil irgendwo (verkürzt und heruntergebrochen) dafür Kinder verhungern, Menschen versklavt und schlechter behandelt werden als unsere mitteleuropäischen Haustiere. Das rechtfertigt aber nicht, weswegen ich mich diesem Diktat unterwerfen muss und ich entmündige mich mit einer solchen Aussage selbst. Hand aufs Herz - ich werde das System nicht ändern und ich fürchte das wird auch nicht in naher Zukunft geschehen. Denjenigen die aktuell unter diesem System zu leiden haben hilft aber kein Ausblick in eine ferne paradiesische Zukunft, auch die haben nur diese eine Existenz die sie so lebenswert wie möglich gestalten können sollen, dieser Möglichkeit berauben wir sie aber.

Nein, Sie als Konsument sollen nicht auf die Anklagebank kommen. Selbst wenn Sie es verdienten, es brächte nichts. Man kann nicht von allen verlangen, dass sie gut sein sollen, immer und jederzeit. Außerdem passt ein schlechtes Gewissen nicht zum Einkaufen. Das verdirbt die Laune. Wenn wir kaufen, wollen wir uns von Sorgen frei fühlen. Wir sind ohnehin eher fürs Verdrängen gemacht, weniger fürs Problematisieren. Also, keine Appelle an das Gewissen des Konsumenten. Sie verhallen meist ungehört.

War kürzlich in einem sehr lesenswerten Artikel in der Zeit zu lesen, aber es ist ja auch viel einfacher sich über diejenigen zu mokieren die auf diese Missstände hinweisen, als einmal vernünftig zu begründen weswegen man eben doch zu dem Schluss kommt, dass man das ganze vertretbar findet und vielleicht zu überlegen ob man nicht doch die ein oder andere taugliche Möglichkeit findet sich der Maschinerie zu entziehen.

Inwieweit nun der konkrete Verzicht etwas bewirkt, das mag trotzdem weiter strittig bleiben, Fakt ist aber er unterstützt zumindest nicht. Kaum jemand hat Probleme damit den konkreten Zusammenhang zwischen Fleisch und Tier herzustellen, bei Milch und Kälbchen, Ei und geschreddertem Hahn wirds dann schon schwieriger aber generell neigt der durchschnittliche Veganer dazu den Zusammenhang noch zu sehen und deswegen einen Widerwillen gegen Frühstücksei und Sahnetorte zu entwickeln. Zugegeben, der Zusammenhang zwischen T-Shirt und Kindersklaven in Burkina-Faso überspringt einige Schritte, ist also noch abstrakter und deswegen vielleicht auch weniger greifbar, das was dort passiert ist schließlich auch nicht unsere Lebenswelt. An Schlachthöfe und Tierfabriken erinnert und immer wieder eine Fahrt über die Autobahn, die Unmengen an Videobeweisen, die aus dem gesamten Aufzuchts- und Verwertungsvorgang zu uns gelangen und nicht zuletzt die Tatsache, dass wir alle wissen, dass es mitten unter uns geschieht. Die Drittweltländer dagegen sind unfassbar weit weg. Niemand kann sich ernsthaft 7-jährige in 50m Tiefe nach Gold schürfende Jungs vorstellen, das ist etwas was sich unserer Vorstellungskraft entzieht, das wird nicht plastisch und mit dem Ring der dir bei der Verlobung aus dem Kästchen entgegenstrahlt scheint das alles nichts zu tun zu haben.
Trotzdem: Weswegen fällt es soviel leichter auf die Hühnerbrühe zu verzichten oder einen Keks wegen des enthaltenen Milchpulvers abzulehnen, als den Rest zu bedenken? Zum einen ist da der Aspekt, dass die meisten Veganer davon überzeugt sein dürften, dass das Töten eines Tieres generelles Unrecht ist, nähen oder Gold schürfen dagegen nicht. Zum anderen spielt natürlich die Tatsache eine Rolle, dass in der Hühnerbrühe immer ein totes Huhn, hinter dem Goldschmuck aber nicht automatisch ein verklavtes Kind stehen. Man hat viele Optionen sich das schönzureden, bis das Gegenteil bewiesen wurde erstmal zu konsumieren und den Gedanken an eventuelle Vorgeschichte nach hinten zu schieben. Trotzdem: So wie der Verzicht auf einen Goldring kein Kind aus einer Mine befreit, so rettet auch ein Päckchen nicht gegessener Kekse kein einziges Huhn, auch meine regelmäßige Teilnahme an Wahlen hat bisher weder eine CSU-Landesregierung noch eine große Koalition auf Bundesebene und, leider, auch nicht Schwarz-Gelb verhindern können. Warum also wählen gehen, warum vegan leben oder palmölfreie Produkte kaufen? Weil die einzelne Entscheidung in der Summe eben doch einen Unterschied macht und spätestens dann, wenn das Votum erkennbar in eine Richtung ausschlägt, stellt sich auch eine Veränderung ein, natürlich geht es auch ums eigene Ego und darum eine Handlungsethik zu verfolgen (wobei ich nach diesem Post nicht unbedingt noch in eine Diskussion über die verschiedenen philosophischen Ansichten zum Thema ethisches Verhalten und Supererogation dranhängen möchte), die eben nicht nur aus Phrasen darüber besteht, dass man sich allerhand Problemen bewusst ist, sondern die auch gezielt versucht den Lebensstil den Erkenntnissen anzupassen. Wir haben schon viel zu viele Maulhelden, die immer wieder gerne auf diverse Problemfelder hinweisen ohne jemals selbst aktiv zu werden, ich für meinen Teil möchte nicht zu denjenigen gehören, die permanent die Schlechtigkeit der Welt beklagen, dann aber doch keinerlei Konsequenzen daraus ziehen. Und mit der Bitte um die Überlegung wie konsequent man seiner eigenen Ethik folgen kann, möchte ich nun auch schließen. Vielen Dank an alle, die sich mein Monumentalwerk angetan haben.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Vegan Wednesday #18 - das Board





Und wieder ist ein Mittwoch ins Land gezogen, mittlerweile sind wir schon beim 18. Vegan Wednesday und ich bin immer wieder erschlagen von euren Ideen, Rezepten und dem fotografischen Talent!

Danke an alle, die das dieswöchige Board wieder zu einer bunten Entdeckungsreise gemacht haben, in den kommenden Tagen poste ich wieder eine kleine Auswahl eurer Beiträge bei Facebook, wer gerne live dabei sein möchte, darf uns gerne dort folgen!

Nächsten Mittwoch geht es weiter bei Carola auf Twoodledrum.

Samstag, 8. Dezember 2012

Vegan Wendesday 18





ausgefallen ist diese Woche das Frühstück, ich hatte erst spät nachts gegessen und bis zum Mittag deswegen noch keinen richtigen Hunger ich bin sowieso nicht so besonders frühstücksbegeistert, weswegen ich diese Mahlzeit oft bis zum Mittagessen vor mir herschiebe und dann ausfallen lasse





mittags gab es dann das was es zum Frühstück gegeben hätte: Müsli mit Yofu, zum einen musste der Yofu weg, zum anderen wurde ich von einer latenten Kochfaulheit überrannt








nachmittags hatte ich neben diesem Schokoteilchen aus meinem Moo Free Adventskalender auch noch ein paar Kekse, die aber ohne Foto




ja, auch ich habe endlich einen Spiralschneider, da er an dem Tag angekommen ist, musste er natürlich sofrt ausprobiert werden also wurde eine ganze Zucchii in extralange Zucchininudeln verwandelt (technisch ist das Gerät wirklich unfassbar einfach zu bedienen), dazu gabe es gebratene Tempehwürfel, für Tempeh könnte ich ja töten! 

Dienstag, 4. Dezember 2012

Mittwochslinksablieferungspost


Hello, it's me again! Ohne große Worte: Morgen ist wieder Mittwoch, also fotografiert, was das Zeug hält und postet eure Links dann hier, damit ich ein wunderschönes Board für euch erstellen kann!

Wie immer: bitte Fotos machen und bis Samstag Abend hier verlinken, unser Board gibts dann wie immer auf Pinterest zu bewundern und wer noch ein bisschen Inspiration braucht, kann auch auf Facebook rumstöbern!

Samstag, 1. Dezember 2012

Vegan Wednesday #17



Mal wieder ein Mittwoch, an dem ich unterwegs war, deswegen bin ich diese Woche auch recht spät dran, was schade wäre, denn es gibt eine vielleicht etwas überraschende Neuerung:
Gesammelt wird von Regina, die neu im Team ist und die ich auf diesem Weg nochmal ganz herzlich begrüßen will. Sie ist die Bloggerin hinter dem wundervollen Blog mucveg und unterstützt uns ab jetzt beim sammeln, pinnen und organisieren.





Frühstück: Yofu begraben unter einem Crunchmüsli mit Apfelchips, gefriergetrockneten Erd- und Himbeeren, dazu frisches Obst, Kaffee und Tee





schnelles Mittagessen zwischen Tür und Angel: Semmel mit zwei verschiedenen Aufstrichen, Räuchertofu und Zwiebelscheibchen, davor und danach Obst



das Abendessen fiel dann etwas größer aus: Gemüse&Tofu-Curry in Kokosmilch mit Reis und außerdem 6 Avocado-Maki