Dienstag, 29. Januar 2013

Palmölvermeidungsstrategien Teil 3: Palmöl im Alltag

Vor dem letzten Teil der Reihe habe ich mich lange gedrückt und ich will gleich vorweg schicken, dass der Artikel nicht im Mindesten einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann, trotzdem möchte ich euch meine Informationen nicht vorenthalten.

Relativ bekannt dürfte noch sein, dass Palmöl und Stoffe die daraus hergestellt werden uns täglich umgeben und vor allem auch, analog zur Kosmetik, häufig in Reinigungsmitteln zu finden sind. Alles was nur ansatzweise wie Seife aussieht ist daher "verdächtig": Haushaltsreiniger, Waschmittel, Spülmittel und Co. 
Da, im Gegensatz zu Kosmetik oder gar Nahrungsmitteln, die Inhaltsstofflisten für den durchschnittlichen Nichtchemiker überhaupt nicht überschaubar sind, muss man sich hier zwangsläufig durch einen Dschungel von Produktanfragen kämpfen.
Alternativ bleibt natürlich die Option stattdessen auf garantiert palmölfreie Hausmittel zurückzugreifen, Essigwasser zum putzen wäre genauso eine Alternative wie das zurückgreifen auf alternative Waschmittel. Allerdings stellt sich hierbei dann natürlich wieder die Frage der Sinnhaftigkeit, denn nicht jede Alternative ist automatisch gut oder besser als das was man vermeiden möchte.
Eine ebenso simple wie preisgünstige Alternative zum herkömmlichen Waschmittel habe ich bisher nicht finden können, zwar gibt es neben relativ teuren palmölfreien Waschmitteln auch Möglichkeiten sich selbst welches herzustellen, so zB aus Kastanien oder Seifenkraut, das erfordert aber Zeit und Mühe und viel Planungsaufwand.
Wie man diesen Punkt löst muss man wohl selbst entscheiden, ich stehe da aktuell selbst noch vor einem Problem, da das Waschmittel welches ich bis dato gekauft habe nicht mehr hergestellt wird und ich noch keine für mich passende Alternative gefunden habe. Von alternativen Waschmitteln war ich bis dato nicht so sonderlich begeistert, vor allem weil mich die Reinigungswirkung nicht wirklich umgehauen hat (und ich dann auch keinen großen Sinn darin sehe Sachen mehrere Male zu waschen).
Generell schadet es hier aber auch nicht sparsam mit Waschmittel umzugehen. Auch im Sinne der Ressourcenschonung ist es nicht sinnvoll wenn man, überspitzt formuliert, jedes Teil das man aus dem Schrank gezogen hat augenblicklich in die Wäsche gibt.

Ein weiterer Punkt, der allerdings für die meisten weniger relevant sein dürfte und auch eher einen untergeordneten Stellenwert einnimmt, sind Kerzen. Ich erwähne sie hier vor allem der Vollständigkeit halber, habe aber bereits vor ein paar Monaten dem Problem Palmöl und der generellen Veganität von Kerzen einen eigenen Artikel gewidmet, auf den ich hier nochmals hinweisen möchte.
Falls jemand Bezugsquellen für vegane und nachhaltige Kerzen hat, so möge er sich doch bei mir melden, ich verlinke das dann gerne dazu!

Eine der größten Baustellen dürfte aktuell E10 sein, denn auch in den neuen "biologischeren" Sprit wird Palmöl gemischt.
Wie man das vermeiden kann, kann sich jeder selbst ausmalen: Mehr öffentlichen Nahverkehr nutzen, mal das Auto stehenlassen, Fahrrad fahren oder kleinere Strecken zu Fuß gehen. Die Liste ist ellenlang und jedem Kind bekannt.

Ein weiteres Problem ist, dass Palmöl mittlerweile auch zur Stromgewinnung genutzt wird. Die als gute Alternative zum Atomstrom verkauften Blockheizkraftwerke, die die Stromgewinnung dezentralisieren sollten und daher als ein Grundpfeiler der Energiewende gehandelt wurden, werden zum Großteil mit Palmöl betrieben. Ein Skandal, dem mittlerweile wenigstens insofern Abhilfe geschafft wurde, dass es seit 2012 für diese keine Vergütung nach dem Erneuerbare Energien Gesetz mehr gibt (mehr dazu hier).
Hier hilft eigentlich nur ein Umstieg auf Ökostrom, wobei man sich bei seinem Stromanbieter ganz genau anschauen sollte, aus welchen Quellen er seinen Strom bezieht und welche davon tatsächlich ethisch vertretbar und nachhaltig sind.

Neben diesen noch relativ leicht kontrollierbaren oder zumindest nachvollziehbaren Punkten wird Palmöl aber vor allem auch als technisches Fett verwendet und spätestens hier wird das Thema Palmöl undurchsichtig und kaum mehr verfolgbar, denn technisches Fett ist Ausgangsstoff vieler anderer Produkte und als solches im Endprodukt kaum mehr zu erkennen.
Wenn man sich daran erinnert, dass einem totes Schwein in Form von technischem Fett in allen möglichen Formen, von Zigarettenfilter bis Plastiktüte entgegenkommt, dann kann man ahnen, dass das Schmierfett für den Bahnverkehr nicht nur aus Schweineschwarte, sondern vermutlich auch aus Palmfett synthetisiert wird und dass die Verwendungsmöglichkeiten damit noch lange nicht erschöpft sind.
Es gibt viele Dinge in unserem Leben, bei denen wir nicht so genau wissen, woraus sie eigentlich genau bestehen, das fängt bei der Wandfarbe an, geht weiter über Farbstoffe auf einer Verpackung  und endet spätestens bei Matrerialien wie Schaumstoff, Silikon, Kunststoff und Co und so wie ich immer wieder mehr oder weniger entsetzt bin, dass ein bisher für unbedenklich gehaltener Gebrauchsgegenstand tierisches in sich trägt, so ist auch das Palmölthema ein für mich unendliches und in seiner Komplexität nicht zu überblicken.
Und, als ob das nicht schon schlimm genug wäre, dieser Punkt ist auch gleichzeitig der Größte, denn nahezu jedes Produkt, das man kauft hat eine Verpackung von der man nicht genau weiß, wo sie herkommt, selbst die Papiertüten bei meinem Biobauern sind it einer Farbe bedruckt, die theoretisch palmölhaltig sein könnte, von den Klebstoffen ganz zu schweigen.
Das Problem ist: Wir können nur den geringsten Teil der Sachen kontrollieren, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, weil wir den Einbick in die Herstellungsbedingungen gar nicht haben und weil auf jedes gelöste Problem ein Rattenschwanz anderer Probleme folgt.

Was aber sollen wir mit dem Wissen tun?
Um ehrlich zu sein bin ich auch manchmal geneigt den Kopf in den Sand zu stecken und mir zu überlegen, ob es denn tatsächlich Sinn macht wegen 5g Margarine auf einen Keks zu verzichten, wo doch der Ofen des Alternativkekses ebenso mit Strom angetrieben wurde und die Packung vielleicht sogar noch ein Stück weiter gekarrt werden musste, so dass die Palmölbilanz dann doch wieder zu seinen Ungunsten ausschlägt.
Allerdings halte ich es hier mittlerweile so wie mit meinem Veganismus: Ich kann mich immer nur für die vertretbarste Alternative entscheiden. Dazu gehört aber auch, dass ich mich konkret informiere und nicht wild Alternativen nehme, die schlussendlich vielleicht sogar nicht schlechter sind als das, was ich ersetzen möchte.
Zu einem mündigen Verbraucher gehört vor allem, dass man sich informiert und vernünftig abwägt. Danach kann man dann entscheiden, was für einen selbst noch tragbar ist und was man nicht mehr leisten kann.


Weiterlesen:

Teil 1: Nahrungsmittel
Teil 2: Kosmetik

Kommentare:

  1. Hallo Cara! Wirklich tolle Artikelserie - hat mich sehr nachdenklich gemacht und auch deprimiert. Manchmal fragt man sich da doch nach dem Sinn, vegan zu leben und ein Stück die Welt retten zu wollen, wenn man dann doch nur gegen Windmühlen kämpft... :(

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    1. Ich würde da gerne mit einem Foer-Zitat antworten:

      "Aber wir müssen nicht perfekt sein, um Dinge wichtig zu nehmen, und wir können uns vom Bewusstsein, dass wir Heuchler sind, nicht davon abhalten lassen, es zu versuchen. Unsere Wahl besteht nicht einfach aus: entweder das Leben komplett ändern oder überhaupt nicht."

      aus diesem FAZ-Interview:
      http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/buecher/autoren/im-gespraech-jonathan-safran-foer-schluss-mit-schnitzeljagd-1574625.html

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  2. Zum Glück hast du den letzten Teil doch noch geschrieben, das ist eine sehr gute und interessante Zusammenfassung! Über Palmöl als technisches Fett habe ich mir bis jetzt noch keine Gedanken gemacht und bin nun total neugierig! Danke für die Anregungen :)

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    1. wenn du an dem Punkt weiterrecherchieren magst, würde ich mich freuen, wenn du selbst was dazu schreibst, ich verlink dich dann auch ;)

      Für einen alleine ist die Dimension auf alle Fälle kaum zu bewältigen :(

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  3. Das ganze ist so deprimierend, aber ich stimme deinem Schlusswort zu.

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    1. ja, ist es...
      und leider ja auch nicht ansatzweise die einzige Baustelle

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  4. Ein schneller gemachtes Waschmittel-Rezept findet sich hier: http://biotiful.at/blog/2009/11/waschmittel-mit-seife-selbst-machen/#axzz2JjHVXUzQ Die Kernseife kann einfach durch die vegane, palmölfreie Alepposeife ersetzt werden.

    LG und danke für die fundierten Artikel zum Palmöl,
    Frau Momo

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  5. hey,
    thanks for sharing your information is very great full.
    Alternative heizungsanlage

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  6. Man kann immer nur sein Bestes geben und das ist doch tausendmal besser, als gar nichts zu tun ;)
    Danke für den informativen Artikel!

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