Samstag, 1. März 2014

Oh no, Vegetarier leben doch nicht gesünder!

Vegan-vegetarische Geundheitsdiskussion, Klappe die siebenhundertzwölfzigste: Ist vegan nun gesund, ungesund, gleichgesund oder stirbt man innerhalb kürzester Zeit an Proteinmangel, wie es manche Online-Kommentatoren gebetsmühlenartig prophezeien?

Es rauscht im Blätterwald - und da sich mit Veg*-sind-doch-nicht-die-besseren-Menschen-Artikeln eine irgendwie geartete Urangst des Durchschnittsleser beruhigen lässt, folgt Meldung auf Meldung mit immer dem gleichen abgeschriebenen Inhalt: Vegetarier leben doch nicht gesünder und haben auch noch weniger Spaß dabei!

Na, endlich ist es raus. Es brauchte auch nur eine Studie, die das so zwar gar nicht herausgefunden haben will, die man aber, wenn man ein bisschen gewitzt mit Zahlen herumspielen kann und in Statistik I geschwänzt hat, entsprechend lesen könnte, wenn man denn wollte.

Das Problem sind hierbei nicht die wissenschaftlichen Studien, die per se durch den Versuchsaufbau einen gewissen Unsicherheitfaktor mitbringen, sondern Journalisten die jedes Gesabbel das über große Nachrichtenagenturen verbreitet wird unkritisch reproduzieren (wozu wird eigentlich ein abgeschlossenes wissenschaftliches Studium für jedes Kleinstblatt-Volontariat vorausgesetzt?). Den Machern der Studie ist nämlich durchaus klar, dass der Versuchsaufbau diesen Schuss nicht zulässt, aber seis drum, daraus lässt sich schlecht eine Schlagzeile bauen. Der Weg aber, den diese Meldungen nehmen führt in letzter Konsequenz zu Stilblüten wie einer Weltuntergangsvorhersage aufgrund eines missverstandenen Veranstaltungsplakates oder eben der unkritischen Weitergabe einer Studieninterpretation durch einen Ernährungswissenschaftler und Buchautor, der damit die in seinem Buch vertretenen Thesen belegt sieht.

Deswegen muss diese Interpretation nicht falsch sein. Vielleicht leben Vegetarier (und auch Veganer) tatsächlich ungesünder oder nicht nennenswert gesünder. Dazu lesen sich manche Internetdiskussionen, als würden die Beteiligten auf beiden Seiten ihr Herzinfarktrisiko beträchlich nach oben schrauben und die Dauerkonfrontation mit Fotos gequälter Tiere ist wohl auch nicht das Gesündeste für das psychische Gleichgewicht. Und nebenbei, seien wir ehrlich, die Masse an veganem Süß- und Knabberkram vernichtet sich nicht von selbst.

Irgendwie geartetes Veggie-Essen ist bestimmt keine Garantie für ewige Jugend, Schönheit, Untergewicht und makellose Haut. Vermutlich ernähren sich die meisten ungesünder als sie es gerne zugeben. Anstatt solche Studien reflexartig von sich zu weisen sollten sie kritisch hinterfragt und die eigenen Essgewohnheiten reflektiert werden. Nicht alle Kritikpunkte müssen zutreffen, aber oft lässt sich doch das ein oder andere mitnehmen oder lohnt zumindest einer genaueren Betrachtung. Denn selbst wenn der durchschnittliche Veggie gesünder leben sollte, gilt das nicht zwangläufig für jeden, ein wenig Ehrlichkeit schadet hier also nicht und wenn sie noch so schwer fällt.

Kommentare:

  1. Ich finde solche "kritischen" Artikel in den Medien gut. Danach melden sich immer Leute per Mail bei mir oder teilen das genüsslich, von denen ich vorher schon wochenlang nichts mehr gehört habe. Das fördert doch die sozialen Kontakte ;)

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    1. Oh, den Aspekt hab ich noch gar nicht bedacht, stimmt ja :)

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  2. Huhu! Ich hoffe du hast noch zeit für dieses tag: http://mucveg.blogspot.de/2014/03/liebster-award-discover-new-blogs.html

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